30.12.2009

Familienunternehmen: Sich neu erfinden, um zu bleiben

Von: Mareike Sowa
Familienunternehmer investierten 2008 im Schnitt 3,5 Prozent ihres Umsatzes in F&E
Zoom Familienunternehmer investierten 2008 im Schnitt 3,5 Prozent ihres Umsatzes in F&E
© Getty Images
Familiengeführte Unternehmen investieren kräftig in Forschung und Entwicklung - sogar mehr als andere Betriebe. Wichtige Anregungen dafür bekommen sie von Kunden und Mitarbeitern.

Die Idee eines Onlineshops für seine Fleischwaren kam Burkhard Schulte, Geschäftsführer von Schulte & Sohn Fleischwaren, Mitte Dezember 2007 als er seine amerikanische Gastfamilie besuchte. "Die Familie bestellte ihr Fleisch ganz selbstverständlich über das Internet", sagt Schulte. "Da dachte ich mir, wenn das in den USA funktioniert, dann auch in Deutschland."

Der Erfolg gibt ihm recht. Das 1904 in Mönchengladbach gegründete Familienunternehmen beschäftigt inzwischen 120 Mitarbeiter - dank des neuen Vertriebswegs. "Als kleines Unternehmen müssen wir uns ständig neu erfinden. Sonst gäbe es uns schon lange nicht mehr", sagt Schulte. Er ist überzeugt: "Familienunternehmen müssen innovativ sein, um zu überleben."

Das sieht auch der Unternehmensberater Norbert Wieselhuber so. Gleichzeitig warnt er aber vor den Risiken, die mit neuen Ideen verbunden sind. Oft genug erweisen sie sich als finanzieller Fehlschlag. "Familienunternehmen müssen deshalb pfiffiger sein, da ihnen die Ressourcen großer Konzerne fehlen", sagt Wieselhuber. "Sie haben einfach ein höheres Existenzrisiko. Deshalb muss die Geschäftsführung neugieriger und mutiger in Bezug auf Innovationen sein. Und das ist sie meist auch."

Quelle: ASU 2009

Innovationen werden schnell umgesetzt

Laut einer Datenanalyse des Deutschen Instituts für Wirtschaft (IW) in Köln ist die Investitionsbereitschaft von Familienunternehmen in die Forschung und Entwicklung tatsächlich höher als bei Nicht-Familienunternehmen. Das IW untersuchte 6000 familiengeführte Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe. Sie investierten 2008 im Schnitt 3,5 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Bei nicht familiengeführten Unternehmen waren es nur 2,5 Prozent.

Ein Grund dafür ist laut Wieselhuber, dass Familienunternehmen wegen ihrer meist flachen Hierarchie flexibler und schneller entscheiden und vor allem handeln können. "Sie setzen Innovationen schneller um", sagt Wieselhuber. Bei Schulte etwa dauerte es nicht einmal fünf Monate, bis sein Onlineshop "Gourmetfleisch" ans Netz ging. "Unsere Kunden haben dieses Angebot von Anfang an sehr gut angenommen", sagt Schulte.

Um langfristig innovativ zu bleiben, ist es für ihn wichtig, frühzeitig zu erkennen, was bei den Käufern gerade gefragt ist und was sie sich wünschen. "Ich beobachte immer genau, was hierzulande, aber auch im Ausland in der Lebensmittelbranche passiert", sagt Schulte. "So lerne ich, was ich verbessern und meinen Kunden noch bieten kann."

Prämien für gute Ideen

Der Chef des Druckknopfherstellers Prym in Stolberg bei Aachen Andreas Engelhardt lässt sich von seinen Kunden zu neuen Ideen inspirieren. "Durch den Kontakt zum Kunden wird die Idee auf den Weg gebracht. Wir setzen sie dann um", sagt er. So ist unter anderem der Luftmassensensor entstanden. Er misst kontinuierlich die Befüllung eines Autoreifens und ist direkt daran befestigt.

Ein Autozulieferer gab den Impuls. Prym setzte um. "Von der Anregung des Kunden bis zur Umsetzung ist es bei uns ein relativ kurzer Weg. Die Mitarbeiter in der Zentrale geben Anfragen direkt in die Entwicklungsabteilung weiter", sagt Engelhardt.

"So können die Mitarbeiter sich umgehend darum kümmern." Die Geschäftsführung fördert ihre Angestellten mit einem Prämiensystem. "Jeder kann Ideen vorschlagen. Und je nach Grad der Innovation bekommt der Mitarbeiter eine Prämie", sagt Engelhardt. "Das ist ein zusätzlicher Anreiz für die Mitarbeiter, innovativ und kreativ zu denken."

Familienunternehmen planen in Generationen

Auch Albrecht von der Hagen, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Familienunternehmer ASU in Berlin, hält Familienunternehmen für besonders innovativ. "Die Inhaber von eigentümergeführten Unternehmen müssen immer an die nächste Generation denken", sagt Hagen. "Das ist ein guter Antriebsmotor für den Überlebenswillen der Unternehmen."

Zudem konzentrierten sich viele Familienunternehmer auf Nischenprodukte. Dadurch hätten sie die Chance, auf ihrem Markt einer der Marktführer zu sein. "Lieber in einem kleinen Teich der große Fisch als in einem großen Teich einer der kleinen Fische", fasst Hagen die Philosophie vieler Familienunternehmen zusammen.

© 2009 ftd.de

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