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14.12.2010

Rückzug vom Printgeschäft: Vom Zeitungsjungen zum Schuhverkäufer

Von: Lutz Knappmann
Stefan von Holtzbrinck, Geschäftsführer der Holtzbrinck-Gruppe
Zoom Stefan von Holtzbrinck, Geschäftsführer der Holtzbrinck-Gruppe
© AP
Schritt für Schritt zieht sich die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck aus dem Printgeschäft zurück. Doch bis Onlinenetzwerke und E-Commerce diese Umsätze kompensieren, braucht Konzernchef Stefan von Holtzbrinck einen langen Atem.

Stefan von Holtzbrinck macht keinen Hehl daraus, dass er seine Zukunft nicht als Printverleger sieht. Der Chef der Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck vertraut lieber aufs Internet - meistens jedenfalls.

Angeblich 85 Mio. Euro ließ er sich vor knapp vier Jahren das Onlinenetzwerk StudiVZ kosten. Ein spektakulärer Deal, der ihn vorübergehend zum Digitalvorreiter der Verlagsbranche machte. Vergangenen Sommer der nächste Paukenschlag: Holtzbrinck verkaufte seine Printflaggschiffe, die Verlagsgruppe Handelsblatt, den Berliner "Tagesspiegel" und die Hälfte der Anteile am "Zeit"-Verlag, an seinen älteren Bruder Dieter. Der führt sie als eigenständiges Unternehmen weiter.

Nun steht die Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck offenbar kurz davor, weitere Zeitungsverlage zu verkaufen. So könnte die hoch profitable Würzburger "Main-Post" laut "Handelsblatt" an die Augsburger Presse-Druck und Verlags GmbH ("Augsburger Allgemeine") gehen. Auch der Mehrheitsanteil an der Saarbrücker Zeitungsgruppe ("Saarbrücker Zeitung", "Trierischer Volksfreund", "Lausitzer Rundschau") steht offenbar zum Verkauf, berichtet das Fachmagazin "Kontakter". Keiner der Verlage wollte sich am Montag dazu äußern.

Der Ausverkauf der wirtschaftlich gesunden Regionalblätter könnte Holtzbrinck einen satten dreistelligen Millionenbetrag in die Kasse spülen. Gutes Geld, um sein illustres Portfolio von Onlineportalen, Digitalvermarktern und Startups auszubauen, das nach Angaben der im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz, 2009 etwa ein Zehntel zum Konzernumsatz von knapp 2,4 Mrd. Euro beisteuerte - und mit Medien oder gar Journalismus kaum noch etwas zu tun hat.

Zu den Beteiligungen der Konzerntochter Holtzbrinck Digital, die seit dem Amtsantritt ihres neuen Geschäftsführers Johann Butting kräftig umgebaut wird, gehören das Datingportal Parship, die Dienstleistungs-Auktionsplattform MyHammer oder der Händler buecher.de. Die Investmentsparte Holtzbrinck-Ventures ist am boomenden Internetschuhhändler Zalando beteiligt - einer Kopie der erfolgreichen Amazon-Tochter Zappos.

Holtzbrinck arbeitet mit den Samwer-Brüdern zusammen, die vorhandene Onlinegeschäftsmodelle für den deutschen Markt nachbauen. Die Plattform Citydeal, die Nutzern Rabatte etwa bei lokalen Händlern oder Restaurants verschafft, hat der Konzern im Mai an das explosionsartig wachsende US-Pendant Groupon verkauft - dem Vernehmen nach im Rahmen eines Aktientauschs. Holtzbrinck hat aus Fehlern gelernt.

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