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24.01.2012

Trend aus den USA: Mittelstand finanziert sich zunehmend über Anleihen

Von: Harald Czycholl
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© Getty Images
Kleine und mittlere Unternehmen besorgen sich ihr Geld immer öfter auf eigene Faust. Experten stehen den Mittelstandsanleihen jedoch skeptisch gegenüber.

Zur Tüte Brötchen gibt es bei der Bäckereikette Heberer aus Mühlheim am Main einen Werbezettel: Satte sieben Prozent Zinsen werden dort auf die "Jubiläumsanleihe" versprochen, bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Das Papier wird im Eigenvertrieb ausgegeben. "Das Unternehmen zeichnet sich durch einen hohen Bekanntheitsgrad aus, insbesondere in seinen Kernmärkten Rhein-Main, Berlin und Thüringen", wirbt Geschäftsführer Alexander Heberer.

Damit seien beste Voraussetzungen geschaffen, um die Anleger über die Filialen selbst anzusprechen und zu gewinnen. Zudem sei der Cashflow nachhaltig positiv, sagt Heberer, der die Bäckereikette gemeinsam mit seinem Bruder Georg in vierter Generation führt. "Das neue Kapital gibt uns den nötigen Spielraum, ein nachhaltiges Wachstum zu generieren und auch durch Zukäufe weiter zu expandieren."

Ein seit dem Jahr 1891 existierendes, mittelständisches Traditionsunternehmen in Familienhand - das klingt erstmal solide. Und sieben Prozent Zinsen auf dessen Anleihe - das klingt attraktiv. Doch Finanzexperten sind skeptisch: "Ob eine Backstube der richtige Ort ist, um eine Anleihe anzupreisen, ist sicher Ansichtssache", sagt René Parmantier, Vorstandsvorsitzender der Close Brothers Seydler Bank, die auf Kapitalmarkttransaktionen für den Mittelstand spezialisiert ist.

Und Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, sagt: "Prinzipiell raten wir Kleinanlegern von Investitionen in einzelne Unternehmensanleihen ab." Über den Kauf solcher Schuldverschreibungen solle nur nachdenken, wer über ein breit gestreutes Portfolio verfüge. Viele der Firmenanleihen seien intransparent und sehr riskant.

Börsen haben eigenes Handelssegment aufgebaut

Kleine und mittlere Unternehmen finanzierten sich bislang ausschließlich über Bankkredite. Mit Mittelstandsanleihen haben sie nun eine Alternative: Sie beschaffen sich das nötige Fremdkapital einfach direkt bei Anlegern und umgehen so ihre Hausbank. Der Trend ist aus den USA und Großbritannien nach Deutschland gekommen. "An Mittelstandsanleihen führt kein Weg vorbei", sagt Bankchef Parmantier. "Infolge von Basel III sind Banken gar nicht mehr in der Lage, den Mittelstand wie bisher mit Krediten zu versorgen." Der Weg über die Anleihe bringt für die Unternehmen gleich mehrere Vorteile mit sich: Sie werden unabhängiger von den Banken - und können das günstige Zinsumfeld für sich ausnutzen.

Einige Mittelstandsanleihen, etwa die der Bäckereikette Heberer, werden in Eigenregie ausgegeben und auch nicht an der Börse gehandelt. Finanzexperten bemängeln dies. Andere Anleihen werden mithilfe von Banken emittiert und übers Börsenparkett an den Mann gebracht. Die Börsen haben auf die neue Anlageklasse reagiert und eigene Handelssegmente aufgebaut, wo die Unternehmen ihre Anleihen platzieren können.

Pionier auf diesem Gebiet war im Mai 2010 die Börse Stuttgart mit ihrem Segment Bondm. Mittlerweile haben die Börsen in Frankfurt, Düsseldorf und München ähnliche Modelle entwickelt. Denn es geht um viel Geld: Allein die Börse Stuttgart hat bereits Papiere im Wert von deutlich mehr als 1 Mrd. Euro platziert, insgesamt schätzen Experten das Volumen dieser Anlageklasse auf über 2 Mrd. Euro. "Das Segment hat für uns einen hohen Stellenwert", sagt Michael Rieß, Projektleiter für den Entry Standard für Anleihen bei der Deutschen Börse in Frankfurt. Ziel sei es, "mittelständischen Unternehmen eine Finanzierungsalternative über die Fremdkapitalaufnahme zu bieten".

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Quelle: ftd.de
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