Nach der zweiten Ölkrise schlug ich meiner Familie vor, die Abhängigkeit vom Automobilgeschäft zu reduzieren und in den Maschinenbau zu investieren. Von einer renommierten Privatbank wurde uns ein Unternehmen im Bereich Sondermaschinen empfohlen. Die Firma war hoch verschuldet, unsere Hausbanken rissen sich geradezu darum, die Kredite der neuen Firma zu übernehmen. Später stellte sich heraus, dass der Maschinenpark deutlich älter war als in der Bilanz angegeben und bei Interpol über den Eigentümer eine Liste von Ermittlungen in Strafsachen vorlag.
Da wir die Akquisitionsmethoden des Vorgängers nicht übernahmen, ging es mit dem Auftragseingang rapide bergab. Nach drei Jahren zog ich die Reißleine und beschloss, diese Diversifikation zu beenden. Ich bat die kreditgebenden Banken um Unterstützung beim Verkauf, den wir nach Ausgleich aller Verluste zu 1 D-Mark anboten. Die überraschende Reaktion war, dass unsere Hausbank persönliche Sicherheiten für die Kredite forderte, und als wir dies ablehnten, ihren Kredit innerhalb von zehn Tagen fällig stellte, die Insolvenz des Unternehmens auslöste und Guthaben meiner Familie in entsprechender Höhe beschlagnahmte.
Daraufhin musste ich mit sechs Banken elf Prozesse führen, in zwei Fällen sogar bis zum Bundesgerichtshof. Ich gewann alle Verfahren, die Beweislage war eindeutig. Zwei Lehren habe ich aus dieser unerfreulichen Geschichte gezogen: Wir machen keine Geschäfte mehr, bei denen wir von Banken abhängig sind. Und auch bei Familienunternehmen verlasse ich mich nicht mehr blind auf deren Seriosität.
© 1999 - 2012 impulse
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