Wer beim Griff in den Kleiderschrank danebengreift, macht sich leicht zum Gespött. Nicht anders ergeht es Unternehmen, wenn sie sich ein schickes soziales oder ökologisches Mäntelchen umhängen, das ihnen öffentlich vom Leib gerissen wird. So erging es dem Discounter Lidl, dem im April eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs ins Haus flatterte.
Darin verwies die Verbraucherzentrale Hamburg darauf, dass sich das Unternehmen mit Sozial- und Arbeitsstandards schmücke, die es nachweislich nicht einhielt. Die Klage wurde unterstützt von der Kampagne Saubere Kleidung, die menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bei Zulieferbetrieben festgestellt hatte. Zum Verfahren kam es nicht, weil Lidl eine Unterlassungserklärung abgab.
Die Klage ist ein Beleg dafür, wie schnell heute ökologischer oder sozialer Etikettenschwindel, sogenanntes Greenwashing, entlarvt und angeprangert wird. Andererseits gelingt es Unternehmen, durch verantwortliches Handeln eine gute Reputation aufzubauen. Dazu müssen sie jedoch glaubwürdig und transparent über ihr nachhaltiges und regelkonformes Verhalten berichten.
Wie wichtig der Faktor Nachhaltigkeit für den wirtschaftlichen Erfolg ist, zeigt die Studie "Best Brands 2010" von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und der Kommunikationsagentur Serviceplan. "Rund 40 Prozent der Reputation eines Unternehmens werden von seinem ökologischen und sozialen Engagement geprägt", resümiert Florian Haller, Serviceplan-Hauptgeschäftsführer.
Verkaufsargument Nachhaltigkeit
Kunden wollen, dass es den Unternehmen ernst mit Umweltschutz und Sozialstandards ist. Investoren verlangen Klarheit über die Bedeutung öko-sozialer Aspekte für die Geschäftsentwicklung. Oekom Research schätzt das Gesamtvolumen nachhaltiger Kapitalanlagen weltweit auf rund 5000 Mrd. Euro. Diese Investoren wünschen mehr Transparenz und messbare Kriterien, so eine Umfrage für das Bundesumweltministerium und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte 2009.
Dazu müssen Unternehmen die Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung in die Geschäftsberichte integrieren. "Derzeit entsprechen Corporate-Social-Reponsibility- und Nachhaltigkeitsberichte weder der Form noch dem Inhalt nach den Bedürfnissen von Investoren und Kreditgebern", bemängelt Ralf Frank, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA).
Zwar müssen die Lageberichte zu den für die Geschäftsentwicklung relevanten Umwelt- und Sozialaspekten informieren. Das geschehe aber viel zu wenig oder mit nur geringer Aussagekraft, urteilen Wirtschaftsprüfer. "Es werden kaum Zielgrößen formuliert noch ein Soll-Ist-Vergleich gemacht", bemängelt Peter Poppe, Geschäftsführender Gesellschafter der Agentur HGB Hamburger Geschäftsberichte. Sie hat die diesjährigen Berichte unter die Lupe genommen.
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