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15.12.2011

Verbundausbildung: Wanderlehrlinge

Von: Marcus Pfeil
Auszubildende in einer Werkstatt
Zoom Auszubildende in einer Werkstatt
© Andreas Chudowski
Aufwendig, bürokratisch, teuer: Viele Unternehmen scheuen sich, Lehrlinge auszubilden - obwohl sie eigentlich welche brauchen. Einfacher wird es, wenn sie sich zusammentun.

Abgewetzte Schraubstöcke an 96 Werk­bänken, der Geruch von Maschinenöl hängt in der Luft, das Surren der Feilen mischt sich mit den schrillen Fräsmaschinen zum Sound der Betriebsamkeit. Doch etwas passt nicht: Die Menschen, die hier in einer ABB-Fabrikhalle werkeln, gehören gar nicht zu ABB. Die computergesteuerten CNC-Präzisionsmaschinen bedienen gerade sechs Mitarbeiter von Bombardier, auf den Blaumännern der Zerspanungs­mechaniker prangt das ­Logo der Firma Alstom. Und in Schweißkabine vier streift sich eine junge Frau schwere Rindslederstiefel über ihre Turnschuhe. Auf ihrer Latzhose ist das Logo der Korsch AG zu lesen.

Die 22-jährige Ricarda Baberschke lässt sich hier im Training Center von ABB zur Industriemechanikerin ausbilden, obwohl sie Lehrling bei Korsch ist, dem weltweit führenden Hersteller von Tablettenpressen. "Schweißen hätte ich sonst nie gelernt", sagt sie. Ein entscheidender Ausbildungsinhalt hätte ihr gefehlt, auch wenn sie auf die verbrannten Finger am Anfang gern verzichtet hätte.

Baberschke lernt bei Korsch, und sie lernt bei ABB, sie absolviert in beiden Betrieben eine ­sogenannte Verbundausbildung. Korsch hat sie eingestellt, und Korsch zahlt ihr Lehrlings­gehalt. Korsch bezahlt aber auch ABB für den Teil der Ausbildung, den die junge Frau in der Fabrikhalle im Pankowpark im Berliner Norden absolviert. So haben es beide Unternehmen vertraglich vereinbart. Beide haben einen Vorteil davon: Die Korsch AG, mit ihren 80 Mitarbeitern ein klassischer Mittelständler, muss für die Azubis keine eigenen Mitarbeiter abstellen, und für den Mischkonzern ABB sind die Einnahmen durch die Verbundausbildung im eigenen Training Center eine nette Zusatzeinnahme.

Gemeinsam mit anderen auszubilden, wenn man allein nicht kann oder will, hat sich in vielen Branchen ­etabliert. Es gibt Berater, Musterverträge und staatliche Förderung. Nicht jeder Mittelständler nutzt aber die Chancen, die ­dieses Modell birgt. Vor sechs Jahren hat das Bildungsministerium den "Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs" geschlossen, nachdem die Zahl der Ausbildungsplätze in Deutschland allein zwischen 1999 und 2003 um 53000 zurückgegangen war.

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