So laufen auch Vulkanausbrüche ab: Erst dampft und brodelt es fast unbemerkt, dann folgt die Eruption und bringt zutage, was in den Monaten zuvor den Druck erhöht hat. Vor zwei Wochen hat das Familienunternehmen Electronic Partner (EP) überraschend das Familienmitglied Oliver Haubrich vom Chefposten verbannt. Seitdem versuchen seine beiden Onkel vom Verwaltungsrat aus, die Folgen einzudämmen.
Überraschung, gar Sorge gebe es nun unter den Mitarbeitern, schrieb der Verwaltungsratschef Hartmut Haubrich in einem internen Rundschreiben. Und: "Ich kann gut verstehen, dass Sie Fragen zu den Hintergründen haben. Ich bitte Sie jedoch, Verständnis dafür zu haben, dass Herr Oliver Haubrich und der Verwaltungsrat einvernehmlich Stillschweigen zu allen Details vereinbart haben."
Es dürfte das Einzige sein, worauf sich die Parteien zuletzt einvernehmlich geeinigt haben. Der Financial Times Deutschland (FTD) liegen interne Dokumente vor, die belegen, dass die Abberufung des erst 42-jährigen Oliver Haubrich vom Posten des Geschäftsführenden Direktors Folge eines totalen Vertrauensverlustes zwischen zweiter und dritter Führungsgeneration im Familienunternehmen ist. Hartmut und Edgar, Söhne und Nachfolger des Gründers Karl Friedrich, hatten für ihre eigene Nachfolge im Jahr 2001 Oliver ins Unternehmen geholt und ihn 2005 zum Chef gemacht. Er ist Sohn ihres älteren Bruders Karl Heinz, der selbst kein Geschäftsführer war.
Nun lassen sie kein gutes Haar an ihrem Nachfolger. Er sei ein "Phrasendrescher, wirklichkeitsfremd", "mediengeil", "oberflächlich", ein "Sprücheklopfer", der zu Mobbing greife. Die Aussagen finden sich in einem Gesprächsprotokoll, das bei Electronic Partner kursiert. Die darin zitierten wollen dazu keine Stellung nehmen. "EP verweist darauf, dass es Aufgabe des Verwaltungsrates sei, Geschäftsführende Direktoren zu berufen und abzuberufen."
Das Problem: Die Einschätzungen der Alten decken sich nicht mit den Beobachtungen der Jungen. Eine Mitarbeiterzufriedenheitsstudie hatte gute Stimmung und keine Hinweise auf Mobbing ergeben. Oliver Haubrich gilt unter Mitarbeitern als beliebt. Bei seiner plötzlichen Verabschiedung seien bei einzelnen Mitarbeitern Tränen zu sehen gewesen. Auch unter den jüngeren Gesellschaftern sind Entscheidung und Argumentation des Verwaltungsrates dem Vernehmen nach umstritten.
Quelle: ftd.de
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