Management Channel & Pior: Achtung, Plagiate!

Screenshot der Webseite www. plagiate-shop.de: Sie ist Teil einer großen Informationskampagne gegen Produkpiraterie.

Screenshot der Webseite www. plagiate-shop.de: Sie ist Teil einer großen Informationskampagne gegen Produkpiraterie.© Screenshot der Webseite www. plagiate-shop.de

Produktfälschungen verursachen in deutschen Unternehmen jährlich einen Schaden von geschätzt 50 Milliarden Euro. Mit einer ungewöhnlichen Aktion und einem eigenen Online-Shop wollen renommierte Markenhersteller nun gegen die Plagiate kämpfen.

Auf den ersten Blick sieht die Webseite aus wie ein richtiger Online-Shop. Zu kaufen gibt es eine exklusive Designer-Tasche für 299,00 Euro, einen hochwertigen Kugelschreiber oder Porzellan-Teller mit dem bekannten Logo der Porzellan-Manufaktur Meissen.

Wer jedoch genauer hinschaut, dürfte stutzig werden. Denn unter der Tasche von „Channel“ steht: „Stilechte Fälschung“ und „echtes Kunstleder“. Der Kugelschreiber wird mit einer „Kappe mit Drehverschleiß“ angepriesen – und ist aus „füllfederleichtem Plastik“. Und der Porzellanteller von „Meisen“ hat laut Produktbeschreibung auf der Webseite einen „durchbrochenen Rand“.

Anzeige

Seit Mittwochmittag ist die Webseite am Start. Wer dort jedoch einen der Artikel kaufen will, erfährt den Grund für die ungewöhnlichen Produktbezeichnungen: Sie sind Plagiate und Teil einer groß angelegten Kampagne deutscher und internationaler Markenhersteller gegen Produktpiraterie.

Plagiate im eigenen Online-Shop

„Die Kampagne soll polarisieren und einen Einstellungswandel bei den Verbrauchern im Hinblick auf Produktplagiate bewirken“, sagt Clemens Pflanz, Vorsitzender des Unternehmerverbands Meisterkreis, der hinter der Kampagne steht. Insgesamt ein Dutzend Unternehmen beteiligen sich derzeit an der Kampagne, darunter die Porzellan-Manufaktur Meissen, der Schreibgeräte-Hersteller Faber-Castell, der Kamerahersteller Leica und das Pariser Modehaus Chanel. Auch die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries unterstützt die Aktion. Gefälschte Waren gefährdeten die Innovationsfähigkeit der Unternehmen und Arbeitsplätze, sagte sie zum Start der Kampagne.

Für die Kampagne sicherte sich der Verband eigens die Marke „Plagiate“ und rief die Webseite www.plagiate-shop.de ins Leben. Auf den Webseiten der Modezeitschriften „Glamour“ oder „Myself“ wird nun auf Bannern mit Riesen-Rabatten für Plagiate geworben: „Jetzt 99,9 Prozent günstiger“, heißt es dort. Darunter steht: Plagiate, und in roter Farbe: „Zum Online-Shop“. Nach dem Klick auf die Produkte dort erscheint jedoch eine schwarze Seite mit einer kurzen Erklärung und einem Link zu Hintergrundinformationen des Verbands über Plagiate.

Produktpiraterie verursacht allein in Deutschland jährlich einen Schaden von geschätzt 50 Milliarden Euro. Und der Handel mit gefälschten Produkten nimmt ständig zu. Der Zoll hat in den letzten beiden Jahren mehr als 50 Prozent mehr Plagiate an den Grenzen beschlagnahmt – im Wert von knapp 150 Millionen Euro. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Experten gehen davon aus, dass die vom Zoll entdeckten Waren nur ein Prozent der gehandelten Produkt-Plagiate ausmachen.

Verbraucher kokettieren mit Plagiaten

Das Problem: Viele Verbraucher sehen im Kauf von Plagiaten kein Problem. Laut einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young betrachten die meisten Konsumenten in Deutschland Produktfälschungen als Kavaliersdelikt. 65 Prozent der Verbraucher haben schon einmal Plagiate gekauft, fast die Hälfte sogar ganz bewusst.

„Alarmierend ist, dass das Problem heute inzwischen sogar von bildungsnahen Schichten und Meinungsbildner ignoriert wird – oder sie sogar damit kokettierten, wenn sie ein günstiges Plagiat-Schnäppchen gemacht haben“, sagt Pflanz. „Wir können noch zehnmal sagen, wie hoch der Schaden durch Produktpiraterie jährlich ist. Das sind abstrakte Zahlen. Deshalb müssen wir das wie mit der neuen Webseite an ganz konkreten Beispielen deutlich machen.“

Und das zeigt bereits erste Wirkungen: „Wir haben am Mittwoch schon drei erboste Anfragen von Konsumenten bekommen, die sich darüber beschwerten, dass sie die im Online-Shop angebotenen Produkte nicht kaufen könnten“, erzählt Pflanz. Die will der Verband jetzt nicht mehr vom Haken lassen.
 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.