Ein Autoboss aus der Softwarebranche, der in der Papierindustrie tätig war und auch mal als Banker gearbeitet hat? Für einen amerikanischen Konzern wie General Motors (GM) ist das kein Problem. GM-Verwaltungsratsboss Ed Whitacre selbst brachte den ehemaligen Microsoft-Vorstand Chris Liddell als neuen Chef ins Gespräch.
Für Hersteller hierzulande wäre das eine grauenhafte Vorstellung. Ein Autoboss - so lautet ein ungeschriebenes Gesetz - muss Benzin im Blut haben. "Für die Deutschen steht vor allem das Produkt im Vordergrund", sagt Branchenexperte Helmut Becker vom Münchner Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation IWK.
Dieser Grundsatz gilt für fast alle deutschen Autobauer. Ob Volkswagen, Daimler, BMW oder Porsche - an der Spitze stehen ausschließlich gestandene Ingenieure, die seit Jahrzehnten im Unternehmen tätig sind. Der autobegeisterte Manager, das war viele Jahre ein Erfolgsmodell, das gut funktioniert hat, sagt Martin Stemmler von der Personalberatung Korn/Ferry.
Der Grund liegt in einer Eigenart der deutschen Autoindustrie. Mehr als General Motors, Chrysler, Fiat oder Toyota stehen die deutschen Hersteller für Erfindungsreichtum und Fahrgefühl. "Gerade bei den angloamerikanischen Unternehmen sitzen eher die Kaufleute am Drücker", sagte Experte Becker. In der Folge hätten sich Unternehmen wie GM oder Chrysler kaputtgespart. Während sich Konzerne wie Volkswagen an schnittigen Sportwagen und praktischer Alltagstechnik berauschten, fehlten im US-Autobau die technischen Visionen.
Quelle: ftd.de
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