Der 7. August 2009 ist ein trauriger Tag, der Tag der Beerdigung von Paul Riegel. Vorn am Familiengrab auf dem Bonner Südfriedhof stehen Witwe und Kinder des verstorbenen Haribo-Mitinhabers. Die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft hat ihre große Fahne mitgebracht. Die Enkel haben ein großes Herz aus weißen Rosen abgelegt, mit zehn Schleifen für ihre Namen. An solchen Tagen rückt man zusammen. Normalerweise.
Irgendwo weit hinten steht Hans Riegel, der ältere Bruder von Paul. Zur Trauerfeier in der Kapelle des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg ist er gar nicht erschienen. Jetzt steht er da, im Abseits, weit weg von seinen Verwandten, als würde er gar nicht dazugehören. Ein Fremder in der eigenen Familie.
Paul Riegel starb kurz vor seinem 83. Geburtstag. Sein Bruder Hans ist noch drei Jahre älter. Und trotzdem haben die beiden Inhaber von Haribo bis zu diesem Tag nichts geregelt. Weil sie sich einfach nicht einigen konnten. Zwar versuchten die Brüder über zwei Jahre lang mithilfe verschiedener Berater für Familienunternehmen eine friedliche Regelung für die Nachfolge zu finden. Ohne Erfolg. Sie holten sich Rat bei der Industrie- und Handelskammer in Bonn und einigten sich schließlich auf ein Schiedsverfahren – außerhalb der Kammer.
Jetzt, über ein Jahr nach Paul Riegels Tod, ist der Kampf endlich vorbei. Seine Kinder haben das Verfahren weiter vorangetrieben. Zu einem Schiedsspruch kam es nicht, beide Parteien haben sich vorher auf eine neue Firmenstruktur geeinigt. Einen Verlierer gibt es trotzdem: Hans Riegel.
Der Mann, der Haribo als Markenstratege so bekannt und begehrlich gemacht hat, dass selbst der Discounter Aldi nicht darauf verzichten kann, dieser Mann hat als Familienunternehmer kläglich versagt. Mit der Sturheit eines Esels hat sich der kinderlose Firmenchef jahrelang dagegen gewehrt, den Nachkommen seines Bruders in dem Unternehmen ein Mitspracherecht zu gewähren.

Auf die Frage, ob seine Neffen nicht schon an seinem Chefsessel rüttelten, antwortete er noch bis vor Kurzem: "Ich glaube nicht, dass sie das riskieren würden." Nun muss er gleich zwei Söhne seines Bruders in der Führungsriege akzeptieren.
Das Unternehmen stellt seine vier Geschäftszweige künftig unter das Dach einer Holding. Gesellschafter sind weiter zu je 50 Prozent Hans Riegel, der Sohn des Firmengründers, und die vier Kinder seines verstorbenen Bruders. Vorsitzender des erstmals eingerichteten Aufsichtsrats soll Hans-Arndt Riegel werden, geschäftsführender Gesellschafter für Produktion und Technik sein Bruder Hans-Guido.
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