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13.12.2010

Wolfgang Joop: Feinripp statt Haute Couture

Von: Georgia Hädicke
Modedesigner Wolfgang Joop will Schiesser retten
Zoom Modedesigner Wolfgang Joop will Schiesser retten
© AP
Er war eine Ikone der Modebranche. Dann verkaufte Stardesigner Wolfgang Joop erst seinen Namen, dann sein Unternehmen. Mit seiner neuen Marke Wunderkind kann er an frühere Erfolge nicht heranreichen. Nun will er bei Schiesser den nächsten Anlauf wagen - mit Unterwäsche.

Wolfgang Joop geht gern ganz nah ran. Ein Slip und ein betörender Duft hätten einiges gemeinsam, befindet der Modedesigner, wenn man ihn auf seine kürzlich erwachte Begeisterung für BHs und Baumwollhemdchen anspricht. "Mit Unterwäsche und Parfüm geht man dem Menschen direkt an die Haut", sagt der 66-Jährige. "Dadurch entsteht eine große Nähe und Intimität."

Mit einem Duft hat Joop in den 80er-Jahren die Basis für seinen Erfolg geschaffen, jetzt kann er es kaum erwarten, Deutschland an die Wäsche zu gehen. Im kommenden Jahr soll er den Börsengang des insolventen Wäschefabrikanten Schiesser begleiten. Er will auf Roadshows mit Investoren sprechen, er will beraten, eventuell eine eigene Kollektion entwerfen und, so sagt er, zehn Prozent der Firmenanteile übernehmen. "Für mich ist das ein ganz neuer Sprung", sagt Joop im Gespräch mit der Financial Times Deutschland. "Anders als bei Designerkleidung ist ja das Merkmal von Unterwäsche, dass man sie möglichst wenig sehen oder spüren soll."

Sichtbar sein soll vor allem Joop selbst. In der deutschen Öffentlichkeit ist er bekannt wie kein Zweiter seines Fachs, obwohl er mit der gleichnamigen Marke schon seit Jahren nichts mehr zu tun hat. Mit ihm als Galionsfigur, so die Hoffnung von Schiessers Insolvenzverwalter Volker Grub, wird ein Hauch von Glamour künftig auch die Feinrippfasern umwehen. Und der Umsatz, der 2009 82,6 Mio. Euro betrug, soll so wieder steigen.

Joop habe Gefallen an dem Gedanken gefunden, wieder Unternehmer zu sein, heißt es in Gläubigerkreisen. Mancher Branchenkenner vermutet hinter dem Schiesser-Coup dagegen nicht mehr als einen "Aufmerksamkeitsgag". Was will ein High-Fashion-Designer schon bei einem Unterwäschefabrikanten? Aus einem Massenprodukt etwas Einzigartiges machen, sagt Joop.

Vor Beginn seiner Karriere finanzierte sich der spätere Stardesigner sein Studium mit dem Restaurieren verblasster Gemälde. Heute ist die Aufgabe um einiges größer und doch ganz ähnlich: Er muss eine über die Jahrzehnte verblasste Traditionsmarke wieder ansehnlich machen. "An dem eigentlichen Produkt will ich wenig ändern, das ist gut, so wie es ist." Aus seiner Sicht muss vor allem das Marketing stärker werden - durch seine Person. Mit konkreten Änderungsvorschlägen hält Joop sich aber noch zurück: "Ich will erst mal sicher mit beiden Füßen landen", sagt er.

Der steile Aufstieg des Wolfgang Joop beginnt in den 80er-Jahren. Zuvor war der junge Modedesigner vor allem Insidern ein Begriff, doch dann trifft er den Mann, der ihm zum internationalen Durchbruch verhelfen wird: Herbert Frommen. Der damalige Chef des Duft- und Kosmetikherstellers Lancaster überzeugt ihn, ein Parfüm unter dem Namen Joop herauszubringen. Innerhalb weniger Monate bricht der neue Duft alle Rekorde, bringt mehr als 10 Mio. D-Mark Umsatz ein. Es ist der Beginn einer ebenso erfolgreichen wie spannungsgeladenen Partnerschaft.

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