14.08.2009

Freigestellte Manager: Und tschüss!

Leerer Chefsessel: Die Zahl der freigestellten Manager nimmt dieser Tage stetig zu
Leerer Chefsessel: Die Zahl der freigestellten Manager nimmt dieser Tage stetig zu
In der Krise vermehrt sich unbemerkt eine neue Spezies: Freigestellte Manager. Hier erzählt einer von seinem Schicksal – von der trügerischen Freiheit, schiefen Blicken im Supermarkt und der Angst vor sozialem Abstieg.

Entlassungsgespräche spielen sich in der Regel anders ab, als es der Öffentlichkeit beispielsweise in Vorabendserien weisgemacht wird. Unverändert hält sich die Karikatur vom triumphierenden Krawattenträger, der verzweifelt greinende Familienväter kaltherzig in den sozialen Abgrund stößt. So läuft es in der Regel natürlich nicht.

Die Atmosphäre war gedämpft, das Licht abgedimmt, die Jalousien teilweise geschlossen. Der neue CEO unterdrückte das Zittern in der Stimme, setzte eine angemessen erstarrte Miene auf, blickte mir sicher ins Auge und formulierte Aussagen wie "Neuanfang" und "keine Kritik an meiner Leistung". Eigentlich klang es mehr wie die Ouvertüre zur Bonuserhöhung. Bis dann der Satz fiel, man "plane ohne mich". Und ich "dürfe es auf keinen Fall persönlich nehmen". Aha.

Loyale, aber entbehrliche Anhänger der Marktwirtschaft

So ging es in diesen Tagen nicht nur mir. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, gewinnt eine bestimmte Spezies Entscheidungsträger erheblich an Zahl und Bedeutung: der freigestellte Manager. Bei diesem handelt es sich in der Regel um einen loyalen Anhänger des sozialmarktwirtschaftlichen Systems, den dieses aber als aktuell entbehrlich betrachtet – gern bei vollen Bezügen. Jedoch sind die bedauerlicherweise nicht unbefristet, weswegen der freigestellte Manager sich notgedrungen und umgehend um Anschlussfinanzierung bemühen muss. Was die Lebensqualität eines Golftags ziemlich eintrübt.

Seelenlage und Lebensumstände dieser Berufsgruppe – nicht unerheblich für das Steueraufkommen der Nation verantwortlich – sind noch weitgehend unerforscht. Auch von größeren Solidaradressen seitens Politik oder Gewerkschaften ist bislang wenig bekannt. Das ist schade, denn bei genauem Hinsehen stellt sich die Situation ehemaliger Topmanager durchaus kompliziert dar.

Das beginnt bereits mit dem Ausscheiden. Im Unterschied zu anderen Berufsgruppen trifft den freigestellten Manager die Chance einer beruflichen Neuorientierung meist eher kurzfristig. So war es auch in meinem Fall: Das größere Unternehmen übernahm das kleinere – meinen Arbeitgeber –, um sich anschließend auf Synergiesuche zu begeben. Es wurde auch fündig – bei mir. Ich hatte die Hierarchiestufe eines Bereichsleiters erklommen, in direkter räumlicher wie inhaltlicher Nähe zum Chef. Wohlgemerkt, dem bisherigen Chef. Dem CEO des neu formierten Gemeinschaftsunternehmens, einem Mittvierziger und Mann der schnellen und harten Entscheidung, galt ich aus diesem Grund als entbehrlich.

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