22.01.2010

Produktion: Schneller Fehlerquellen erkennen

Von: Denis Dilba
Störungen bleiben meist zu lange unbemerkt
Zoom Störungen bleiben meist zu lange unbemerkt
© Getty Images
Wenn Maschinen ausfallen, wird's teuer. Deshalb werden sie von Leitständen aus überwacht. Noch besser ist, wenn man den Leitstand herumtragen kann.

Jan Kulling mag kein Lila. Jedenfalls nicht auf seinem Blackberry. Der vibriert gerade und blinkt dabei - in Lila. "Nicht gut", murmelt Kulling und spurtet los. Quer durch die Werkshalle des Baustoffherstellers Lugato in Barsbüttel bei Hamburg, die sich über eine Fläche von drei Fußballfeldern erstreckt. Lila bedeutet: Störung. Irgendetwas blockiert die Lichtschranke am Kommissionierungsförderband. Und der Job von Jan Kulling, dem Teamleiter Systemtechnik bei Lugato, ist es, diese Störung schnellstmöglich zu beseitigen.

Sonst schaltet die Anlage automatisch ab. Und das macht die Lkw-Fahrer nervös. Die warten draußen auf Europaletten, voll bepackt mit Fugenkleber, Bodenausgleichsmasse und Spezialmörtel, die sie nach Moskau, Stockholm oder Dublin fahren sollen. "Schon eine Stunde Verzögerung ist logistisch ein Super-GAU", sagt Kulling. Schon das reicht aus, um Fähren und Anschluss­termine zu verpassen. Da läppert sich schnell ein fünfstelliger Betrag zusammen. Dass es so weit nicht kommt, hat Lugato inzwischen im Griff.

Seit Juli 2009 setzt das Unternehmen einen mobilen Störungsmelder der Hamburger IT-Firma Schad ein, den Extend 7000. "Leitstand für die Hosentasche" nennt deren Geschäftsführer Christian Schad sein Produkt. Denn in den meisten Fabriken, Kraftwerken und Firmengebäuden flimmern Fehlermeldungen über die Bildschirme großer Leitstände. Im Alarmfall müssen Ingenieure und Techniker von dort ausrücken, um den Fehler zu beheben.

Bessere Abstimmung

Der Haken: Sind alle Mitarbeiter in der Anlage unterwegs, bekommt niemand mit, wenn eine neue Störmeldung hereinkommt. Auch nicht, wenn diese möglicherweise viel dringender gelöst werden muss als die, die gerade behoben wird.

Früher machten manchmal die Lkw-Fahrer in der Warenabfertigung Jan Kulling darauf aufmerksam, "dass irgendwie keine Palette mehr ankommt". Das hieß, dass die Anlage bereits mehrere Minuten lang stillstand. Jetzt erfahre er in Echtzeit, welche Anlage eine Störung meldet, sagt er: "Egal, ob ich gerade unter einem Zementmischer liege oder im Warenregal herumklettere."

Zudem funktioniere die Abstimmung mit seinen beiden Kollegen besser. Die sind ebenfalls mit mobilen Alarmgebern ausgestattet. Wer der kaputten Maschine am nächsten ist, kann per Tastendruck die Störung annehmen. Dann verschwindet die Meldung von den Displays.

Das Problem am Förderband hat Kulling fünf Minuten nach dem Eingang der Fehlermeldung gelöst. Ein wenige Zentimeter langes Stück Unterlegpappe war in den Lichtstrahl geraten. "Das passiert schon mal."

Software mit Macken

Viele Firmen suchen seit Langem Lösungen für das Flaschenhalsproblem am Leitstand. "Doch die Systeme, die es bisher auf dem Markt gibt oder die sich die Unternehmen selber basteln, haben alle mehr oder weniger große Macken", sagt Achim Kampker, Leiter des Lehrstuhls für Produktionsmanagement an der Technischen Hochschule Aachen.

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Einige Firmen setzen etwa auf eine Störungsmeldung per SMS auf Handys oder Palmtops. Einen solchen Service bieten beispielsweise das Siemens Alarm Center oder die Software Wonderware vom Anbieter Invensys. Dabei versenden integrierte GSM-Module, die ähnlich wie Handys arbeiten, die Alarmnachrichten in die Schaltanlagen. So überwacht beispielsweise der Mannheimer Energieversorger MVV Energie die Pumpen seiner drei Wasserwerke.

Die schlimmstmögliche SMS, die sich MVV-Projektingenieur Uwe Erny vorstellen kann, lautet: Druck unter drei Bar! "Das heißt, dass alles steht", sagt Erny. Pro Tag erhält er im Durchschnitt fünf Alarm-SMS. Meist mit der Meldung, dass eine der unzähligen Pumpen gestört ist. Dann rückt die Bereitschaft aus und klärt das Problem. Früher wachten in jedem der drei Wasserwerke zwei Mitarbeiter rund um die Uhr. Heute könne diesen Job eine einzige Person übernehmen, sagt Erny: "Das System ist eine enorme Hilfe."

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