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20.07.2010

Ideensuche: Autobauer schauen in die Luft

Von: Margret Hucko, Gerhard Hegmann und Heimo Fischer
Stromlinienförmige Megacity Design-Studie von BMW
Zoom Stromlinienförmige Megacity Design-Studie von BMW
Einige Autohersteller kehren bei der Jagd nach Innovationen zu ihren Wurzeln zurück: Ursprünglich aus dem Flugzeugbau entstanden, schauen sie nun, was sie von den Ingenieurskollegen lernen können.

Peter Ratz steht vor einem zerknautschten Automodell aus Kohlefaser und doziert. Der BMW-Entwicklungsleiter für Elektrofahrzeuge spricht über die große Zukunft des Unfallobjekts - dabei hat es der knapp vier Meter lange Wagen zweifelsohne hinter sich. Die Testkarosserie des Megacity Vehicle (MCV) endete mit einem Knall im Crashtest-Zentrum. Das strombetriebene MCV, das 2013 im Werk Leipzig in Serie geht, bedeutet für BMW einen Neuanfang - und gleichzeitig die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln.

Ausgerechnet jetzt, wo Politiker und Kunden neue Mobilitätskonzepte fordern, dreht sich das Rad bei den Autobauern ein Stück zurück. Hersteller wie BMW, Saab oder Rolls-Royce sind weit vor dem Zweiten Weltkrieg aus dem Flugzeugbau hervorgegangen. Mehr als ein halbes Jahrhundert später suchen die Ingenieure erneut in den Entwicklungszentren der Luftfahrt nach frischen Ideen. Mit dem Ziel, ihre Produkte sparsamer und umweltfreundlicher zu machen. "Wir tun einiges dafür, dass Auto- und Luftfahrtindustrie zusammen reden", sagt Manfred Broy, Professor an der Technischen Universität München. "Beide können von Ideen, Methoden und Konzepten des anderen profitieren", glaubt der Wissenschaftler.

Eine der größten Rollen spielt dabei die Gewichtsreduktion. In der Luftfahrt längst üblich, setzt sie beim Autobau erst jetzt zum Höhenflug an. Karbon wiegt 30 Prozent weniger als Aluminium und ist über 50 Prozent leichter als Stahl. Nur: Das Wundermaterial kostet auch 15-mal so viel wie Stahl. Derzeit 15 Euro pro Kilo - das hat den Durchbruch bislang verhindert. Das ändert sich nun: "Beim Thema Karbon haben wir Interesse, mit anderen Herstellern in die Volumenproduktion zu gehen", sagte BMW-Manager Ratz kürzlich bei einem Leichtbauworkshop in München und schiebt hinterher: Auch mit dem Flugzeugbauer Airbus sei eine Zusammenarbeit möglich.

"Durch den Innovationsdruck hat sich die Ideensuche in anderen Bereichen verschärft", sagt Auto-Experte Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach. BMW hat gefunden, wonach das Unternehmen suchte: eine eigene Kohlefaser, abgeleitet aus dem Flugzeugbau und optimiert fürs Auto. Diese wird nun im eigenen Joint Venture produziert. "So was nennt man klassisches Ideenmanagement", erklärt Bratzel. Das funktioniert auch umgekehrt: So führen Airbus und Boing gerade Produktionsmethoden ein, die sich in der Autoindustrie längst etabliert haben. Sie setzen auf Zulieferer, die immer größere Baugruppen liefern. Das spart Kosten.

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