Der Alte wieder mit seinen neumodischen Ideen. Die Söhne von Ole Kirk Kristiansen verstehen die Welt nicht mehr. Jahrzehntelang konnte sich die Familie mit Tischlerarbeiten kaum über Wasser halten. Jetzt, wo sie mit Holzspielzeug endlich ein sicheres Einkommen hat, will der Vater plötzlich auf Plastik umstellen. Viel zu riskant, finden die vier jungen Männer, wir müssen bei Holz bleiben, sagen sie.
Doch Vater Ole lässt sich nicht bremsen. Schließlich ist der bescheidene Erfolg ebenfalls aus einer mutigen Entscheidung hervorgegangen. Denn als die Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er-Jahre auch die ohnehin arme dänische Region Jütland trifft und Oles Tischlerwerkstatt vor dem Aus steht, sattelt er auf Kinderspielzeug um. Sein Kalkül: Je trostloser die Zeit, desto mehr möchten die Eltern wenigstens die Kleinen aufheitern.
Gewagter Umstieg auf Kunststoff
Fortan stellt der Tischler Möbel für Puppenstuben, Jo-Jos und Kreisel her. Am Wochenende zieht er mit seinem Sortiment durch die Dörfer, doch das Geschäft läuft schleppend, immer wieder muss er seine Geschwister anpumpen. Kannst du nicht etwas Sinnvolles machen, fragen sie ihn. Aber Kristiansen hält durch, und allmählich wächst die Zahl der Spielzeugkäufer.
Der Umstieg war damals gewagt, sagt er nun seinen Söhnen, aber das Risiko habe sich doch gelohnt. Dann kauft er 1947 als erster dänischer Spielwarenhersteller eine Kunststoffspritzgussmaschine, das Geld für die Großinvestition muss er sich leihen.
Damit kann die Firma in Billund kleine Kunststoffbausteine herstellen, die an der Oberfläche Noppen tragen. Damit sollen sich die Klötzchen leichter miteinander verbinden lassen. Aus den Steinen, so Kristiansens Idee, sollen die Kinder alles Mögliche bauen können. Sein neues Produkt sieht er nur als Rohmaterial, das erst durch die Kreativität und die Fantasie der Kinder zum richtigen Spielzeug wird.
Erste Steine nicht perfekt
Doch die damit gebauten Häuser und Burgen fallen rasch wieder in sich zusammen. Es funktioniert nicht, die Kinder sind frustriert. Kristiansen lässt Rillen in die Seiten fräsen, aber stabil sind die Bauten damit immer noch nicht. Anfang der 50er-Jahre übernimmt dann sein Sohn Godtfred das Geschäft, ein kreativer Kopf. Sein Vater hatte ihn schon als Ideengeber in die Firma geholt, als Godtfred erst 14 Jahre alt war.
Jetzt ist er Anfang 30 und hat nur ein Ziel: Er will ein Spielzeug schaffen, das unzählige Spielmöglichkeiten bietet. Auf einer Fähre lernt Godtfred den Händler eines Kopenhagener Warenhauses kennen. Der beklagt sich darüber, dass dem Spielzeugmarkt genau das fehlt: ein Spielzeug mit Systemcharakter. Godtfred fühlt sich bestätigt, denn das Produkt dazu gibt es ja bereits in seinem Unternehmen: den Baustein mit den Noppen.
Röhrchen an der Unterseite
Die Klemmkraft der Steine müsse jedoch verbessert werden, sagt er zu seinen Mitarbeitern. Und plötzlich, nach vielen Versuchen, ist die naheliegende Lösung gefunden: Die Unterseiten der Steinchen aus Plastik werden mit schmalen Röhren versehen, die genau zu den Noppen passen. Damit halten die Steine gut zusammen.
Im Jahr 1958 meldet Godtfred das System seiner Firma zum Patent an. Der Name Lego entstand aus den ersten Buchstaben der dänischen Wörter "leg godt", das heißt "spiel gut". Dass "lego" außerdem die lateinische Form für "ich lege zusammen" ist, war den Lego-Erfindern gar nicht bewusst.
Quelle: ftd.de
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