Fünf Männer der Sparkasse Bonn liefen damals auf unserem Werksgelände herum, klebten Zettel auf die Zuckersäcke. Das sei jetzt Eigentum der Bank. Vom Pförtner hinzugerufen, stellte ich mich den Herren in den Weg, sagte ihnen, sie sollten schleunigst das Haribo-Gelände verlassen. Ich würde alles mit ihrem Direktor klären. Das war 1950 und für mich eine heilsame Lehrstunde, die meinen Umgang mit der Finanzbranche bis heute prägt.
Es ging damals um einen Kredit in Höhe von 250 000 D-Mark, den ich benötigt hatte, weil sich vor dem Ostergeschäft die Aufträge stapelten. Die Händler mussten die gelieferten Süßigkeiten natürlich erst verkaufen, damit sie unsere Rechnungen begleichen konnten. Und das dauerte länger als geplant. So fehlte Geld am Zahltag, und die Bank wollte ihre Forderung mit unseren Vorräten sichern. Letztlich einigten wir uns, Haribo musste etwas mehr Zinsen überweisen.
Doch fortan war ich erheblich vorsichtiger im Umgang mit Bankern und habe nie mehr Schulden bei einem Kreditinstitut gemacht. Ich wollte diese Form der Abhängigkeit auf gar keinen Fall noch einmal erleben. Und es ging. Sämtliche Firmen, die wir über die Jahre in Deutschland wie auch im Ausland gekauft haben, sind aus dem Cashflow finanziert. Diese Strategie macht sich heute bezahlt. Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise jedenfalls spüre ich in unserer Firma kaum.Sicherlich hätten wir momentan weniger Probleme, wenn mehr Unternehmer ihrer Bank gegenüber misstrauischer gewesen wären.
Aufgezeichnet von Rudolf Kahlen
Klemmt’s? Zu teure Kredite, schlechte Beratung, übermäßiger Papierkrieg, ständig wechselnde Kundenbetreuer - wenn es um Banken geht, ist die Wut vieler Unternehmer groß. Haben auch Sie sich über Ihr Geldhaus geärgert? Dann schreiben Sie uns: finanzen@impulse.de
© 1999 - 2012 impulse
Ihre Meinung
Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück



















Diesen Artikel bookmarken bei...