Ulrich Börger bekommt die Hallenschlüssel schon im Februar, drei Monate vor Messebeginn. Dann rücken die Techniker der Heidelberger Druckmaschinen das erste Mal in die Halle 1 der Messe Düsseldorf ein, verlegen Starkstromkabel im Boden. Wo Aussteller bei anderen Messen nur Kaffee kochen und bestenfalls ein paar Scheinwerfer leuchten lassen, baut Heidelberger zur Drupa, der Weltleitmesse für Drucktechnik, fünf komplette Druckereien auf, die größte Einzelmaschine wiegt 30 Tonnen.
Um solche Exponate zu montieren, genügen vier Wochen Aufbauzeit ab Ostern nicht. Also muss Börger, beim süddeutschen Maschinenbauer für "Trade Shows & Events" zuständig, seine Leute schon im Winter erste Vorarbeiten erledigen lassen. Nach der Modemesse CPD Signatures wird zehn Tage lang Ruhe herrschen auf dem Gelände - dann darf Heidelberger rein. Bei den zwölf Messen, die Düsseldorf danach noch in den Hallen ausrichtet, bevor die Drupa beginnt, stören die versteckten Kabel nicht weiter.
Normal ist dieser Vorlauf nicht. Meist heißt es: aufbauen, ein paar kurze, übervolle Tage lang präsentieren und Geschäfte anbahnen, abbauen. In der Fotoserie auf diesen Seiten zeigt impulse eine Halle der Productronica in München. Fünf Tage Aufbau, vier Tage Abbau. Und dazwischen vier Tage pralles Leben mit mehr als 38.000 Besuchern und mehr als 1000 Ausstellern bei der Weltleitmesse für innovative Elektronikfertigung.
Auf einem der sechs angemieteten Hotelschiffe schlafen
Die Productronica findet alle zwei Jahre statt, die Drupa sogar nur alle vier . Von der "Olympiade der Druckindustrie" spricht die Branche. "Das ist die wichtigste Messe für die gesamte Branche", sagt Heidelberger-Manager Börger. "Und fände sie jedes Jahr statt, würden wir wesentlich kleiner auftreten."
So aber ist die Drupa trotz der Krise der Druck-Industrie eine Schau der Superlative, mit einer Dauer von 14 Tagen die längste Investitionsgütermesse der Welt. In den Hallen bauen Aussteller komplette Druckrotationen auf, Stanzpressen und Falzmaschinen, herangekarrt auf 4500 Schwerlastern und 30.000 Transportern. Für den zusätzlichen Verkehr lässt Düsseldorf eigens Ampelschaltungen ändern und Schilder aufstellen. Während der Messe verbraucht das Gelände so viel Strom wie Neuss mit seinen 160.000 Einwohnern.
Schätzungen der Stadt zufolge brauchen die Drupa-Gäste 40.000 Hotelbetten. "Die Leute schlafen bis südlich von Köln", sagt Manuel Mataré, bei der Messe für die Drupa verantwortlich. "Manche sogar in den Niederlanden oder in Frankfurt - mit dem ICE kommt man ja in einer guten Stunde nach Düsseldorf." Bei Heidelberger wird die komplette weltweite Vertriebsmannschaft am Stand stehen und anschließend in 60 Hotels und auf sechs angemieteten Hotelschiffen schlafen.
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