Empfehlen Facebook Twitter XING Als E-Mail verschicken Drucken
01.02.2012

Lernprozess Scheitern: Durch Niederlagen stärker werden

Von: Anette Rößler (business-wissen.de)

Zoom 
© Getty Images = Getty Images
Scheitern ist für viele Menschen ein Tabuthema. Dabei sind Misserfolge nicht nur menschlich, sondern auch unvermeidlich. Außerdem haben Niederlagen etwas Gutes: sie tragen zu einer Weiterentwicklung bei.

Arbeitslos werden, Insolvenz anmelden, Studium abbrechen - alles schmerzhafte Erfahrungen, die den ein oder anderen zum Aufgeben bewegen und an einem Tiefpunkt ankommen lassen. Der Druck, seine Ziele zu erreichen, ist hoch. Und damit steigt auch das Risiko, zu scheitern. Unsere Gesellschaft ist erfolgs- und leistungsorientiert: Qualifikation und Karriere, Ergebnisse und Umsätze müssen stimmen. Wer sein angestrebtes Ziel nicht erreicht, ist erfolglos. Er scheitert.

Am Scheitern haftet etwas Negatives. Wer anderen von seiner Niederlage erzählt, erntet betretene Gesichter. Niemand redet gerne über die schlechte Mitarbeiterbewertung oder die Zahl der abgelehnten Bewerbungen. Dabei ist Scheitern menschlich und unvermeidlich, also normal. Das sehen Menschen, Organisationen und Führungskräfte oft nicht so: Erfolg ist ein Zustand, an dem sich alle messen.

Scheitern trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei

Das Phänomen Scheitern ist mit der letzten Wirtschaftskrise präsenter geworden. Trotzdem nehmen wir nur selten Misserfolge wahr. Dabei sind sie die Normalität. Forscher und Berater empfehlen deswegen Mitarbeitern, Führungskräften und Organisationen zu einem offenen und ehrlichen Umgang mit Misserfolgen.

Wenn Menschen scheitern, verdrängen sie es, sie verlieren ihr Selbstwertgefühl und finden schwer einen Ausweg oder sie machen denselben Fehler noch einmal. Manche steuern ihr Unternehmen geradewegs in die Pleite, weil sie an ihren bewährten Zielen festhalten. Andere denken ständig, etwas falsch zu machen und treffen deswegen keine wichtige Entscheidung. Wer so mit Misserfolgen umgeht, verspielt wertvolle Erfahrungen.

Hilfreich ist eher, Scheitern als Herausforderung zu akzeptieren und als einen bewussten Lernprozess zu verstehen. Die persönliche Erfahrung wird damit für weiteres Handeln wichtig und nützlich. Misserfolge sind dann eine Möglichkeit zur Persönlichkeitsentwicklung.

Wenn Menschen scheitern, kommen sie schnell an ihre Grenzen. Sie fühlen sich in ihrer Identität bedroht. Es laufen folgende innere Prozesse ab:

Schock: Gefühl von Orientierungslosigkeit, Fassungslosigkeit, Erregung oder Erstarrung.

Verleugnung: Hoffnung auf Rückgängigmachen. Aggression: Phase des Sichwehrens.

Depression: Reaktion auf ein Verlusterlebnis, die sich als Hemmung, Selbstanklage und Herabsetzung des Selbstwertgefühls äußert.

Trauerarbeit: Trauer um die alte Realität und Abschied von lieb gewordenen Idealvorstellungen, Personen und Objekten.

Bevor Menschen sich und ihre Ziele neu definieren, müssen sie ihr Scheitern akzeptieren und ursprüngliche Ziele loslassen. Der Psychologe und Business-Coach Markus Väth rät Gescheiterten zunächst zu einer Pause, um sich neu zu sortieren. Eine bestimmte Zeit der Trauer ist nötig, um sich Fehler einzugestehen und daraus zu lernen.

Seite   1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 

Quelle: ftd.de
© 2012 impulse.de

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews