Vor einem Jahr brach für Seniorchef Günter Schwolow die Welt zusammen. Sein Unternehmen, der Brillenhersteller Obrira, stand am Abgrund. Plötzlich meldeten sich Lieferanten und forderten ihr Geld ein. Doch der Familienbetrieb konnte nicht zahlen. Schnell zeichnete sich ab, dass der Geschäftsführer die Bücher manipuliert und Firmengelder veruntreut haben könnte. Statt sofort Insolvenz anzumelden, versuchte Schwolow, das Traditionshaus aus eigener Kraft zu retten. Vergeblich. Schließlich meldete er doch Insolvenz an.
So wie Schwolow zögern viele Mittelständler den Insolvenzantrag hinaus. "Sie setzen auf das Prinzip Hoffnung und denken, dass noch ein Wunder geschieht, anstatt gleich zum Gericht zu gehen", sagt der Kölner Insolvenzrechtsexperte Dietmar Rendels. Dann kann es aber für eine Rettung des Unternehmens zu spät sein.
Das Gesetz zur Erleichterung der Unternehmenssanierung (ESUG), das im März 2012 in Kraft tritt, setzt genau da an. Es will den Managern die Angst vor dem Insolvenzantrag nehmen. Das neue Gesetz räumt Schuldnern im Schutzschirmverfahren eine dreimonatige Schonfrist ein, in der sie vor jeglichen Vollstreckungsmaßnahmen geschützt sind. Die Manager sollen genug Zeit haben, einen Sanierungsplan zu erarbeiten, um dann in Eigenregie die Firma zu retten.
Instrument kam zu selten zum Einsatz
Die sogenannte Eigenverwaltung gab es zwar schon vor dem ESUG. Seit 1999 können Firmen innerhalb des Insolvenzplanverfahrens auch im Rahmen der Eigenverwaltung saniert werden. Doch das Instrument kam viel zu selten zum Einsatz. Das ESUG soll die Erfolgsquote nun erhöhen. Das Motto lautet also stärker den je: Saniere dich selbst. "Wenn sie schon mit einem fertigen Insolvenzplan zum Gericht hingehen, ist auch die Chance auf Erfolg größer", sagt Insolvenzexperte Rendels.
Dass ein Insolvenzverfahren ein Weg ist, Betriebe in Schieflage zu retten, hat nun auch Obrira-Chef Schwolow gelernt. Die Insolvenzverwalterin schasste den umstrittenen Geschäftsführer und entwickelte einen Sanierungsplan. Nach sechs Monaten war das Verfahren abgeschlossen. Die Firma ist schuldenfrei und musste keine Mitarbeiter entlassen. "Wir können unseren Zulieferern in die Augen schauen", sagt Schwolow
Quelle: ftd.de
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