Management So werden Sie ein attraktiver Arbeitgeber

Einen roten Teppich müssen Sie Ihren Angestellten nicht ausrollen. Ob Mitarbeiter Ihre Firma für einen attraktiven Arbeitgeber halten, hängt von ganz anderen Faktoren ab.

Einen roten Teppich müssen Sie Ihren Angestellten nicht ausrollen. Ob Mitarbeiter Ihre Firma für einen attraktiven Arbeitgeber halten, hängt von ganz anderen Faktoren ab. © Claudio Divizia / Fotolia.com

Sie wollen, dass Ihre Mitarbeiter stolz darauf sind, bei Ihnen zu arbeiten? Was attraktive Arbeitgeber ausmacht - und wie Sie es schaffen, dass Ihre Leute sich mit Ihrem Unternehmen identifizieren.

So viele offene Stellen wie heute gab es noch nie: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat die Arbeitskräftenachfrage im Juli saisonbereinigt ein neues Allzeithoch erreicht. Für Arbeitgeber bedeutet das: Wer Fachkräfte für sich gewinnen und dauerhaft halten will, zumal fähige, muss ihnen etwas bieten.

Worauf aber legen Männer und Frauen bei einem Arbeitgeber Wert? Dieser Frage ging die so genannte „Top Job“-Trendstudie auf den Grund. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig das Thema für Chefs ist, die ihre besten Mitarbeiter binden wollen: Bei attraktiven Arbeitgebern lag die Kündigungsabsicht der Mitarbeiter 19 Prozent niedriger als bei Arbeitgebern, die von ihrer Belegschaft als unattraktiv einstuft wurden. Mit anderen Worten: Wer sich nicht mit seinem Arbeitgeber identifiziert, ist eher bereit zu kündigen.

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Insbesondere für Frauen ist es offenbar entscheidend, dass sie sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren können – sonst fühlen sie sich schnell ausgebrannt und erschöpft. Erleben Frauen ihren Arbeitgeber als unattraktiv, sind sie schneller bereit zu kündigen.

Aus den weiteren Ergebnissen der Studie haben wir Tipps für Arbeitgeber abgeleitet.

Ermutigen Sie zum Experimentieren.

Wir gehen neue Wege. Wir experimentieren. Bei uns darf auch mal was schief gehen. Wer seinen Mitarbeitern dieses Gefühl vermittelt, macht sich selbst zum attraktiven Arbeitgeber.

„Internes Unternehmertum“, so bezeichnen es die Macher der Studie, wenn das Management die Mitarbeiter ermutigt, neue Ideen zu entwickeln. Unternehmen, bei denen dieser Wert stark ausgeprägt war, erreichten auch bei der Arbeitgeberattraktivität 30 Prozent höhere Werte.

Damit diese Strategie Erfolg hat, sollte der Arbeitgeber die Ideen aber nicht nur einsammeln, sondern auch deren Umsetzung prüfen und vorantreiben – und den Mitarbeiter regelmäßig darüber informieren, was aus ihren Ideen wurde. Sonst kann die gute Stimmung schnell ins Gegenteil umschlagen.

Hüten Sie sich vor der Beschleunigungsfalle.

Abwechslungsreiche Tätigkeiten wünschen sich wohl die meisten Mitarbeiter. Doch zu viel des Guten kann auch schädlich wirken: etwa wenn Mitarbeiter zu viele Aufgaben in zu kurzer Zeit bewältigen sollen, zu viele verschiedene Aufgaben haben oder dauerhaft überlastet sind. Diese so genannte „Beschleunigungsfalle“ wurde als besonders zerstörerisch identifiziert: Arbeitgeber, deren Mitarbeiter sich in der Beschleunigungsfalle gefangen fühlten, erreichten bei der Arbeitgeberattraktivität 24 Prozent niedrigere Werte.

Als Gegenmaßnahme schlagen die Macher der Studie einen „Frühjahrsputz“ vor: Chefs sollten einmal im Jahr alle Projekte im Unternehmen auf den Prüfstand stellen und weniger wichtige gemeinsam mit den Mitarbeitern beerdigen. Bevor neue Projekte angestoßen werden, sollte man stets prüfen, ob genug Ressourcen zur Verfügung stehen.

Ermöglichen Sie selbstbestimmtes Arbeiten.

Keine Entscheidung ohne Erlaubnis des Vorgesetzten? Viele Chefs wollen am liebsten alles selbst entscheiden. Doch diesen Wunsch sollten Sie unterdrücken: Unternehmen mit ausgeprägten und starren Hierarchien gelten bei der eigenen Belegschaft als wenig attraktiv.

Schaffen Sie daher Handlungs- und Entscheidungsfreiräume für Ihre Mitarbeiter. Wer bei einigen Themen selbstbestimmt mitentscheiden darf, ist zudem eher bereit, unbequeme Entscheidungen der Chefetage zu akzeptieren.

Machen Sie Grabenkämpfen ein Ende.

Wenn Ihre Mitarbeiter gegeneinander arbeiten statt miteinander, ist das nicht nur schlecht für die Stimmung im Unternehmen, sondern macht Ihre Firma auch weniger attraktiv: Unternehmen mit viel „korrosiver Energie“ erreichten in der Topjob-Studie 19 Prozent niedrigere Werte bei der Arbeitgeberattraktivität.

Kluge Chefs fördern daher den Austausch zwischen Abteilungen, so dass ein Verständnis für die Arbeit der anderen entstehen kann. Wer Mitarbeiter regelmäßig über die Entwicklung des Unternehmens informiert, entzieht außerdem Gerüchten den Nährboden.

Seien Sie berechenbar.

Gilt auch in Ihrem Unternehmen das Herbert-Grönemeyer-Zitat „Bleibt alles anders“? Das könnte negative Folgen haben: Ständige Veränderungen, vor allem häufige Führungswechsel überfordern die Mitarbeiter. Sie wünschen sich Beständigkeit, Berechenbarkeit und eine klare Zukunftsperspektive.

Fehlt ihnen das, ziehen sie sich zurück, resignieren, finden ihren eigenen Arbeitgeber weniger attraktiv. Gegensteuern lässt sich, indem man die Mitarbeiter über die Pläne der Geschäftsleitung informiert.

Sorgen Sie für Abwechslung.

Immer nur Vollgas – das führt direkt in den Burnout. Sind aber die Mitarbeiter dauerhaft unterfordert, ist das auch nicht besser. Gute Chefs sorgen daher dafür, dass sich Phasen der Hochleistung und Phasen der Entspannung abwechseln – die Macher der Studie sprechen von „produktiver“ und „angenehmer Energie“.

Die Topjob-Empfehlungen: erfolgreiche Projekte feiern, außergewöhnliches Engagement loben und gemeinsam Erreichtes Revue passieren lassen.


Die Topjob-Studie: Im Auftrag des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität hat das Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen die Befragungsergebnisse von 16.274 Führungskräften und Mitarbeitern aus 96 Unternehmen ausgewertet.

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