03.05.2010

Harald Eckes-Chantré: Der Flaschengeist

Von: Birgit Dengel
Harald Eckes-Chantré
Zoom Harald Eckes-Chantré
© * Capital/Andreas Reeg
Sein Vater traute ihm nichts zu, die Familie stand ihm nicht bei. Da ging Harald Eckes-Chantré seinen eigenen Weg, kaufte still und leise die Sektkellerei Rotkäppchen – und dann Schluck für Schluck die deutsche Spirituosenindustrie. Jetzt gehören ihm sogar die Liköre seines alten Herrn.

Harald Eckes-Chantré trägt einen beschwingten Namen. Einen, der sich anfühlt wie ein kleiner Schwips am Sonntagnachmittag. Der nach Cognac riecht und Kirschlikör. Doch Eckes-Chantré ist ein nüchterner Mann. Einer, der Zahlen mag. Vor allem schwarze. Und der sich seine Daseinsberechtigung in der namensgleichen Getränkedynastie hart erkämpfen musste.

Bis heute dominiert deutlich sichtbar ein anderer den rheinhessischen Firmensitz in Nieder-Olm. Egal ob auf der gleichnamigen Allee, beim Feiern in der Festhalle oder in der Unternehmenszentrale: "Ludwig Eckes", sagt Harald Eckes-Chantré respektvoll distanziert und zeigt auf das Porträt des Patriarchen. "Mein Vater", kommt ihm nicht über die Lippen.

Das Verhältnis zwischen Ludwig Eckes und seinem Sohn Harald war über viele Jahrzehnte wenig liebevoll und ist bis heute schwierig. Und das, obwohl der Vater mittlerweile seit 26 Jahren tot und Harald Eckes-Chantré selbst ein sehr reifer Mann ist. Er feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag.

Klassischer Vater-Sohn-Konflikt

Psychologen hätten ihre helle Freude an der Analyse des Vater-Sohn-Konflikts. In Kürze lässt er sich so zusammenfassen: Der Alte kann nicht loslassen und hält den Junior klein. Der schafft es aber, sich abzunabeln und gründet seine eigene Firma. Und die startet durch. Weil die schwierige Beziehung zu seinem Erzeuger Harald Eckes-Chantré im Laufe seiner Karriere zu unternehmerischen Höchstleistungen angetrieben hat.

Seit sich der Mann mit dem charmant-französischen Namensbestandteil (Chantré ist der Geburtsname der Mutter) vom Übervater emanzipieren konnte, hat er so ziemlich alles richtig gemacht. Still und leise hat er sich neben Chantré so bekannte Marken wie Rotkäppchen, Mumm und Blanchet einverleibt und ist so zum Doyen der deutschen Spirituosen- und Sektindustrie aufgestiegen.

Gesteuert wird das hochprozentige Markenimperium von einer schlanken Holding aus dem kleinen Nieder-Olm, die Büros liegen inmitten der rheinhessischen Weinberge. Eine repräsentative Firmenzentrale braucht Eckes-Chantré nicht, er ist ein Mann der Privatsphäre und des Understatements.

Mehr auf Seite 2: Öffentlich Vorgeführt »
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Quelle: capital.de
© 2010 Capital

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