08.06.2010

Mediennutzung: Das Fernsehen überlebt alles

Von: Reinhold Horstmann und Sandra Schümann
Alles deutet darauf hin, dass das Wohnzimmer auch in Zukunft Fernsehzimmer sein wird
Zoom Alles deutet darauf hin, dass das Wohnzimmer auch in Zukunft Fernsehzimmer sein wird
© Getty Images
Auch wenn das Internet immer stärker wird: Die Deutschen lassen sich das Fernsehen nicht vermiesen - und gucken sogar mehr als zuvor. Wir erklären, wie das Medium genutzt wird und was Gerätehersteller daraus lernen können.

Viele Fernsehzuschauer reizen die vorhandenen Möglichkeiten ihrer Geräte nur teilweise aus. Mehr Aufklärung tut Not. Die Faszination des Fernsehens aber ist ungebrochen - und ein wichtiger und wohl immer noch unterschätzter Faktor im Wettbewerb der Endgerätetechnologien.

Die zunehmende Verbreitung des Internets hat Reichweite und Dauer der Fernsehnutzung nicht - wie vielfach erwartet - beeinträchtigt. Ganz im Gegenteil: Das Fernsehen ist lebendiger denn je. Es wird länger ferngesehen als die letzten Jahre zuvor in Deutschland. Im Sportjahr 2010, mit der Winterolympiade und der Fußball-Weltmeisterschaft, ist ein weiterer Sehdauer-Rekord programmiert.

Hohe Zahlungsbereitschaft für TV-Geräte

Die Bundesbürger investieren trotz Wirtschaftsflaute und Eurokrise mehr denn je in ihre Fernsehgeräte: Flache, optisch ansprechende Geräte lösen in immer mehr Haushalten die alten klobigen Röhrengeräte ab. Auf Basis der geäußerten Kaufabsichten lässt sich ziemlich sicher prognostizieren, dass Ende dieses Jahres der Flachbildschirm der dominierende Gerätetyp in deutschen Haushalten sein wird.

Dabei darf der neue Flatscreen auch etwas mehr kosten: Für immerhin 42 Prozent der Haushalte war das neue TV-Gerät die teuerste Anschaffung eines Einrichtungsgegenstands in den letzten drei Jahren. Diese hohe Zahlungsbereitschaft unterstreicht das ungebrochene Interesse am Fernsehen.

Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass dennoch in vielen Haushalten die mannigfaltigen Möglichkeiten der neu erworbenen TV-Geräte zur Erweiterung der Qualität und des Komforts bei der Fernsehnutzung noch nicht voll ausgeschöpft werden:

  • 45 Prozent der Haushalte, die über eine Stereo- oder AV-Anlage verfügen, haben ihr Fernsehgerät auch an diese Anlage angeschlossen - die Mehrheit nutzt diese Möglichkeit zur Steigerung der Klangqualität jedoch nicht.
  • Lediglich sechs Prozent der TV-Haushalte gaben an, am Vortag "zeitversetzt" ferngesehen zu haben, obwohl fast drei Viertel der Haushalte über eine analoge oder digitale Aufzeichnungsmöglichkeit (Video / Festplattenrecorder etc.) im Wohnzimmer verfügen.
  • Auch wenn die Flatscreens in einem atemberaubenden Tempo die deutschen Wohnzimmer erobern, können derzeit nur 43 Prozent der Fernsehhaushalte mit Flachbildschirmen HDTV überhaupt empfangen. Selbst wenn man nur die Haushalte einbezieht, deren Flachbildschirm tatsächlich HD-fähig ist, verfügen nur 55 Prozent auch über den notwendigen Receiver für den HD-Empfang.

Die einfachste aller Möglichkeiten zur Optimierung des eigenen Fernseherlebens wäre eine bessere Platzierung der Fernsehgeräte im Wohnzimmer. Für die Röhrengeräte galt bisher eine Empfehlung für den optimalen Bildbetrachtungsabstand von ca. dem Dreifachen der Bildschirmdiagonale. Dies ist im Durchschnitt der Haushalte bei einer Diagonale von 67 cm und einem Abstand von 2,37 Meter in etwa der Fall.

Gefunden bei
www.ftd.de

Für Flachbildschirme gelten jedoch andere Regeln. Hier sollte der optimale Abstand bei etwa dem Dreifachen der Höhe des Bildschirmes liegen. Entsprechend der durchschnittlichen Größe von 91 cm läge der optimale Abstand bei ca. 1,70 Meter. Der tatsächliche Abstand dagegen beträgt 2,65 Meter. Hier wie auch bei den "Verkabelungsfragen" und HDTV wäre eine bessere Information und Aufklärung der Verbraucher durch Hersteller und Handel dringend empfohlen.

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