02.12.2009

Investoren: Die Selbsthilfegruppe der Firmenerben

Von: Sven Clausen (Hamburg)
Deutschlands Erbengeneration investieren auch in Fremdfirmen
Deutschlands Erbengeneration investieren auch in Fremdfirmen
© Fotolia.com
Sie haben Kapital, Kenntnisse und Kontakte: Die Erben von Deutschlands wohlhabenden Unternehmerfamilien stecken ihre Millionen zunehmend in klamme Firmen. So könnten die neuen Investoren zum Retter vieler Mittelständler werden.

Alle zwei Jahre, immer Ende Januar, lädt Claus-Ascan Jencquel die Hamburger Hautevolee zum Insel-Ball ins feine Hotel Atlantic an die Außenalster. Es wird gespiesen, getanzt, gespendet, wie immer, wenn der hanseatische Geldadel unter sich ist. Reeder sind da, einige schwerreiche Anwälte, Unternehmer. Leute wie Jencquel.

Seine Vorfahren, angesehene Kaufleute, wurden im 17. Jahrhundert mit Handelsgeschäften reich, dehnten ihr Netzwerk bis nach Lissabon aus und verdienten auch mit Grundstücksgeschäften sehr ordentlich: Anfang des 19. Jahrhunderts kauften sie ein Gut, aus dem dann wenig später der feine Stadtteil Uhlenhorst werden sollte. Nun versucht Jencquel, den Reichtum der Familie zu mehren. Als Investor.

Jencquel leitet zwei kleine Investmentgesellschaften, Elbe Partners und Alster Equity. Spezialität: mittelständische Unternehmen. Sein Problem: Inzwischen sind zu viele davon in Geldnot und suchen Leute wie ihn. Seit Monaten ist Jencquel im Dauerstress, arbeitet durch, ohne freies Wochenende. Angebote durchstöbern, Firmen bewerten, Verträge aufsetzen. Chancen nicht verpassen.

Vorbild vieler Newcomer: Die Unternehmerin Susanne Klatten
Zoom Vorbild vieler Newcomer: Die Unternehmerin Susanne Klatten
© AP

Leute wie er können sich derzeit vor Anfragen kaum retten. Die drohende Kreditklemme bei gleichzeitig akutem Kapitalbedarf, eines der Topthemen auf dem Wirtschaftsgipfel am Mittwoch im Kanzleramt, die blanke Finanzierungsnot des oft familiendominierten Mittelstands, die Enttäuschung über die Banken - all das zwingt eine neue Investorengruppe in die Frühreife: wohlhabende Unternehmerfamilien, die ihre großen Vermögen zunehmend nicht mehr nur über ihre stockkonservativen Family Offices in Immobilien oder Festgeld anlegen, sondern sich als Finanzinvestoren oder Multiunternehmer versuchen wollen.

Jahrzehntelang war die Szene ebenso prominent wie überschaubar. Familienclans wie die Haniels betreiben den Kauf und Verkauf von Firmen schon seit Jahrhunderten, die Oetkers nutzten die Nachkriegszeit, um sich neben Backpulver und Pudding auch ein ansehnliches Bier- und Schifffahrtsimperium aufzubauen.

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Nun drängen neue Akteure auf den Markt: Unternehmerfamilien, die in Firmen außerhalb ihres Stammgeschäfts investieren. Die nächsten Monate werden darüber entscheiden, ob sie zu einer neuen, relevanten Gruppe von Geldgebern aufsteigen, die Banken und den klassischen Private-Equity-Häusern Konkurrenz macht.

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