Alle sieben Sekunden beenden die chinesischen Mitarbeiter des taiwanesischen Elektronikherstellers Foxconn einen Arbeitsvorgang. 4000 Dell-Computer fertigen sie in einer zehnstündigen Schicht. Im Stehen, wie die Organisation China Labor Watch nach dem letzten Selbstmord eines Foxconn-Mitarbeiters bekannt gab.
Neun Mitarbeiter des weltweit größten Elektronikherstellers stürzten sich seit Jahresbeginn vom Dach des Produktionsgebäudes in den Tod. Zwei Mitarbeiter verletzten sich bei einem misslungenen Suizidversuch schwer. "Harsche Arbeitsbedingungen" werden als Ursache dafür genannt. Darunter fallen der hohe Arbeitsdruck, die Isolation von Familie und Freunden durch das Leben in Fabrikstädten, die Bezahlung nach Mindestlohn und eine Hierarchie, die eine kollegiale Beziehung zwischen chinesischen Wanderarbeitern und ihren taiwanesischen Vorgesetzten unterbindet.
"In Deutschland ist bisher keine Häufung von Selbstmorden in einem Unternehmen bekannt", sagte Thomas Rigotti, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Uni Leipzig, auf Nachfrage. Aber auch hierzulande befänden sich Unternehmenspolitiken und Arbeitsbedingungen im Wandel: Restrukturierungen führten auch in der westlichen Arbeitswelt zu Unsicherheit und Stress am Arbeitsplatz.
Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts leiden 46 Prozent von mehr als 1000 Befragten zwischen 16 und 65 Jahren an Schlafschwierigkeiten, ausgelöst durch beruflichen Stress. Zweithäufigster Grund für Schlafprobleme sind laut Umfrage Zukunftsängste mit 35 Prozent.
Nachahmung sind nicht selten
Eine Reihe von Suizidversuchen in einem Konzern führt Rigotti auf Nachahmungen zurück. Wie im Fall des Hannoveraner Torwarts Robert Enke, nach dessen Selbstmord die Suizidrate in Deutschland signifikant gestiegen sei. "Auch bei Foxconn könnte der erste Suizid dazu geführt haben, dass sich Kollegen in ähnlichen Situationen anschließend auch getraut haben, den Schritt zu gehen." Aber: "In einem Unternehmen, in dem viele Mitarbeiter den Selbstmord wählen, sind die Bedingungen wahrscheinlich seit längerer Zeit katastrophal."
Das gelte auch für die Suizidserie bei der France Telecom im Sommer 2009. Dort hätten Umstrukturierungen für Unsicherheit gesorgt. "Im Falle der France Telecom wurden ältere Mitarbeiter spontan versetzt und mit Aufgaben bedacht, die ihrer Qualifikation nicht entsprachen." Angestellte hätten nicht gewusst, an welchem Projekt und unter welchen Vorgesetzten sie am nächsten Tag arbeiten würden, sagt Rigotti.
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