Partnerschaft – davon sprachen die Herren vom Warenhauskonzern Kaufhof, als wir uns 1988 in Köln trafen. Sie wollten die Mehrheit an Media Markt. Die Stimmen von uns vier Gründern hätten auch in Zukunft Gewicht, versicherten sie. Wir waren naiv und glaubten es. Als wir 1979 Media Markt gründeten, wollten wir Mitarbeiter, die eigenverantwortlich arbeiten. Unsere Filialleiter bestimmten, was sie einkauften. Und wir Gründer genossen die Freiheit, Entscheidungen unbeeinflusst zu treffen. Als wir 1988 ins Ausland expandierten, dachten wir aber, dass wir das allein nicht schaffen. Also verkauften wir.
Dann wurde Wolfgang Urban neuer Vorstandsvorsitzender. Der sah sich nicht als Partner, sondern als Repräsentant des Mehrheitsaktionärs. Nun sollten die Filialleiter Ware bei vorgegebenen Händlern kaufen. Gehälter wurden infrage gestellt. Unsere Werbung sollte nicht mehr polarisieren, sondern allen gefallen. Wir Geschäftsführer wurden mit Kleinigkeiten gegängelt. Zum Schluss sollte ich mich jedes Mal abmelden, wenn ich einen Tag nicht am Schreibtisch saß.
Vor zehn Jahren bin ich ausgeschieden. Im Nachhinein frage ich mich, wie ich es so lang ausgehalten habe. Heute weiß ich: Bei einem börsennotierten Unternehmen darf man nicht auf das Wort der Menschen setzen, mit denen man verhandelt. Denn die kann man schnell austauschen.
Aufgezeichnet von Claus Hornung
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