Management Auf nach Österreich: Wie der Sprung ins Nachbarland gelingen kann

Österreich bietet Unternehmern nicht nur schöne Landschaften.

Österreich bietet Unternehmern nicht nur schöne Landschaften.© arne.list/Flickr/Lizenz: CC BY-SA 2.0

Innerhalb von sechs Monaten schaffte das Logistikunternehmen Schäflein den Sprung nach Österreich – und will dort nun kräftig wachsen. Im impulse-Interview erklärt Firmenchef Achim Schäflein, wie die Expansion gelang, und was er anderen Unternehmen rät.

Herr Schäflein, Sie haben im Mai ein neues Logistikcenter im Salzburger Land eröffnet. Warum zieht es Sie nach Österreich?

Achim Schäflein: Wir arbeiten unter anderem als Dienstleister für Automobilzulieferer. Für diese Kunden ist es ganz wichtig, dass unsere Standorte in ihrer Umgebung sind. Die regionale Nähe ist in der Logistik ein wichtiges Entscheidungskriterium und oft auch zwingend notwendig. Wenn zwischen dem Werk und dem Logistikcenter große Distanzen liegen, ist es nicht möglich, die Produktion Just-in-Time mit Teilen und Material zu versorgen. Und einer unserer Kunden ist dort in Österreich.

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Den Ort Hallein kennen in Deutschland wahrscheinlich nur wenige. Warum sind Sie gerade dort hingegangen?

Zum einen, weil unser erster Kunde ebenfalls dort ist. Für ihn sind wir bisher schon in Deutschland an vielen Standorten tätig. Jetzt arbeiten wir mit ihm auch in Hallein bei Salzburg zusammen. Zum anderen ist der Standort für uns strategisch sehr wichtig. Der Ort liegt sehr günstig, weil über die Salzburger Schiene viele Waren nach Österreich transportiert werden, aber auch viele aus Österreich hinaus. Von dort aus wollen wir dann in andere Regionen in Österreich expandieren.

Für viele Unternehmen ist Österreich auch ein Sprungbrett nach Osteuropa. Spielt das bei Ihnen auch eine Rolle?

Mit unserem Standort bei Salzburg sind wir nicht direkt am Tor zu Osteuropa, sondern noch ein Stück weit weg. Aber das ist mit Sicherheit eine Option, die wir für die Zukunft sehen. Zunächst einmal wollen wie aber in Österreich selbst wachsen.

Gab es Hürden auf dem Weg nach Österreich? Was hat Ihnen Schwierigkeiten bereitet?

Direkte Schwierigkeiten hatten wir eigentlich keine. Das ging relativ reibungslos. Ein Problem war allerdings, ein passendes Mietobjekt für unser Logistikcenter zu finden, das auch Expansionsmöglichkeiten für weiteres Wachstum bietet. In Österreich findet man nur vereinzelt bestehende Hallen, die für Logistiker passen und die auch die Fläche, Höhe und notwendige Anzahl an Ladetoren bieten. In Deutschland ist das anders: Dort gibt es häufiger große Logistikcenter, in die man sich als Unternehmen einmieten kann. So etwas gibt es in Österreich aber oft gar nicht.

Wie lief die Zusammenarbeit mit Behörden?

Die Zusammenarbeit mit Behörden lief sehr sehr gut. Wir haben aber auch relativ frühzeitig auf Strukturen und Expertise vor Ort gesetzt haben. Wir haben einen Rechtsanwalt aus der Region ins Boot geholt, der uns vieles abgenommen hat. Außerdem haben wir dort einen Office-Dienstleister engagiert, der zum Beispiel die Personalabrechnung und die Buchhaltung macht. Der kennt sich mit den Gesetzen in Österreich aus und ist eng mit unserem Steuerbüro hier in Schweinfurt verzahnt. Der bereitet für uns auch die Buchhaltung so auf, dass wir sie hier in der Zentrale verarbeiten können. Das funktioniert sehr gut.

Was würden Sie anderen Mittelständlern empfehlen, die nach Österreich expandieren wollen?

Auf Dienstleister vor Ort zu setzen, die sich mit den Gesetzen und Strukturen auskennen. Die hatten wir dort relativ schnell zusammen.

Wie haben Sie passende Dienstleister gefunden?

Das ging zum einen über den Immobilienvermieter. Der hat uns sehr gute Kontakte vermittelt. Und auch unser Rechtsanwalt in Salzburg hat uns über sein Netzwerk Kontakte empfohlen – für die Buchhaltung, aber zum Beispiel auch den Energieversorger oder Telefonanbieter.

Wie haben Sie den Rechtsanwalt gefunden, mit dem Sie in Österreich zusammenarbeiten?

Durch unseren Anwalt hier in Deutschland. Der hat uns den Kontakt vermittelt.

Auf was kommt es noch an, wenn man nach Österreich expandieren will?

