Nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn werden bis 2014 rund 110.000 Unternehmer ihren Betrieb an die nächste Generation übergeben. Vielen von ihnen stellt sich die Frage, wie sie das mühsam aufgebaute Unternehmen so vererben können, dass dessen Erhalt auch über den eigenen Tod hinaus gesichert ist - und liebäugeln mit einer privaten Stiftung. Der Vorteil: Mit einer Stiftung kann langfristig bestimmt werden, was mit dem Vermögen passiert. Gleichzeitig fällt die Erbschaftssteuer deutlich geringer aus.
"Durch eine Stiftung wird das Vermögen zusammengehalten", sagt Rechtsanwalt Stefan Winheller, der sich auf Stiftungsrecht spezialisiert hat. Denn ist ein Unternehmen erst einmal in eine Stiftung eingebracht, kann es nicht mehr zwischen den Erben aufgeteilt werden. "Die Stiftung gehört nur sich selbst", sagt Winheller. Wie die Erben daran partizipieren, sei einzig eine Frage der Satzung.
Stiftungsboom seit den 90ern
Immer mehr Unternehmer haben diese Form der Erbschaftsregelung für sich entdeckt, sodass es in den vergangenen Jahren zu einem wahren Stiftungsboom gekommen ist. Wurden zwischen 1990 und 1999 in ganz Deutschland noch 3651 Stiftungen gegründet, waren es im darauf folgenden Jahrzehnt bereits 8767. Allein 2009 wurden laut Bundesverband Deutscher Stiftungen in ganz Deutschland über 900 neue Stiftungen ins Leben gerufen. Der überwiegende Großteil von Unternehmern, die eine langfristige und harmonische Erbregelung finden wollten.
Die Unternehmer schätzen darüber hinaus, dass die Rechtsform der Stiftung ihnen viel Spielraum dafür lässt, wie sie das Vermögen verteilen. Das Vermögen kann ganz oder auch nur teilweise einem sozialen Zweck zugeführt werden. Widmet sich die Stiftung ausschließlich einem sozialen Zweck und kommt ihr das gesamte gestiftete Vermögen zugute, handelt es sich um eine gemeinnützige Stiftung. "Sie ist erbschaftssteuerfrei", sagt Winheller.
Beispielhaft für ein solches Engagement ist die von Reinhold und Carmen Würth gegründete gleichnamige Stiftung. Mit einem eingebrachten Vermögen von derzeit 5 Mio. Euro wird unter anderem die Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau gefördert. Darüber hinaus vergibt die Stiftung gut dotierte Preise und Stipendien an Künstler.
Gleichzeitig Familienabsicherung
Ein Großteil der neu gegründeten Stiftungen ist allerdings nicht ausschließlich gemeinnützig. Viele verfolgen gleich zwei Ziele. Zum einen soll die Familie finanziell abgesichert, zum anderen das soziale Engagement des Stifters berücksichtigt werden. Möglich macht das eine sogenannte Doppelstiftung. Der Unternehmer gründet zwei rechtsfähige Stiftungen: eine Familienstiftung, die die Interessen der Familie wahren soll, und eine gemeinnützige Stiftung.
Quelle: ftd.de
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