Management Alles im Fluss: Das Feng-Shui-Büro

Bessere Kommunikation unter den Kollegen, schnelleres Arbeiten. Das sind die Vorteile des Großraums. Doch wie teilt man die Fläche optimal auf? impulse stellt unterschiedliche Konzepte vor.

Djuro Ninic ist überzeugt, das Richtige zu tun. „Wir spüren, dass sich etwas verbessert“, sagt der Inhaber der Vermögensverwaltung Ginkgo Vermögensschöpfung in Stuttgart. Grund des Wandels: Ninic und seine vier Mitarbeiter beziehen gerade ein neues Büro. Und das lässt er nach der chinesischen Feng-Shui-Lehre einrichten. In den Ecken stehen Pflanzen, um die negative Energie zu brechen, positive Kräfte dagegen sollen durch die Anordnung der Schreibtische optimal fließen, Mauerkanten lässt Ninic mit hellen Streifen anstreichen, um sie energetisch abzurunden. „Alles hat eine Resonanz“, sagt er. Ihm ist egal, dass sich die Wirksamkeit wissenschaftlich nicht nachweisen lässt. Offene, helle Räume mit vielen Pflanzen seien auf jeden Fall gut fürs Arbeitsklima – „egal, welche Philosophie dahintersteckt“, sagt Ninic.

Ninic hat zwar weiterhin ein Chefzimmer, dazu kommt aber auch eine 45 Quadratmeter große, offene Fläche. Solche Großraumbüros sind flexibel nutzbar und geben Möglichkeiten für individuelle Einrichtungen. „Es ist bei Bestandsimmobilien inzwischen die Regel, dass Vermieter offene Flächen präsentieren, die der Mieter dann aufteilen kann, wie er will“, sagt Christian Olbrich, Büroexperte aus Düsseldorf.

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Stress durch hohen Geräuschpegel

Olbrich ist einer von drei Planern, die exklusiv für impulse einen Großraum für ein kleines Musterunternehmen gestaltet haben. Die Aufgabe: Auf gut 200 Quadratmetern soll eine kleine Handelsfirma Platz finden, der Inhaber und seine zehn Mitarbeiter. Olbrich konzipierte ein klassisches Büro, in dem jeder seinen Platz hat, sowie einen Open Space ohne feste Sitzordnung. Der ös­terreichische Experte Thomas Janics plante ein Lean Office. Und Sabine Endres aus Schwieberdingen bei Ludwigsburg kreierte ein Feng-Shui-Büro.

Angenehm und effizient soll die Arbeit sein. Das gelingt jedoch nur, wenn ein Kernproblem des Großraums behoben wird: Lärm. Margot Boesl, Mitglied der Geschäftsleitung der Software-Firma Adito aus Geisenhausen bei München, kennt den Stress, den ein zu hoher Geräuschpegel verursacht.

Lange saß sie mit 20 Kollegen zusammen in einem zweistöckigen, offenen Bürogebäude. „Das war eindeutig zu laut.“ Inzwischen hat man bei Adito die Vorteile von Trennwänden und Open Space miteinander kombiniert. 58 Mitarbeiter sind in Geisenhausen auf fünf Räume verteilt, dazwischen Glaswände. Schalldämmende Lochdecken und spezielle Bodenbeläge reduzieren die Lärmbelastung. Außerdem gibt es Ausweichräume, falls jemand telefonieren oder konzentriert arbeiten muss. „Nun sind alle sehr zufrieden“, sagt Boesl.

 

 
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Das Feng-Shui-Büro
Hier dreht sich alles um die Lebensenergie „Chi“. Sie darf nicht abfließen, und nichts soll die Kraft blockieren. Wichtig sind viele Pflanzen, Licht, Luft – und die Himmelsrichtungen.

 

Was soll das?
Laut der chinesischen Feng-Shui-Philosophie sollten Menschen ihre Wohn- und Arbeitsräume so gestalten, dass die Lebensenergie, das „Chi“, harmonisch fließt. „In China gibt es kein Bürohaus ohne Feng Shui“, sagt Sabine Endres, die Unternehmen nach der Feng-Shui-Lehre berät. Ihr Ziel: „Die Mitarbeiter sollen 100 Prozent ihrer Energie in die Arbeit stecken können.“

 

Wer sitzt wo?
Die Planerin bestimmt den Punkt im Raum mit der meisten Energie. „In der Nähe sollte die Geschäftsführung sitzen“, erklärt Endres (Bereich im Entwurf: hellrot). Dann teilt sie den Raum in die sogenannten Bagua-Zonen ein, nach der Himmelsrichtung. Im Südosten sind die „aufwärtsstrebenden Kräfte“ zu Hause, hier würde Endres den Einkauf platzieren (dunkelrot): „Denn da wird bei einem Händler das Geld verdient.“ Die Buchhaltung sitzt im energetisch schwachen Norden (pink).

Drucker und Archiv sind in der Nähe der Toiletten platziert. „Das sind energieabziehende Orte“, sagt Endres. Weil auch Ecken Energie saugen, sitzt der Prokurist schräg zum Raum (violett). In der Raummitte, wo die Energie entspringt, könnte eine Vitrine mit den Firmenprodukten stehen.

 

Spezielle Möbel?
Es gibt spezielle Feng-Shui-Möbel. Wichtiger aber sind Pflanzen und die Position der Möbel: „Das bringt Energie“, sagt Beraterin Endres.

 

Für wen?
Im Prinzip für jeden Betrieb. Selbst wer nicht an das „Chi“ glaubt, bekommt immerhin ein lichtes Büro mit vielen Pflanzen, in dem sich die Mitarbeiter wohlfühlen dürften.

 
 
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