Resilienz heißt nichts anderes als: Widerstandskraft stärken, seine eigenen Kräfte mobilisieren, um unter Druck oder in Stress-Situationen eben keinen Zusammenbruch zu haben. "Der Arbeitsalltag hat sich verändert. Noch vor ein paar Jahren ist man in die Teeküche gegangen, um kurz zu verschnaufen. Ein Schwätzchen mit den Kollegen, ein Scherz mit der Sekretärin und an der Poststelle noch einen wichtigen Brief abgeben - dann war man schon ein bisschen ruhiger, relaxter. Heute ist das kaum noch möglich", sagt Helga Wenger, Unternehmensberaterin und Trainerin aus Hamburg.
Die Fachfrau beobachtet seit mehr als 13 Jahren die zunehmende Leistungs- und Arbeitsverdichtung. "Die meisten kleben nun geradezu an ihrem Bürostuhl, weil sie vor lauter Aufgaben kaum aufschauen können. Viele stehen unter ständiger Beobachtung, spüren in jeder Minute den zunehmenden Druck. Und das zeigt sich irgendwann auch in körperlichen Symptomen: Migräne, Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden."
Mentale und körperliche Kraft aufbauen
Die Expertin rät deshalb zu Resilienztraining. Wer lerne, mit Belastungen gelassener umzugehen, sei leistungsfähiger im Job und vor allen Dingen zufriedener mit seinem Leben. Das können die Firmen durch entsprechende Angebote unterstützen, ist Wenger überzeugt. Schon wer die Aufmerksamkeit der Führungskräfte schule, überforderte oder ausgelaugte Mitarbeiter zu erkennen, habe einen wichtigen Schritt getan.
Doch wichtiger ist, dass die Mitarbeiter selbst etwas tun. Wer sich mit der eigenen Resilienz beschäftige, müsse sich zuallererst der Frage stellen: Wie sieht mein Alltag eigentlich aus? Und wie geht's mir damit? "Es hilft, dafür innezuhalten. Viele spüren gar nicht mehr, wie es ihnen geht. Sie übersehen so viele Symptome des Körpers, die ein Hinweis auf zu viel Arbeit oder Stress sein können." In solchen Fällen steht die Frage "Was würde mir im Moment gut tun?" ganz oben auf der Agenda.
Schweinehund überwinden
Wenger hat erfahren, dass häufig der innere Schweinehund die größte Hürde ist. "Viele scheuen sich, alle Stunde mal aufzustehen und wenigstens ein paar Schritte zu gehen oder regelmäßig zu lüften. Frei nach der Devise 'Ich kann der kranken Kollegin doch nicht schon wieder die kalte Winterluft zumuten.' stellen sie die eigenen Bedürfnisse hintenan. Das ist Selbstsabotage."
Es sind vor allem die kleinen Dinge, die eine große Wirkung entfalten können. Das fängt an bei einmal Recken und Strecken pro Stunde. Oder der Verabredung zum Zweimal-rauf-und-runter-Treppensteigen vor dem Meeting, damit man ein wenig in Bewegung kommt und frisch in die Diskussion geht. Oder einem kleinen Spaziergang im Park nach der Mittagspause. Oder sich mit seinem Gegenüber am Schreibtisch bei Gesichtsgymnastik schlapp lachen, um den verspannten Kiefer zu lockern. Oder der Sekretärin helfen, die Büroblumen umzutopfen, weil man das bessere Händchen für Grünes hat. Oder irgendetwas tun, was einem Spaß macht und für einige Minuten den Arbeitsalltag entspannend unterbricht. Danach fällt vieles leichter, auch lästige Routine-Aufgaben, zeigt die Erfahrung.
Wer merkt, dass es ihm schwer fällt, die kleinen Schritte zu gehen, muss sich überlegen: Wer könnte mir helfen? Welchen Freund oder Kollegen könnte ich einweihen, damit er mich immer mal erinnert? Zumal aktuelle Studien zeigen, dass angeschlagene und gestresste Mitarbeiter, die ihr Netzwerk weiter pflegen, viel weniger oft in den Burn-out rutschen. Soziale Kontakte sind ein einfaches Gegenmittel, um der Isolation zu entgehen, die mit dem Burn-out oft einher geht. Ein verbessertes Zeitmanagement kann ebenfalls helfen.
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