Es war wie Personalzapping: Am Mittwochabend wurde Oliver Seidl gefragt. Seit Donnerstag ist der 47-Jährige neuer Vorstandschef des TV-Herstellers Loewe. Sein bisheriges Amt - Finanzvorstand - behält Seidl ebenfalls. Keine leichte Aufgabe, denn Seidl steht an der Spitze eines Unternehmens, das rote Zahlen schreibt.
Vier Jahre ist Seidl Finanzvorstand bei Loewe. Er sitzt damit an der Zahlenquelle. Während die Wettbewerber zur Fußball-WM mit zweistelligen Zuwachsraten Fernseher verkauften, erreichte Loewe nur ein kleines Plus. Die Kronacher Firma kam zu spät mit neuen Geräten auf den Markt.
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Der seit April amtierende Loewe-Chef Frieder Löhrer zog daraufhin die Konsequenzen. Mit sofortiger Wirkung legte der 54-Jährige sein Amt nieder. Der Aufsichtsrat entschied sich für Seidl als Nachfolger. Diesmal keine Lösung von außen.
Als Ex-Loewe-Chef Rainer Hecker Anfang 2008 abtrat, holte er Löhrer vom Sofahersteller Rolf Benz nach Kronach. Der vierfache Vater gilt als Marken- und Marketingspezialist. Doch Löhrer hatte offensichtlich nicht die notwendige Härte im internationalen TV-Geschäft. "Er ist sehr freundlich, macht aber keinen Druck und hat sich verzettelt", sagt ein Branchenkenner.
Das soll sich mit Seidl ändern. Loewe müsse schneller und effizienter werden, verkündet der neue Chef an seinem ersten Tag. Neue Technologien müssten schneller auf den Markt kommen, und "wir können uns keine Preissenkungen erlauben". Stattdessen mehr Technik, sagt Seidl.
Sein Rezept zur Genesung von Loewe sieht eine Plattformstrategie für die verschiedenen TV-Geräte vor. Damit könnten Kosten gespart werden. Dieses Kostensenkungsmodell erinnert an die Automobilindustrie, die ebenfalls mit möglichst vielen gleichen Teilen in unterschiedlichen Modellen arbeitet. Die beruflichen Wurzeln des 47-jährigen Diplom-Kaufmanns Seidl liegen ohnehin in der Autobranche. Er begann bei Mercedes-Benz im Rechnungswesen.
Dann wechselte er zum Holzwerkstoffunternehmen Pfleiderer, bevor er 2004 in die Finanzabteilung des Autolackieranlagenherstellers Dürr eintrat. Von dort aus wechselte er 2006 direkt auf den Posten des Finanzvorstands bei Loewe. Damals war Hecker noch Vorstandschef. Inzwischen steht der 66-Jährige dem Aufsichtsrat vor. Das Vertrauen in Seidl ist groß - aber auch die Erwartungen sind es. Parallel sucht Loewe noch einen neuen Marketingvorstand.
Für den Familienvater Seidl bleibt damit noch weniger Zeit für Sport: Er mag Fußball, Joggen und Langstreckenlauf. Dieses Jahr nahm Seidl am Berlin-Marathon teil. Dabei ist jeder Läufer froh, wenn er sich um ein paar Minuten oder wenigstens Sekunden verbessert. Doch für Loewe reicht das nicht: Seidl ist erst zufrieden, wenn die neuen Fernseher künftig ein paar Monate früher im Markt sind.
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