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12.10.2010

Fachkräftemangel: Nach Deutschland? Ach, lieber nicht

Von: Daniela Schröder
Gekommen, um zu bleiben? Fidor Gagauz brachte Entwicklerwissen aus Moldawien mit nach Sachsen
Zoom Gekommen, um zu bleiben? Fidor Gagauz brachte Entwicklerwissen aus Moldawien mit nach Sachsen
© Sven Döring für impulse
Die Angst vor einer Fachkräfteschwemme aus Osteuropa ist unbegründet, denn ausländische Experten meiden Deutschland. Sie fühlen sich nicht willkommen. Sie haben Grund dazu.

Mohamed Arif war kein leichter Fang. Schon ihn zu finden war schwer gewesen. Envi Con hatte extra einen Kopfjäger, einen Headhunter, auf ihn angesetzt. Sechs Wochen lang wurde Arif umgarnt. Erst ein paar Abendessen und Bonuszusagen später ließ der Inder sich erweichen, kündigte seinen Job in Dubai und kam nach Nürnberg.

Was für ein Aufwand, diverse Langstreckenflüge um die halbe Welt nicht mitgerechnet. Nur um Envi Con & Plant Engineering, ein Planungsbüro für Kraftwerke und Abfallverwertungsanlagen, um eine Fachkraft zu verstärken. Tja, sagt Geschäftsführer Rainer Alzinger. Er würde lieber "Leute aus der Region einstellen", die vor Ort verwurzelt sind und nicht für das nächstbessere Angebot weiterziehen. Aber er sucht meist vergebens. Experten, wie Envi Con sie benötigt, gibt es nicht in Nürnberg, nicht in Franken, gibt es nirgendwo in Deutschland.

Deutschland, nein Danke

Überall im Mittelstand fehlt es an Fachkräften. Was Unternehmen tun können, um ausländische Experten anzulocken

Wer fehlt
Deutschlands Hightechfirmen brauchen 20.000 Fachleute, heißt es beim Branchenverband Bitkom, der Verein Deutscher Ingenieure verzeichnet 35.000 freie Stellen. Im Mint-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) fehlen insgesamt 65.000 Fachleute schätzt das Institut der deutschen Wirtschaft.

Wer fehlen wird
Laut Statistischem Bundesamt werden 2030 wegen sinkender Geburtenzahlen sechs Millionen Fachkräfte weniger auf dem Markt sein als heute. Die Einwohnerzahl schrumpft bis 2050 um zwölf Millionen, selbst wenn jährlich 200.000 Menschen mehr kommen als gehen.

Woher nehmen?
Wegen der restriktiven Behördenauflagen steht Deutschland als Einwanderungsland bei Fachkräften niedrig im Kurs. Um dagegenzuhalten, gibt es für die Unternehmen diverse Ansätze:
• Jobmessen Hier sind vor allem ausländische Studenten, die hier studieren, ansprechbar
• Jobportale Im Internet präsent zu sein kann sich für Arbeitgeber lohnen. Statt zu warten, ist es allerdings sinnvoller, auf internationalen Stellenbörsen selbst nach Fachkräften Ausschau zu halten.
• Headhunter Je höher eine Kraft qualifiziert sein muss, desto eher lohnt sich der Einsatz von Personalberatern. Einen Richtwert für die anfallenden Kosten nennt Delo-Geschäftsführerin Sabine Herold 15.000 bis 20.000 Euro pro Vermittlung.
• Vermittler Dienstleister wie Ferchau oder GFT Technologies vermitteln ausländische Mitarbeiter an deutsche Unternehmen.

Heute arbeiten Menschen aus 16 Nationen bei Envi Con, jeder Siebte der 240 Mitarbeiter stammt aus dem Ausland. Um Fachkräfte zu finden, sucht Envi Con längst in der ganzen Welt. Die Personalmanagerinnen durchkämmen regelmäßig internationale Stellenbörsen, besuchen Jobmessen und klopfen weltweit bei ihren Kontakten an: Habt ihr jemanden? Kennt ihr jemanden?

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