Management Besser nur die halbe Miete

Der Vergleich von Leasingangeboten lohnt sich

Der Vergleich von Leasingangeboten lohnt sich

Wer Computer und Software leasen möchte, sollte möglichst viele Angebote einholen. Worauf es beim Vergleich ankommt.

Tamara Haber macht aus ihrer Skepsis keinen Hehl. Sicherlich könne sie für ihre Kunden in einem gewissen Maß auch Service per Leasing finanzieren, sagt sie am Telefon. Doch mehr als 20 Prozent? Das sei einfach zu viel. „Diese Leistungen sind ja nicht wiederverwertbar“, erklärt die Vertriebsmitarbeiterin der Leasinggesellschaft Altaplan. Auf Deutsch: Es rechnet sich nicht. Am Tag drauf geht folgerichtig ein Leasing­angebot der Firma aus Grünstadt in der Pfalz ein, das nur die nackte Hard- und Software erfasst, Rechner und Programme. Installationen aber, die Einrichtung der Server oder eine Einweisung vor Ort, sind komplett ausgeklammert, obwohl Altaplan auch hierfür eine Offerte machen sollte.

Kurz vor Weihnachten hatten 22 führende Leasinggesellschaften in verdeckter Recherche Anfragen nach Angeboten für zwei unterschiedliche IT-Pakete erhalten: Zum einen war eine Basisausstattung für ein kleines Netzwerk zu finanzieren – mit Datenbankserver und elf Computern, Standard-Bürosoftware und eben jenen Dienstleistungen, die Anbieter wie Altaplan vor Schwierigkeiten stellte. Zum anderen – dazu passend, aber bei einem anderen Händler geordert – elf Lizenzen für eine Spezialsoftware zum Dokumentenmanagement, ebenfalls mit einem Anteil an Serviceleistungen für Installation und Schulung.

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9.000 Euro Preisunterschied

Das erste Ergebnis des impulse-IT-Leasing-Tests: Altaplan, eine Firma, die sich neben Nischen wie etwa Technik für Ärzte und Apotheker auch auf IT spezialisiert hat, war nicht das einzige Leasinghaus, das Schwierigkeiten mit der von impulse gestellten Aufgabe hatte. Nur die Hälfte der Anbieter schickte passende Offerten. Die anderen – ebenfalls Experten auf diesem Gebiet – strichen die Segel: Die Branchengrößen Siemens und Deutsche Leasing etwa wollten wie Altaplan allenfalls Teile der Dienstleistungen mit unter Vertrag nehmen. Ein Anbieter kalkulierte gar mit einem nicht nachvollziehbaren Warenpreis. Und die Unicredit, ein weiterer großer Spieler im Markt, bot statt eines Leasingvertrages bloß einen für den Kunden deutlich schlechteren Mietkaufvertrag an. Sechs Anfragen versandeten offenbar – sie blieben völlig unbeantwortet.

Zweites Ergebnis: Jene Angebote, die zurückkamen, für Leasinggüter im Gesamtwert von rund 54.000 Euro und Verträge mit der Standardlaufzeit von 36 Monaten, unterschieden sich teilweise um mehr als 9.000 Euro im Preis. Damit lagen, bezogen auf den Warenwert, mehr als 17 Prozent Differenz zwischen dem günstigsten Anbieter Grenke Leasing und den teuersten Angeboten, die für Hard- und Software von der LeasAG aus Fröndenberg im Sauerland kamen.

Die großen Preisunterschiede sind bemerkenswert, weil in dem zuletzt schrumpfenden IT-Leasingmarkt eigentlich ein Preiswettbewerb tobt, wie Praktiker berichten. Udo Dewein, Vorstandsvorsitzender des auf Angebotsvergleiche spezialisierten Beratungshauses Leasecontrol in Frankfurt am Main und seit vielen Jahren Begleiter der impulse-Tests, ist von dem Ergebnis dennoch wenig überrascht: „Auch wenn man davon ausgehen muss, dass im­mer wieder Anbieter versuchen, über den Preis in den Markt zu kommen, machen zugleich Konkurrenten mit schlechteren Preisen ebenfalls ihr Geschäft“, sagt Dewein. Der simple Grund: Kaum ein Kunde macht sich nach seinen Erfahrungen die Mühe, marktbreit Angebote einzuholen.

Ein Vergleich bereitet wenig Mühe

Dabei ist das mit recht wenig Aufwand zu machen, sagt Dewein: „Bei kleineren Summen ist IT-Leasing ein standardisiertes Massengeschäft. Dazu wird meist mit dem geringstmöglichen Aufwand direkt ein Angebot zurückgeschickt, ohne große Verhandlungen oder Nachfragerunden.“ Tatsächlich gingen auch beim impulse-Test sämtliche Offerten innerhalb einer Woche ein, Nachfragen oder gar Beratungsangebote blieben die Ausnahme. Die einzige echte Absage, die von der Düsseldorfer IKB Leasing eintraf, bestätigt den typischen Ablauf im Hintergrund: Mit dem internen Hinweis „bitte scoren“ versehen, einem Fachbegriff für die automatisierte Risikoprüfung, wanderte die Anfrage offensichtlich erst einmal ein paar Tage durchs Haus, bis schließlich ein Sachbearbeiter – ohne den Hinweis aus der E-Mail zu löschen – das negative Ergebnis mitteilte: Ein „Koeffizient“ sei überschritten worden, sodass man in diesem Fall leider nicht zur Ver­fügung stehe.

