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26.01.2012

Management: Die besten Köpfe? Haben wir schon!

Von: Daniela Schröder
Fahrzeug von Fischer-Technik
Zoom Fahrzeug von Fischer-Technik
© Fischerwerke
Ab vom Schuss und ohne Glamour: Mittelständler in der Provinz wie etwa die Fischerwerke müssen um Fachkräfte kämpfen. Deshalb werben sie verstärkt mit gutem Betriebsklima, Nachwuchsförderung, attraktiven Aufgaben und Fortbildungen.

Im Sommer springen viele Mitarbeiter extra früh aus den Federn. Um 5 Uhr startet ihre Schicht, und wenn die Wecker klingeln, ist es noch stockdunkel. Bevor sie nach Wolfertschwenden zu Multivac fahren, müssen sie noch die Kühe versorgen. Sie haben nicht einen Job, sondern zwei. Das Unterallgäu ist der milch­stärkste Landkreis in Bayern, zigtausend Kühe weiden dort auf grünen Wiesen. Die ­meisten Menschen arbeiten traditionell in der Landwirtschaft, heutzutage oft neben ihrem ­eigentlichen Beruf.

Der vorgezogene Schichtbeginn war ein Notfall: zu viel zu tun. Als der Berg an Aufträgen ­abgearbeitet war, wollten die Chefs des Ver­packungsmaschinenherstellers zurück zum ­normalen Arbeitsbeginn, schließlich kostet der frühe Start etliche Euro an Zulage. Bitte nicht, wehrten sich viele Mitarbeiter: Wir verzichten auf das Extrageld, aber wir möchten gern so früh wie möglich anfangen, damit wir am Nachmittag Feierabend haben und uns um die Kühe kümmern können.

Hilft es den Mitarbeitern, hilft es letztlich auch uns, sagten sich die Chefs und vereinbarten für die Sommermonate einen freiwilligen Frühstart. Mit flexiblen Arbeitsmodellen hatte Multivac ohnehin Erfahrung: ob Teilzeit, Job-Sharing oder Heimarbeitsplatz, ob acht Stunden oder 40 Stunden pro Woche – Geschäftsführer Christian Traumann und seine beide Kollegen wollen jedem Mitarbeiter eine individuell zugeschnittene Lösung bieten.

„Weibliche Auszubildende haben oft die besseren Abschlüsse“

Das gilt für Nebenerwerbslandwirte, das gilt ebenso für Frauen. „Weibliche Auszubildende haben oft die besseren Abschlüsse“, sagt Traumann. „Daher können und wollen wir es uns nicht leisten, dass sie irgendwann in der ­Familie verschwinden und nicht mehr zurück ins Unternehmen kommen.“

Job und Kind unter einen Hut zu bekommen, das will auch Dockweiler seinen Mitarbeitern erleichtern. Mehr noch: Das Unternehmen will die Frauen motivieren, Kinder zu kriegen. In Mecklenburg-Vorpommern, Sitz des Herstellers von Stahlrohrsystemen, sind nach der Wiedervereinigung die Geburtenzahlen drastisch ­gesunken. Zu unsicher schien die Zukunft, um Kinder in die Welt zu setzen.

Wer Nachwuchs bekommt, so beschlossen die Dockweiler-Chefs, soll keine Angst um ­seinen Arbeits­platz haben müssen. Jedes neu­geborene Kind eines Mitarbeiters erhält 2000 Euro, als Begrüßungsgeld. Und das ist nur der Anfang: Die Arbeit passt sich dem Lebensrhythmus der Mitarbeiter an. Gleitzeit ist möglich. Mütter und Väter können bis zum zehnten Geburtstag ihrer Kinder vier Stunden pro ­Woche weniger arbeiten – bei vollem Gehalt. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ­ermöglichen“, sagt Geschäftsführer Christian Behrens, „das wird für die Attraktivität des Standorts künftig noch entscheidender.“

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Quelle: ftd
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