25.09.2009

Gründung: Unseriöse Berater enttarnen

Von: David Selbach
Starthelfer sind wichtig, aber nicht immer vertrauenswürdig
Starthelfer sind wichtig, aber nicht immer vertrauenswürdig
© Fotolia
Jungunternehmer brauchen Starthelfer: für Finanzen, Marketing, Verträge. Doch nicht jede Beratung ist nötig, viele Anbieter sind sogar unseriös. Wer sich auf deren Ratschläge verlässt, riskiert seine Zukunft.

Viele Köche verderben den Brei. Das alte Sprichwort ging Manuela Boehden durch den Kopf, als sie zusah, wie eine Bankberaterin ihren Businessplan zerpflückte. Boehden war bei der Berliner Sparkasse vorstellig geworden: voll guten Mutes und sicher, dass alles glattgehen würde mit der Finanzierung des "Wahllokals", einer öffentlichen Restaurantkantine in der Friedrichstraße.

Die Berlinerin wollte gestressten Berufstätigen trendige Ökogerichte zum Mitnehmen verkaufen und einen Selbstbedienungsmittagstisch einrichten. Vier Jahre lang hatte sie an jedem Detail gefeilt, war bei einem Businessplanwettbewerb unter den Besten. "Dann zeigte die Frau von der Sparkasse mit drei Rechenschritten, dass wir in zwei Jahren pleite wären", erinnert sich die Gründerin. "Peinlich. Das hätte unser Berater doch wissen müssen."

Beraten und verkauft

Die Berliner Grafikdesignerin hatte sich nämlich eigens einen vermeintlichen Profi zur Unterstützung geholt, um im Bankgespräch zu bestehen: Für 450 Euro hatte sie den Gründerberater über die Zahlen der Finanzplanung schauen lassen, die sie vorher schon für 2000 Euro gemeinsam mit einer Controllerin zusammengestellt hatte. Sicher ist sicher. Doch der Berater moserte an Umsatzund Gewinnerwartungen herum, korrigierte Zahlen drastisch nach unten – Boehden vertraute ihm. Das Wahllokal würde drei Jahre lang Miese machen. Für den Mann kein Problem. Er deutete an: "Wenn es mit der Bank nicht klappt, habe ich auch noch Kontakte."

Solche Fälle kennt Manfred Onderka vom Bundesverband der Wirtschaftsjunioren zuhauf: "Da geht es gar nicht um Beratung, sondern um Folgeaufträge oder ganz andere Geschäfte." Die Berliner Wahllokal-Betreiber hatten nach dem Fiasko in der Sparkasse genug – auf das "goldene Adressbuch" ihres Beraters wollten sie lieber verzichten. Stattdessen schrieben sie ihren Businessplan um, setzten die ursprünglichen Zahlen ein – und erhielten die Kreditzusage.

Undurchsichtige Abrechnungsmodelle

Keine Frage: Fast alle Gründer benötigen Hilfe beim Business- und Finanzplan, bei Fördermittelantrag, Marketing und Vertriebskonzept, Steuern und Verträgen. Doch Wirtschaftsjunior Onderka schätzt, dass jeder zweite Gründerberater auf dem Markt unseriös ist: Buchhaltungsbüros, die anbieten, bei der Finanzplanung zu helfen, aber nur, um den ahnungslosen Gründern später zu überteuerten Tarifen die Rechnungen zu sortieren. Spezielle Agenturen für die Einrichtung von Limited-Gesellschaften nach britischem Recht, deren Service aus Sicht von Kennern nur für die wenigsten Gründer sinnvoll ist.

Daneben, sagt Experte Onderka, arbeiten einige Anbieter mit undurchsichtigen Abrechnungsmodellen. Oder sie beherrschen ihr Handwerk nicht, liefern schlechte Arbeit ab. Die schwarzen Schafe sind oft nicht schwer zu erkennen. Aber leider darf sich jeder "Gründerberater" nennen, das Angebot ist entsprechend riesig. Allein in der Online-Beraterbörse der Förderbank KfW sind 18 000 Namen gespeichert.

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