Die Untersuchung zeichnet ein düsteres Bild der Arbeitssituation in deutschen Unternehmen und Organisationen. Die Belastungen nehmen zu und das Betriebsklima verschlechtert sich, teilte die Universität mit.
Arbeitnehmer fühlen sich überfordert und die Stimmung unter den Kollegen wird schlechter. Auf der anderen Seite geben Chefs Druck oft nur noch nach unten weiter und lassen ihre Untergebenen mit den Folgen weitgehend allein. "Die Arbeitswirklichkeit unterliegt tiefgreifenden Veränderungen, die in den vergangenen Jahren noch an Geschwindigkeit zugelegt haben", sagte Rolf Haubl, einer der Leiter der Studie.
Der Professor für psychoanalytische Sozialpsychologie hatte rund 1000 Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Supervision befragt. Supervisoren und Coacher beraten Unternehmen und Organisationen überwiegend im sozialen Bereich zu Themen wie Zusammenarbeit und Teambildung.
Meine Arbeit? Mir doch egal!
Ein Großteil der Unternehmen befindet sich laut Studie in turbulenten Veränderungsprozessen. "Der ökonomische Druck der letzten Jahre und der daraus entstehende ständige Reformzwang hat zu einer höchst problematischen "Blase" sich verdichtender Probleme in Organisationen geführt, die lange Zeit kaum wahrgenommen wurde, nun aber "platzen" könnte", warnt Haubl. Den permanenten Umbau eines Unternehmens könnten viele Beschäftigte nicht mehr nachvollziehen und identifizierten sich deshalb nicht mehr mit ihrer Arbeit.
Die Führungskräfte haben ordentlich an Reputation bei ihren Arbeitnehmern eingebüßt. Viele Mitarbeiter sehen in ihnen keine Wächter guter Arbeit und Qualitätsstandards mehr, sondern reine Manager, die profitable Veränderungen durchsetzen wollen. "Die Beschäftigten beklagen sich, dass ihre Chefs oft die notwendigen Führungskompetenzen nicht mitbringen, um den Wandel für die Mitarbeiter erträglich zu gestalten", heißt es in der Mitteilung. Kurz: Führungskräfte scheinen in vielen Bereichen selber überfordert.
Auch befristete Arbeitsverträge könnten die Situation verschlimmern. Die Kollegen sind angespannt und beneiden sich gegenseitig. Außerdem hat die Arbeitsintensität erheblich zugenommen: Arbeitsprozesse werden verdichtet und beschleunigt, Nischen beseitigt. Das motiviert manche Beschäftigte, für die meisten ist es eine Belastung, die sie irgendwann nicht mehr bewältigen können.
Kollegialität löst sich in Luft auf
Glaubt man der Studie, lösen sich Kollegialität und Solidarität langsam aber sicher in Luft auf. "Oft ist die Belegschaft in Gruppen gespalten, die sich gegenseitig das Leben schwer machen", wird der Forscher in der Mitteilung zitiert. All diese Faktoren führen laut Studie zu psychischen wie körperlichen Problemen. Anhaltende Überforderung führe zudem zu einer "Kultur des Klagens". "Dieses Klagen ist keine angemessene Auseinandersetzung mit dem Problem, sondern dessen Ritualisierung, die es eher aufrecht erhält", so Haubl.
Quelle: ftd
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