27.04.2009

Maulwürfe im Betrieb: Wie sich Firmen mit FBI-Tricks gegen Spionage schützen

Von: Jens Brambusch

© Fotolia.com
John E. Reid war Cop. Im Chicago der 40er Jahre zitterte die Halbwelt vor ihm. Wen er einmal in die Mangel nahm, der plauderte. Heute gehört die Reid-Technik zu den Standards beim FBI. In Deutschland hilft die Methode, Sicherheitslücken in Firmen aufzudecken.

Reid hatte aus seinem Bauchgefühl heraus ein System entwickelt. Selbst die härtesten Hunde knackte der Polizist in seinen Verhören. In den Verhören mischte er harmlose mit provozierenden Fragen – und beobachtete die körperlichen Reaktionen der Befragten. „Menschlicher Lügendetektor“ nannten ihn deshalb seine Kollegen.

Heute gehört die Reid-Technik zu den Standards bei FBI und CIA. Die Verhörmethode ist markenrechtlich von der Firma John E. Reid & Associates geschützt. Doch nicht nur Mörder und Verbrecher lassen sich mit Reid überführen. In Deutschland hilft die Methode, Sicherheitsrisiken für Unternehmen aufzudecken.

Schwarze Schafe aussortieren

Peter Wiedemann, Direktor bei der Sicherheitsberatung Prevent, ist einer der wenigen Reid-Experten in Deutschland. Durch die spezielle Interviewtechnik versucht er schwarze Schafe aus Unternehmen fern zu halten, bereits begangene Straftaten aufzudecken und forensische Prozessanalysen anzufertigen.

Wird eine Führungsposition in einem Unternehmen neu besetzt, kann es sein, dass Wiedemann im Auswahlgremium sitzt. Gibt es Zweifel an der Biografie des Bewerbers, schlägt Wiedemanns Stunde. „Bewerbungen sind zu einem nicht unerheblichen Teil falsch oder bewusst unvollständig“, sagt der 46-Jährige.

Später stellt sich oft heraus: „Wirtschaftskriminelle haben bereits bei ihrer Einstellung gelogen.“ Für den Bewerber ist Wiedemann nur ein externer Berater – so wird er vorgestellt. Dass seine Fragen tiefer dringen, ahnt der Bewerber nicht.

Die Technik, die Wiedemann anwendet, ist an Reid angelehnt. Der Originalmethode aus den USA liegt ein Fragenkatalog von 18 immer gleichen Fragen zugrunde. „Die sind nicht alle auf Deutschland übertragbar“, sagt Wiedemann. Der Grundgedanke sei aber der gleiche.

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