Test 1: Hardware mit Service
Gefragt war ein Angebot für Computertechnik und Installation im Wert von 39.363 Euro. Die Offerten mit 36 Monaten Laufzeit im Vergleich.
Leasinggesellschaft Vertragsart Monatliche Rate (€) Sonstige Kosten (€) Gesamt- aufwand (€) Effektivzins in
Prozent p. a.
Grenke Leasing VA¹ 1.074,61 38.685,96 –1,14 ²
DV Systems VA¹ 1.113,97 40.102,92 1,24
Comco kV ³ 1.149,40 41.378,40 3,38
AKF VA¹ 1.180,84 120,00 ⁴ 42.630,24 5,50
BFL kV ³ 1.188,76 75,00 ⁴ 42.870,36 5,90
Albis VA¹ 1.192,70 42.937,20 6,00
MMV kV ³ 1.153,34 1.968,15 ⁵ 43.488,39 6,62
LeasAG VA¹ 1.247,81 44.921,16 9,34

1) Amortisationsvertrag; 2) enthält Förderung durch die NRW-Bank in Höhe von circa zwei Prozent; 3) kündbarer Vertrag; 4) einmalige ­Gebühr; 5) Abschlusszahlung in Höhe von fünf Prozent des Anschaffungswerts

Dafür konnten sich die übrigen Finanzdienstleister, so sie sich denn überhaupt für den Kleinkunden interessierten, allesamt für das Geschäft erwärmen. Manche boten dabei überaus attraktive Konditionen an: „Anders als die teuren Anbieter, die teilweise satte Zinsen eingerechnet haben, sind die günstigsten Leasing­angebote einem Kreditkauf vorzuziehen“, sagt Dewein: „Jedenfalls für Unternehmer, die ihre IT-Technik regelmäßig erneuern.“

Wer alle Jahre wieder in neue EDV und Zubehör investiert, sammelt mit der Zeit massenhaft Computerschrott an. „Allein dafür ist es dann gut, eine Leasinggesellschaft zu haben, die die Altgeräte abholt und auf eigene Kappe verwertet oder entsorgt“, sagt Dewein. Ein Leasingvertrag für IT ist seiner Auffassung nach immer dann sinnvoll, wenn die Technik nach drei, spätestens vier Jahren veraltet ist und damit für Unternehmer unbrauchbar. Bei deutlich längerer Nutzung dagegen rentiert sich der Kauf der Ausrüstung eher.

Diese Annahmen legt Dewein bei der Bewertung der Leasingangebote aus dem Test zugrunde: Sinnvoll erscheinen ihm Offerten mit Laufzeiten von 36 bis 48 Monaten, weil diese am besten zur typischen Nutzungsdauer der Unternehmen passen. Zweitens taugen nur Vollamortisationsverträge oder die ähnlich kalkulierten kündbaren Verträge. Nur bei diesen beiden Vertragsarten kann der Kunde sicher sein, dass die Leasinggesellschaft die Geräte am Ende auch abholt – und dafür kein Geld verlangt. Wer will, kann Computer und andere technische Geräte zwar zum Restwert übernehmen, muss aber nicht. Anders bei Teil­amortisa­tions­verträgen: Dort genießen die ­Anbieter regelmäßig ein Andienungsrecht, können Kunden also zwingen, ihnen die alten Teile zu einem vorher vereinbarten Kaufpreis abzunehmen. Derart gestrickte Verträge boten im Test Altaplan und MLF Mercator-Leasing an.

Test 2: Spezialsoftware mit Schulung
Die Leasingfirmen sollten Angebote für Softwarelizenzen plus Schulung im Wert von 14.545 Euro machen. Vertragslaufzeit auch hier: 36 Monate
Leasinggesellschaft Vertragsart Monatliche Rate (€) Sonstige Kosten (€) Gesamt- aufwand (€) Effektivzins in
Prozent p. a.
Grenke Leasing VA¹ 397,08 14.294,88 –1,14 ²
DV Systems VA¹ 411,62 14.818,32 1,24
Comco kV ³ 424,71 15.289,56 3,38
MLF VA¹ 429,80 15.472,80 4,47
Siemens kV ³ 436,35 75,00 ⁴ 15.783,60 5,40
Albis VA¹ 440,71 15.865,56 6,00
BFL kV ³ 439,26 75,00 ⁴ 15.888,36 5,90
MMV kV ³ 426,17 727,25 ⁵ 16.069,37 6,62
LeasAG VA¹ 461,08 16.598,88 9,34

1) Amortisationsvertrag; 2) enthält Förderung durch die NRW-Bank in Höhe von circa zwei Prozent; 3) kündbarer Vertrag; 4) einmalige ­Gebühr; 5) Abschlusszahlung in Höhe von fünf Prozent des Anschaffungswerts

