Entrepreneurship: Firmen für alle

Von: Christian Litz
Teekampagne-Gründer Günter Faltin
Zoom Teekampagne-Gründer Günter Faltin
© Georg Knoll
Ruhe bewahren, Tee trinken, Firma gründen. Günter Faltin lehrt Entrepreneurship an der Freien Uni Berlin und sagt: Jeder sollte sich ein kleines Unternehmen halten. Es ist ganz einfach.

Der Raum in Berlin-Friedenau hat große Fenster. Hohe Decken, Stuck. Auf dem Keramikboden stehen viele braune Teekisten aus leichtem hellem Holz mit eingebrannten Schriftzügen. Und einiges an Kunst. Ein paar Bilder, ein paar Skulpturen. Zwei hohe schwarze Metallgestelle mit Fernsehscheinwerfern dran. Es ist Abend, die Strahler sorgen für grelles Licht und viel Schweiß. Die Veranstaltung in den Räumen von Günter Faltins Teekampagne wird via Internet live in die Welt übertragen.

Faltin, 64 Jahre alt, mit grauen Haaren an der Seite, Glatze oben, wirkt vergnügt wie ein zufriedenes Walross. Er moderiert souverän, mit tiefer, rauer Stimme. Provoziert gern: "Alle reden von Hightech und klingen so, als würden sie von der Zukunft sprechen. Es ist doch genau umgekehrt, das ist ein Blick zurück in die Vergangenheit." Oder: "Das scheint keiner mitzukriegen, aber der größte Wirtschaftszweig der Erde ist der Tourismus. Unser Wetter ist für die meisten Menschen das bestmögliche."

Ein Labor zum Schmieden von Ideen

Junge Menschen stellen eifrig Businessideen vor. Konstantin Kutzer erzählt von seiner Firmengründung. "Seit 14 Uhr heute online", sagt der Student. Jeder brauche Passbilder. Fotografen in Studios gäben sich wenig Mühe und nähmen viel Geld. "Das kann jeder zu Hause besser, am Computer, mit der Webcam, biometrisch." Kutzer redet, Leute machen Verbesserungsvorschläge. In diesem "Labor für Entrepreneurship" gilt: Was an Ideen kommt, gehört dem Firmengründer. Trotzdem gibt es Ideen satt von allen. "Man nutzt die Gruppe, gibt aber zurück", sagt Faltin.

Auch der Professor steuert immer wieder mal was bei und stellt Fragen als Steilvorlagen, damit die Leute losstürmen können. "Da ist ja jetzt nichts neu erfunden, oder?" Dazu ein fragender Blick, und Konstantin Kutzer erklärt stolz, dass er nichts programmiert habe. Das machen andere. Auch sonst: "Wir kombinieren vorhandene Komponenten." Die 40 Leute im Saal sind neugierig. Immer ist eines zu merken: Wir riskieren was oder wollen mal was riskieren. Wir sind nicht Durchschnitt. Wir haben Gründerblut. Und: Ohne Faltin gäbe es das nicht. Um ihn dreht sich hier alles. Er ist das Vorbild. Wenn der Guru spricht, herrscht gespannte Stille. Sein Erfolg als Teehändler gibt ihm Autorität.

Von der Idee zum Erfolgskonzept

Vor 20 Jahren gründete Faltin als Betriebswirtschaftsprofessor an der Freien Uni Berlin die Teekampagne. Um zu zeigen, was geht. "Man kann nicht Entrepreneurship lehren, ohne in der Praxis was gemacht zu haben." Die Firma lief, kaufte Tee direkt in Indien. Denn teuer wird Tee durch viele Zwischenhändler und die kleinen Packungen. Faltin bietet Tee in Riesenpackungen billig an. Die Firma lief nicht nur, sie rannte. Heute ist Faltin der größte Darjeeling-Händler der Welt, sagt das Tea Board of India. Größer als Nestlé oder Lipton. Früher wurde sein Tee an der Uni auf Tapeziertischen verkauft, dann in eigenen Läden, jetzt meist übers Internet. 2008 allein in Deutschland 180.000 Tonnen.

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