Auf eine gute Detailplanung. Wir hatten das wirklich extrem detailliert geplant. Viele Punkte, die in Deutschland kein Thema sind, mussten wir dort auf die Agenda nehmen. Wir haben dort jeden Projektschritt und alle gewohnten Annahmen noch einmal in Frage gestellt. Am Ende haben wir aber festgestellt, dass vieles in Österreich genauso ist wie bei uns in Deutschland. Aber es war alles extrem gut durchdacht. Wir mussten eigentlich nirgendwo gegenjustieren, sondern haben alle Meilensteine optimal erreicht. Für mich war dieses Projekt gefühlt ein sehr sehr schnelles Projekt – und auch von Anfang an ein sehr sehr erfolgreiches Projekt.

Würden Sie anderen Mittelständler also raten, es auch so zu machen?

Grundsätzlich ja. Aber das gilt für alle Themen, mit denen man sich erstmalig beschäftigt. Bei allen neuen Themen ist es natürlich viel stärker notwendig, die Planung detaillierter zu machen und die Meilensteine noch tiefer zu zerlegen – in Untermeilensteine und Aufgabenpakete. Meiner Meinung nach ist es viel besser, am Ende sagen zu können: „Wir haben viel mehr Energie reingesteckt und an viel mehr Stellen Punkte mit auf der Agenda gehabt, die nicht einmal ansatzweise ein Problem waren“, also zu sagen: „Hoppla, das hat mich jetzt völlig überrannt. Da sind Dinge hochgepoppt, an die ich nicht mal ansatzweise gedacht habe.“

Gibt es etwas, das Ihrer Erfahrung nach in Österreich deutlich anders läuft als in Deutschland?

Ja, in Österreich ist der persönliche Kontakt am Anfang viel wichtiger. Wenn ich hier in Deutschland einen Standort aufmachen möchte, zum Beispiel in Frankfurt, spreche ich per Telefon mit der Wirtschaftsförderung oder potenziellen Kunden und schreibe noch ein paar E-Mails. Aber dann habe ich hier schon einen sehr sehr hohen Verhandlungsgrad erreicht – ohne dass wir uns je Auge in Auge gegenüber gesessen haben. In Österreich geht das nicht. In Österreich ist der erste Schritt der persönliche Kontakt. Dort musst du die Leute persönlich kennengelernt haben, damit du eine Geschäftsbeziehung aufbauen kannst.

Das ist mir tatsächlich an allen Stellen aufgefallen. Du musst vor Ort sein, du musst vor Ort mit den Leuten sprechen, ihnen erklären wer du bist, was du machst und was du vorhast. Die Chemie und das Bauchgefühl müssen erst einmal stimmen. Ohne das ist es schwierig, ins Geschäft zu kommen.

 

Unser Gesprächspartner und sein Unternehmen

Der deutsche Unternehmer Achim Schäflein ist mit seiner Firma gerade nach Österreich expandiert: Im Mai eröffnete die Schäflein Logistics GmbH, ein Tochterunternehmen der Schäflein AG, einen neuen Standort in Hallein bei Salzburg. Das Unternehmen ist auf die Transport- und Lagerlogistik spezialisiert und beschäftigt an mehr als 23 Standorten derzeit insgesamt 800 Mitarbeiter. 2013 hat das Familienunternehmen einen Umsatz von 100 Millionen Euro erwirtschaftet. In diesem Jahr soll die Mitarbeiterzahl auf 1000 aufgestockt werden. Auch in Deutschland sollen zwei weitere Standorte eröffnet werden. In Hallein in Österreich arbeiten derzeit etwa 30 Mitarbeiter. In den nächsten fünf Jahren sollen in Österreich drei weitere Standorte dazukommen.

 

Zehn Österreich-Fakten, die Unternehmer kennen sollten

• Einwohnerzahl: 8,5 Millionen• Wirtschaftswachstum: 1,7 % (Prognose 2014), 0,4 % (2013), 0,9 % (2012)

• Arbeitslosenquote: 4,9 Prozent (2013)

• Unternehmensgründungen 2013: 36.947

• Exportquote: 40 Prozent

• 99 Prozent der Unternehmen, die in Österreich operieren, sind mittelständisch

• Deutsche Unternehmen stellen die größte Investorengruppe in Österreich

• die Direktinvestitionen aus Deutschland haben sich in Österreich seit dem Jahr 1990 (3,2 Milliarden Euro) mehr als verzehnfacht (heute: 40,5 Milliarden Euro)

• Insgesamt sind per Juni 2014 rund 8.450 deutsche Unternehmen am Wirtschaftsstandort Österreich aktiv

• 34% der Unternehmen, die Österreich als Standort für ihre Osteuropa-Zentrale gewählt haben, stammt aus Deutschland
Mehr Informationen über Österreich finden Sie hier:

Deutsche Außenhandelskammer in Österreich
Wirtschaftskammer Österreich
ABA – Invest in Austria (Betriebsansiedlungsgesellschaft des österreichischen Wirtschaftsministeriums)

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