Als ähnlich ungünstig für Kunden bewertet Dewein Mietkauf­angebote, wie sie die Unicredit vorschlug. Beim Mietkauf gehen die Geräte mit Zahlung einer sogenannten Ballonrate am Ende sogar automatisch ins Eigentum des Kunden über. Das ist gut für die Gesellschaft, die sich nicht um die anschließende Vermarktung kümmern muss, aber schlecht für den Kunden: „Den Schrott will ja niemand haben“, sagt Dewein: „Teilamortisations- oder Mietkaufangebote sind in diesem Geschäft eindeutig eine Fehlberatung.“ Konsequenz: Entsprechende Angebote flogen gleich ganz aus der Wertung.

Ärgerlich für Kunden: Einige Anbieter bringen die eigentlich klar voneinander abgegrenzten Vertragsarten offensichtlich selbst durcheinander. So bot die MVV Leasing, eine Tochtergesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg, einen kündbaren Vertrag an, kündigte im Begleitschreiben aber eine Offerte auf Teilamortisa­tionsbasis an. Laien kommen angesichts solch sprachlicher Unschärfen leicht durcheinander. Vollends verwirrend wurde es im Test bei der MLF Mercator-Leasing: Die bot als Alternative zum Vollamortisationsvertrag eine „Teilamortisation mit Kaufoption“ feil. „Das ist schlicht Unsinn“, sagt Dewein. „In Wahrheit hat nur der Anbieter eine Option, nämlich ein Verkaufsrecht.“

Mietrechtsfragen
Die rechtlichen Grundlagen für Leasingverträge sind nicht im Gesetz, sondern in vier Erlassen geregelt. Darauf basieren auch die populärsten Vertragsvarianten für IT-Verträge.
Vollamortisation Bei der Vollamortisa­tion (VA) decken die Leasingraten den vollen Anschaffungspreis, alle Kosten und die Gewinnmarge des Leasinggebers. Am Ende der Laufzeit können Unternehmer das Objekt oft zum Restbuchwert oder Zeitwert kaufen oder den Vertrag verlängern. VA-Verträge sind nicht kündbar, sie können über 40 bis 90 Prozent der „betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer“ laufen. Hardware, die über 60 Monate abgeschrieben wird, lässt sich also für 24 bis 54 Monate leasen.
Teilamortisation Bei diesen Verträgen ist das Leasinggut am Ende der Laufzeit nur teilweise abbezahlt. Die Leasinggesellschaft kalkuliert deshalb noch einen Restwert ein, zu dem sie das gebrauchte Teil verwertet oder per Andienungsrecht zum vorher vereinbarten Preis an den Kunden verkauft.
Kündbarer Vertrag Diese Kontrakte sind, solange die 40-Prozent-Regel für die Grundmietzeit (siehe VA-Verträge) eingehalten wird, jederzeit auflösbar. Wer vor der rechnerischen Voll­amortisation kündigt, muss allerdings die bis dahin noch ausstehenden Raten ablösen.
Mietkauf Ein Mietkauf ist kein Leasing-, sondern eher ein Kaufvertrag auf Raten. Denn nach der letzten Rate, die als sogenannte Ballonrate meist höher ist als die laufenden Zahlungen, gehört die Ware dem vorherigen Mieter.

Deutlich besser machte es Testsieger Grenke Leasing. Das börsennotierte Unternehmen aus Baden-Baden, ein reiner IT-Finanzierer, der im vergangenen Jahr europaweit Geschäft im Wert von über 1 Mrd. Euro abwickelte, setzte sich wie schon in den Vorjahren an die Spitze des Vergleichsfelds. Und dabei beteuert Finanzvorstand Jörg Eicker, keineswegs Kampfpreise auszurufen: „Wir erkaufen uns keine Marktantei­-le über aggressive Konditionen“, sagt Eicker. „Denn so angelockte Kunden sind später ganz schnell wieder weg.“

Der Testsieger punktet mit Fördergeld

Dass Grenke trotzdem seit einigen Jahren die Konkurrenz im Preis aussticht, hat andere Gründe: Erstens stehen dem Unternehmen dank konzerneigener Bank äußerst günstige Mittel zur Refinanzierung bereit. Zweitens kann Grenke durch seine Größe und Marktmacht inzwischen gebrauchte Laptops, Computer und Kopierer effizient verkaufen. Und drittens bindet das Unternehmen im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, in dem auch das impulse-Testunternehmen sitzt, seit Frühjahr 2010 Fördermittel der NRW-Bank ein. Das senkt die Raten unterm Strich um etwa zwei Prozent. Nach wie vor ist Grenke die einzige Leasinggesellschaft, die ein entsprechendes Abkommen mit der Landesförderbank unterschrieben hat. Ergebnis: Inzwischen kann Grenke rechnerisch sogar negative Zinsen berechnen, kassiert also nicht einmal so viel Geld über die Raten, wie die Ware im Einkauf kostet. Das schafft kein Konkurrent.

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