Management Atypisch und doch ganz normal: Arbeitsalltag für Millionen Deutsche

Flexible Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Zeitarbeit, geringfügige oder befristete Beschäftigung haben als moderne Instrumente des Personaleinsatzes an Bedeutung gewonnen.

Flexible Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Zeitarbeit, geringfügige oder befristete Beschäftigung haben als moderne Instrumente des Personaleinsatzes an Bedeutung gewonnen.© nikolarakic - Fotolia.com

Minijobs und Zeitarbeit sind in Deutschland weiter rückläufig. Ist das gut oder schlecht? Die Meinungen über das Für und Wider solcher Arbeitsverhältnisse klaffen zum Teil weit auseinander.

Für Millionen Menschen in Deutschland ist es ihr Arbeitsalltag: Sie sitzen für monatlich 450 Euro an der Supermarktkasse, teilen sich im Büro eine Stelle mit einer Kollegin, hoffen als Berufseinsteiger auf den ersten unbefristeten Vertrag. Sie alle zählen zur Gruppe der „atypisch“ Beschäftigten. Diese Flexibilität, die Arbeitgeber beim Einsatz von Personal schätzen, ist manchem Gewerkschafter ein Graus.

„Flexible Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Zeitarbeit, geringfügige oder befristete Beschäftigung haben als moderne Instrumente des Personaleinsatzes an Bedeutung gewonnen.

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Insbesondere die Zeitarbeit hat vielen Arbeitslosen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt geebnet“, erklärt der Arbeitgeberverband BDA auf seiner Internetseite. „Dennoch werden flexible Beschäftigungsverhältnisse oft als „atypisch“ oder „prekär“ diffamiert.“

Weniger atypisch Beschäftigte

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom Mittwoch zählte 2013 gut jeder fünfte Erwerbstätige in Deutschland (21,4 Prozent) zur Gruppe der atypisch Beschäftigten. Die Zahl bezieht sich auf die sogenannten Kernerwerbstätigen: 35,6 Millionen 15- bis 64-Jährige, die sich zum Stichtag nicht in Bildung oder Ausbildung befanden.

Lag der Anteil an der atypisch Beschäftigten an dieser Gesamtzahl der Erwerbstätigen 1991 noch bei 12,8 Prozent, stieg er bis 2010 stetig an auf 22,6 Prozent. Seitdem nimmt der Anteil schrittweise wieder ab. In absoluten Zahlen sank die Zahl der atypisch Beschäftigten von 2012 auf 2013 um 71.000 auf 7,64 Millionen.

„Wir sehen keine Trendwende“, kommentiert die Sprecherin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Marion Knappe. „Wenn die Konjunktur halbwegs gut läuft, geht atypische Beschäftigung immer zurück. Das ist immer noch auf hohem Niveau.“ Die DGB-Vertreterin betont: „Dramatisch ist, dass sehr viele Frauen atypisch beschäftigt sind. Teilzeit sollte eine Möglichkeit sein und keine Falle. Für viele Frauen wird sie aber zur Falle.“

Über 30 Prozent der Frauen sind atypisch beschäftigt

Die Statistik des Bundesamtes bestätigt: Vor allem Frauen finden sich oft in solchen Beschäftigungsverhältnissen. Während im vergangenen Jahr 11,7 Prozent der erwerbstätigen Männer atypisch beschäftigt waren, lag der Anteil bei den Frauen bei 32,5 Prozent. Das sind etwa Mütter, die keine Nachmittagsbetreuung für ihre Kinder haben.

„Solange das ein Recht auf Teilzeit ist, haben wir nichts dagegen“, sagt Knappe. „Aber wenn es unfreiwillig wird und zum Beispiel viele Mini-Jobs genutzt werden, um einen großen Job zu ersetzen, wird es problematisch.“

Entstehen durch atypische Beschäftigung neue Jobs?

Der Arbeitsmarktforscher Hartmut Seifert, ehemaliger Leiter des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und heute Berater des WSI, bekräftigt: „Es ist bislang empirisch nicht nachgewiesen, dass durch atypische Beschäftigung neuen Jobs entstanden sind.“ Stattdessen teilten sich zum Beispiel mehrere Kassiererinnen jeweils auf 450-Euro-Basis eine reguläre Stelle.

Es sei, eine gute Nachricht, dass Arbeitssuchende nicht mehr im gleichen Maße wie vor einigen Jahren gezwungen seien, „Arbeitsverhältnisse anzunehmen, die schlechte Arbeitsbedingungen beinhalten“, meint Seifert. Leiharbeit zum Beispiel sei wegen Branchenzuschlägen – etwa in der Metallindustrie – für Unternehmen nicht mehr so attraktiv.

Befristete Verträge für junge Berufstätige

Bei anderen Themen sieht Seifert noch Nachbesserungsbedarf seitens der Politik: „Bei der Befristung von Beschäftigungsverhältnissen sollte man über Regulierung nachdenken. Es ist nicht gut, wenn gerade junge Leute zu einem hohen Anteil nur befristete Verträge bekommen.“

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dagegen warnt vor allzu vielen Schranken des Gesetzgebers: „Ob Berufsanfänger, die ihre Ausbildung nur mithilfe von Fördermaßnahmen geschafft haben, ob Wiedereinsteiger, die jahrelang nicht gearbeitet haben, oder ob Langzeitarbeitslose mit persönlichen Handicaps – alle diese Menschen sind auf einfache Jobs angewiesen“, heißt es in einer aktuellen IW-Publikation. „Und auch diese Arbeitsplätze müssen sich letztlich rechnen – denn sonst werden sie gar nicht erst angeboten.“

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