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24.11.2010

Werbung durch Mundpropaganda: Die reden über uns!


Zoom 
Was Kunden sagen, kann über Erfolg oder Pleite entscheiden. Doch viele Unternehmer scheuen die Massen – statt sie als Werbeträger einzuspannen.

Das hätte man Peter von Frosta nicht zugetraut: Normalerweise brutzelt er im Werbefernsehen Tiefkühlgerichte, korrekt gekleidet mit weißer Schürze, dauerlächelnd. Unermüdlich zählt er auf, welche frischen Zutaten beim Lebensmittelhersteller Frosta in die Pfanne kommen, frischer Fisch, knackiges Gemüse. Diesmal sagt er plötzlich: "Der Fisch ist so frisch, wie ich geil bin", stürzt sich erst in die Küche einer Kundin, dann auf deren Brüste. Sie reißt sich den Pulli vom Leib, schreit: "Mehr Fisch, Peter!" Lüstern werfen sich die beiden zu Boden, schmeißen dabei die sperrige Küchentheke um, kugeln sich über das Schlachtfeld, mal ist er oben, mal sie. Eine Blumenvase geht zu Bruch. Salz und Pfeffer kullern über den Boden. Und dann der Abspann: "Frosta ist für alle da." Der Spot wurde fürs Internet gedreht. Fast 300.000 Personen haben ihn gesehen, Hunderte ihn weitergeleitet und kommentiert.

So sollte Werbung immer sein. (fischladen)

Wie geil ist das denn? (Atalon)

Sexy Peter *schnurrr*. (Lara CookieStar)

Ständig kommen neue Kommentare hinzu. Dabei kursiert der Film seit zwei Jahren im Netz. "Aber die Leute reden noch immer und vor allem immer wieder darüber", sagt Felix Ahlers, Vorstand für Marketing und Vertrieb bei dem Familienunternehmen aus Bremerhaven. Frosta muss nichts dafür bezahlen. Bei Youtube und anderen Internetportalen kann jeder kostenlos Filme einstellen. "Wir haben den Clip parallel zu einem Fernsehspot gedreht. Ich sagte den Schauspielern: Improvisiert doch mal, und das kam dabei raus", berichtet Ahlers. Der Film war so erfolgreich, dass ihn Ahlers sogar kurz im Fernsehen zeigte, hauptsächlich im Spätprogramm. Seitdem produziert Frosta zu jedem TV-Spot eine frechere Internetversion. "Man muss schon auf den Putz hauen, sonst leitet ja keiner das Video weiter." Beliebt ist auch die Schildkröte, die einen Wok besteigt. Immer wieder bewegt sie sich auf und ab. Dann folgt der Slogan: "Bock auf Wok?" "Manche finden Sexszenen total daneben", sagt Ahlers. "Aber wir wurden dadurch definitiv zum Gesprächsthema."

Wie sich die Botschaft verbreitetet

Gründerin Bianca Wegner kann oft verfolgen, wie Kunden zu ihr kommen. Noch ist ihr Geschäft überschaubar. Im Juli eröffnete die 29-Jährige die Massagepraxis Energieeinheit in einem Wohnhaus in Berlin. „Laufkundschaft findet mich hier nicht“, sagt sie. Deswegen verschickte sie zunächst Dutzende Mails an Bekannte, bot ihnen und ihren Freunden an, die erste Massage für den halben Preis zu erhalten – mit Erfolg. Regelmäßig verteilt Wegner Flyer an Freunde, die diese an Kollegen und Bekannte weiterreichen. Oft kommen Kunden über mehrere Ecken. Neulich erzählte Wegners Schwester im Büro von der Massagepraxis, eine Kollegin hörte zu und berichtete wiederum ihrer Schwester davon. Die lebt in München, kam also nicht als Kundin infrage. Aber sie suchte gerade ein Geschenk für eine Freundin in Berlin. Und so kaufte sie einen Gutschein. Die Zahl der Buchungen steigt stetig. „Jetzt kommt es schon vor, dass ich die Empfehler gar nicht mehr kenne", sagt Wegner. "Wenn das so weitergeht, kann ich in ein paar Monaten von meinen Massagen leben."

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