"Es war nie ganz klar, wer der Kinder die Nachfolge übernehmen soll", sagt ein Schulfreund Ludwig Merckles, der selbst als Manager im Konzern arbeitet. "Adolf Merckle hat es laufen lassen."
Ludwig und sein jüngerer Bruder Philipp Daniel sind ehrgeizig und können sich die Nachfolge vorstellen, der Ältere ein studierter Wirtschaftsinformatiker, der zwei Jahre für Roland Berger gearbeitet hat, der Jüngere ein promovierter Pharmazeut. Nacheinander schickt ihr Vater sie als Assistenten zu seinem Spitzenmanager Scheifele - damit sie von ihm das Kaufmännische und die Tricks im Alltagsgeschäft lernen. Beide werden eine Zeit lang als Chef der Ratiopharm-Gruppe inthronisiert, der eine für acht, der andere für zweieinhalb Jahre - doch immer regiert eigentlich noch der Vater.
Die zwei Jüngsten kommen nicht infrage
Die beiden jüngsten Kinder kommen für die Erbfolge nicht infrage. Zwar studiert Tochter Jutta Betriebswirtschaft, sie hält wie alle anderen Familienmitglieder Anteile diverser Merckle-Firmen und fungiert zeitweise als Aufsichtsrätin verschiedener Beteiligungen. Die 41-Jährige weigert sich jedoch, operativ im Familiengeschäft zu arbeiten, und verdient ihr Geld als Angestellte des Berliner Technikunternehmens MTS Systems.
Der jüngste Sohn, Tobias, verabschiedet sich ganz aus der Welt der Unternehmer. "Ich wollte einen eigenen, anderen Weg gehen", sagt der heute 38-Jährige einmal. Er fährt begeistert Motorrad, sein Club "Biker under God's Command" organisiert Gottesdienste.
"Auftrag von Gott"
Geprägt vom strengen Pietismus der Mutter, die lange als Ratsmitglied der Evangelischen Kirche Deutschlands aktiv ist, engagiert sich Tobias Merckle in Resozialisierungsprojekten. Vier Jahre arbeitet er als Vorstandsassistent bei Prison Fellowship International, einer US-Organisation, die verkündet, allein Jesus Christus habe die Macht, Straftäter zur Umkehr zu bewegen. Er gründet den Verein Prisma und führt seit 2002 das Seehaus Leonberg, wo er mit jugendlichen Straftätern arbeitet - mit erstaunlichen Erfolgsquoten.
Merckle-Serie Teil I: Das Erbe des Patriarchen
Merckle-Serie Teil II: Adolf Merckles komplizierte Finanzmanöver
Das finanziell von der Familie unterstützte Seehaus sei sein "Auftrag von Gott", sagt er. Nur kurz, im Juli und August 1993, arbeitet er im Familienunternehmen - als Praktikant in der Personalabteilung. Allerdings vertritt er die Familie in Aufsichtsräten, derzeit bei Heidelberg Cement und bei Phoenix, wo er auf Druck der Banken zum Jahresbeginn den Platz Ludwigs eingenommen hat und nun der letzte direkte Vertreter der Familie ist.
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