Der Klimawandel stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Sie müssen nicht nur ihre Produkte und Prozesse anpassen sowie neue Technologien ins Visier nehmen, sondern auch neue Unternehmensstrategien entwickeln, um den Auswirkungen extremer Wetterereignisse entgegenzuwirken. Das ist die Kernaussage einer Studie zweier Wissenschaftler der University of Queensland in Brisbane, Australien.
Das so genannte Resilience-Management muss mehr in den Blickpunkt rücken, fordern die Fachleute. Denn bereits jetzt hat nahezu jedes Unternehmen erste Erfahrungen mit Wetterkapriolen wie enormer Hitze, lang anhaltender Dürre oder massiven Niederschlägen infolge des Klimawandels gemacht. "Dabei geht es nicht nur um die Zerstörungen, die an Gebäuden oder Produktionsanlagen entstehen, sondern auch um die weniger direkten Auswirkungen der Wetterereignisse, zum Beispiel auf Zulieferer, auf Rohstoffpreise oder auf die Nachfrage nach bestimmten Waren", erläutert Martina Linnenluecke, eine der Autoren der Studie.
Dabei dürfe man nicht kurz denken: So könne eine Hitzewelle zum Beispiel nicht nur Auswirkungen im Agrarsektor haben, sondern auch im Gesundheitswesen. Ebenso seien Handel oder der allgemeine Warentransport betroffen. Letztlich gehe es bis hin zum Abfall der Produktivität in jedem Betrieb. Eine Windhose oder Flut könnten einen Zulieferer lahmlegen und so die eigene Fertigung empfindlich stören. Oberste Regel müsse deshalb sein: "Be prepared!"
Bisherige Strategien unzureichend
Die Klima-Adaptionsforscherin ist sich sicher, dass bisherige Anpassungsstrategien nicht ausreichen. Viele Unternehmenschefs unterschätzten das Thema und wappneten sich daher zu wenig gegen mögliche Schadensfälle. "Bisherige Klimamodelle sind eher grobmaschig, Extrem-Wetterereignisse lassen sich daher nur schlecht vorhersagen. Lediglich die Rückversicherer arbeiten mit adäquaten Modellen, um Schadenfälle besser absichern zu können. Viele Unternehmen anderer Branchen beziehen das veränderte Klima in ihre Planungen aber höchstens in Form von Emissionszertifikaten ein. Das ist ein äußerst limitiertes Problemverständnis", warnt die Expertin.
Linnenluecke sieht vor allem in der Energieproduktion und -distribution, im Verkehrssektor, im Tourismus sowie der Land- und Forstwirtschaft starke Auswirkungen des Klimawandels in den kommenden Jahren. "Aber eigentlich sind alle betroffen. Ein Beispiel dafür ist der Hurrikan Katrina, der 2005 den Ölpreis deutlich nach oben trieb. Oder kürzlich die Waldbrände infolge einer Dürreperiode in Russland, die die Getreidepreise anheizten. Plötzlich sind noch Wochen später Logistiker, Kunststoffverarbeiter und Bäcker betroffen, obwohl sie weit weg sind vom Geschehen."
Vor allem mittelständische und größere Unternehmen sieht die Wissenschaftlerin in der Situation, den Klimawandel in ihre Planungen einbeziehen zu müssen. Kleinere Firmen hätten dagegen oft nicht genügend Anpassungsmöglichkeiten und die nötige Infrastruktur. Flächendeckend fehlt es allerdings an Expertise und damit an Vorausdenken, so Linnenluecke und ihr Mitautor Andrew Griffiths von der UQ Business School und Leiter des Global Change Institute.
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