Rudi Ludwig von SAF Holland und Andreas Bastin von Masterflex sind die "Turnarounder des Jahres 2011". Beide wurden am Montagabend in Berlin von impulse und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO als erfolgreichste Unternehmenssanierer des Jahres ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im Rahmen der impulse-Konferenz "Strategien für erfolgreiche Turnarounds" statt. Die Festrede vor rund 200 Gästen hielt Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung von Trumpf.
![]() Zoom Andreas Bastin von Masterflex |
"Mit dieser Auszeichnung würdigen Manager und Mitarbeiter, die in einer dramatischen Situation genau die richtigen Entscheidungen getroffen haben, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten", beschreibt Christian Dyckerhoff, Vorstand von BDO und Jury-Mitglied, die Idee des Wettbewerbs. "Die diesjährigen Preisträger zeigen, dass mit Einsatz, Kreativität, Hartnäckigkeit und Durchsetzungswillen auch bei scheinbar hoffnungslosen Fällen ein erfolgreicher Turnaround möglich ist." Die Auszeichnung wurde in diesem Jahr zum sechsten Mal vergeben.
![]() Zoom Rudi Ludwig von SAF Holland |
Der Lkw-Zulieferer SAF Holland, Sieger bei den Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten, war durch die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 in die Krise geraten. Das Geschäft mit Achsen, Kupplungen und Fahrwerken brach völlig ein, weil die Lkw-Hersteller wegen mangelnder Nachfrage ihre Produktion dramatisch einschränkten. SAF Holland traf das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Das Unternehmen hatte gerade seine eigenen Kapazitäten erweitert. Das Ziel, erstmals die Umsatzgrenze von 1 Mrd. Euro zu durchbrechen, war vor der Krise in greifbare Nähe gerückt. Nun halbierte sich der Umsatz und die Bilanz färbte sich tiefrot. Die Aktie fiel zwischen Mai 2008 und Februar 2009 von 12,80 Euro auf 39 Cent.
![]() Zoom Martin Fischedick, Bereichsvorstand Corporate Banking, Commerzbank AG |
SAF-Holland musste sich dramatisch ändern, um eine Überlebenschance zu haben. Die gerade erst ausgebauten Kapazitäten mussten so schnell wie möglich wieder abgebaut werden, Das bedeutete Fabriken zu schließen und kurzfristig auch Menschen zu entlassen, auch am Stammsitz im bayerischen Bessenbach nahe Aschaffenburg. Fast die Hälfte der rund 3300 Mitarbeiter musste - zwischenzeitlich - gehen. Anderthalb Jahre dauert die Kurzarbeit in Deutschland.
![]() Zoom Detlef Borghardt, CEO, SAF-Holland |
Mit dem Aufschwung der Weltwirtschaft rollen auch in Bessenbach und den anderen Produktionsstätten wieder die Bänder an. Spediteure stocken ihre Lkw-Flotten auf, die Hersteller brauchen Achsen und Kupplungen und Fahrwerke. "Trotz der harten Sanierung wurde weiter in Forschung und Entwicklung investiert. Das zahlt sich nun aus", sagt Eberhard von Rundstedt. Der Gründer der Personalberatung von Rundstedt HR Partners ist Jurymitglied beim Wettbewerb "Turnarounder des Jahres". SAF-Holland sei nun mit neuen Produkten erfolgreich am Markt. 2010 berappelt sich die Firma, 2011 startet sie durch. In der ersten Jahreshälfte steigt der Umsatz um 45 Prozent auf 420 Mio. Euro, der Gewinn verdoppelt sich auf 30 Mio. Euro. Mitarbeiter werden zurückgeholt. 3200 sind es nun wieder, rund 600 mehr als noch vor einem Jahr. Manch einer, der vor zwei Jahren gehen musste, ist zurück.
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