Bierwerbung ist zumindest hierzulande meistens eins: wahnsinnig öde. Glückliche Menschen trinken gemeinsam und strahlen dabei, dann fängt die Kamera einen Tropfen ein, der vom Glasrand abperlt. Schnitt. So bieder wie die Werbung ist in weiten Teilen auch die Branche. Brauer sind im Allgemeinen nicht gerade berühmt für neue Ideen und kreatives Marketing.
Was derzeit in Großbritannien passiert, können auch Deutschland Bierproduzenten nicht ignorieren. Zwei Jungspunde aus Schottland schaffen es mit aggressivem Marketing immer wieder in die Schlagzeilen: James Watt und Martin Dickie, beide Mitte 20, Chefs der Brauerei Brewdog in Fraserburg nahe Aberdeen. Seit 2007 sind die beiden im Geschäft, rund 120.000 Flaschen füllen sie pro Monat ab, zu den größten Kunden zählt die britsche Supermarktkette Tesco.
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Mit hippen Shirts sehen die beiden eher aus wie DJs in einem angesagten Londoner Club. "Wir waren gelangweilt von den ganzen industriell gebrauten Bieren in Großbritannien, deshalb wollten wir ein cooles und zeitgemäßes Bier brauen", schreiben die beiden auf ihrer Website. Also gründeten sie kurzerhand Brewdog, die mittlerweile größte unabhängige Brauerei Schottlands. Eines der Biere ist ein Lager namens "Zeitgeist".
Geschmack und Tradition sind bei der Coolness-Mission der Schotten jedoch weniger entscheidend als Image und Aufmerksamkeit. So liefern sich Watt und Dickie seit vergangenem Jahr einen Bierkrieg mit dem Brauer Georg Tscheuschner aus dem mittelfränkischen Gunzenhausen um den Titel "stärkstes Bier der Welt".
Dabei nutzten Watt und Dickie die Gelegenheit, sich ins Gespräch zu bringen, als der deutsche Braumeister im vergangenen Jahr ein Bier mit 32 Prozent Alkohol braute - und es als stärkstes Bier der Welt offerierte. Eigentlich wollte der damit lediglich die fränkische Konkurrenz beeindrucken. Doch Brewdog legte mit einem Gesöff mit dem Namen "Tactical Nuclear Penguin Beer" nach, das einen Alkoholgehalt von 32 Prozent aufwies.
Das stachelte wiederum den Franken an, der ein noch stärkeres Bier braute. Dann produzierten die Schotten ein Getränk mit satten 41 Prozent und nannten es kriegerisch "Sink the Bismarck". In einem Youtubevideo posieren die beiden in Lederhosen, prosten sich zu und verbreiten auf pseudo-deutsch Klischees über die Bundesrepublik. Die Internetgemeinde lacht oder flucht - je nachdem, ob sie Briten oder Deutsche sind.
Das ließ Tscheuschner nicht auf sich sitzen: Mit gestreiftem Hemd und einer Hand am Kessel erklärte er im Bayerischen Fernsehen: "Die Schotten sollten lieber Dudelsack pfeifen als Bier brauen". Sein Schorschbock mit 43 Prozent Alkohol übertrumpfte die "Bismarck" um zwei Prozent und ist stärker als Wodka oder Whiskey. Von Bier kann hier kaum noch die Rede sein. Aber das spielt wohl auch keine Rolle mehr.
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