Der Tag in Oslo fängt mit einer guten Nachricht an. "Irgendwelche Erfolgsgeschichten zu vermelden?", fragt Elbjörg Standal. Gespannt schauen die Frauen im Seminarraum von einer zur anderen. Beim letzten Treffen waren sechs von ihnen aufgestiegen. Diesmal meldet sich eine Teilnehmerin, klein und brünett: "Ich wurde intern zur Managerin des Jahres gewählt", sagt Kristin Berre, Niederlassungsleiterin und Mitglied der Geschäftsleitung einer Friseurkette.
Applaus und ermunternde Zurufe aus den voll besetzten Tischreihen, Kursleiterin Standal gratuliert. Die Stimmung ist heiter, die Arbeit an der Zukunft kann beginnen.
Die Arbeit heißt: Aufsichtsratskompetenz erwerben; lernen, wie man ein Unternehmen kontrolliert. Dozentin Standal, eine unscheinbare Frau, Ende 50, Kurzhaarschnitt, Brille, erteilt die ersten Tipps: "Ich lege manchmal im Voraus fest, wer sich überhaupt äußern darf", berichtet sie über ihre Arbeit im Board einer großen Fischzuchtgesellschaft. Woanders habe sie beobachtet, dass sich Kleingruppen bildeten - und Beschlüsse schon vorab auskungelten. "Da kann es sinnvoll sein, den Aufsichtsrat insgesamt zu verkleinern."
Das kleine Seminar ist ein Baustein eines großen Plans: Die Zukunft, so will es die norwegische Regierung, ist weiblich. Zumindest in den Aufsichtsräten, mindestens zu 40 Prozent. "Female Future" heißt das Programm, das der Arbeitgeberverband NHO aufgelegt hat - ein Akt der Selbsthilfe.
![]() Zoom In Norwegen werden Frauen mithilfe von Seminaren auf Jobs in Aufsichtsräten vorbereitet |
Bevor die Regierung 2006 eine Frauenquote für Aktiengesellschaften einführte, liefen die Unternehmen Sturm: woher bitte schön so viele qualifizierte Kandidatinnen nehmen? Weil niemand eine Antwort darauf hatte, sorgte der Verband schließlich selbst für qualifizierte Frauen - und entwickelte ein Ausbildungsprogramm. Um die 1100 haben den Kurs schon durchlaufen, etwa die Hälfte hat seitdem einen Posten in einem Aufsichtsrat.
Halb Europa ist elektrisiert vom norwegischen Beispiel. Denn das Thema treibt derzeit viele Länder um: In Frankreich wurde eine 40-Prozent-Quote kürzlich vom Parlament beschlossen, in den Niederlanden sieht ein Gesetz einen weiblichen Anteil von 30 Prozent sogar für Aufsichtsrat und Vorstand vor - ob es in Kraft tritt, hängt von den Neuwahlen im Sommer ab. Dänemark denkt darüber nach, Spanien, Großbritannien und Schweden. In Deutschland flackerte die Debatte wieder auf, als die Telekom im März mit einer freiwilligen Quotenregelung vorpreschte. Jede dritte Position im oberen und mittleren Management, so das ehrgeizige Ziel, soll bis Ende 2015 mit einer Frau besetzt werden. Alle Länder treibt die gleiche Frage um: Gibt es genug Frauen, die den Aufsichtsjob übernehmen können? Und was hieße das für die Qualität der Kontrolle? Neben Fisch und Öl könnte die Quote das erfolgreichste Exportprodukt Norwegens werden.
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