Management „Büros werden zur Internet-freien Zone“

Das ist heute schon möglich: Das Start-up Giant Pixel in San Francisco ist Vorreiter der modernen Bürogestaltung.

Das ist heute schon möglich: Das Start-up Giant Pixel in San Francisco ist Vorreiter der modernen Bürogestaltung.© Jasper Sanidad

Räume mit digitalen Wänden. Heizungen, die man per Gedanken steuert. Mitarbeiter, deren Bewegungen auf Schritt und Tritt aufgezeichnet werden. Heiko von der Gracht erforscht mit seinem Think Tank for Futures Management die Arbeitswelt der Zukunft. Nicht alle Szenarien hören sich verlockend an.

Wie wird das Büro im Jahr 2030 aussehen?

Die Veränderungen werden einschneidend sein. Unsere Großeltern arbeiteten noch ein Leben lang am gleichen Ort für dieselbe Firma. Heute arbeiten wir auf verschiedenen Kontinenten, im Homeoffice oder am Strand. Die technologische Entwicklung wird weiter voranschreiten und schon bald Dinge möglich machen, die sich für uns heute noch wie Szenen aus einem völlig überzogenen Science-Fiction-Film anhören.

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Zum Beispiel?

Das fängt bei riesigen digitalen Displays an, die die heutigen Bürowände ersetzen und endet bei einem Gerät, das der japanische Technologiekonzern Hitachi kürzlich vorgestellt hat: Mit dem aus Infrarot- und Mikrofon-Sensoren bestehendem „Business Microscope“, das jeder Mitarbeiter um den Hals trägt, lassen sich alle Bewegungen und Kontakte von Mitarbeitern nachverfolgen. Was man tut und mit wem man redet, wird so ausgewertet. Das soll die Effizienz der Arbeit erhöhen.

Klingt gruselig.

Das ist in Deutschland derzeit undenkbar, da wären sicher viele Mitarbeiter und nahezu jeder Betriebsrat dagegen. In asiatischen Ländern, wo es eine hohe Affinität zu neuen Technologien gibt, nutzen dagegen schon heute hunderte Firmen diese Technik. Dort wird offensichtlich auch das Thema personenbezogener Daten am Arbeitsplatz nicht so eng gesehen wie bei uns.

Wenn man zukünftig jederzeit und an jedem Ort arbeiten kann, wozu gibt es dann überhaupt noch Büros?

Das feste Büro mit dem eigenen Namensschild an der Tür wird es sicher immer weniger geben. Die Funktion des Orts wird sich ändern. Das Büro wird ein Platz sein, um sich mit Kollegen auszutauschen, Inspiration zu finden, neue Ideen zu entwickeln. Daher wird sich auch die Architektur wandeln: Schon heute sehen wir bei Unternehmen wie Google und Facebook, dass ganze Firmengelände wie ein Campus gestaltet werden, der das Miteinander fördert. Denkbar ist auch, dass in Büros zunehmend Wifi-freie Zonen ohne Internet eingerichtet werden, um zur Ruhe zu kommen und klare Gedanken zu fassen. Emails beantworten kann man ja schließlich auch zuhause oder im – selbstfahrenden – Auto.

Wer in ein paar Jahren seinen Arbeitsplatz betritt…

…muss kein Licht mehr anmachen, denn das Büro verfügt über Ambient Intelligence. Der Raum erkennt, wer ihn betritt, und schafft elektronisch einen individualisierten Arbeitsplatz. Licht, Farbe und Temperatur werden auf den jeweiligen Nutzer abgestimmt. Das Handy ist mit allen möglichen Gegenständen am Arbeitsplatz vernetzt. Gesteuert wird das alles mit Gesten – und irgendwann einfach nur noch mit Gedanken.

Welche Ideen aus der Trendforschung können Unternehmen schon heute umsetzen?

Einiges wird schnell Realität werden. Die Sprachbarriere etwa könnte schon bald fallen. So hat Microsoft mit dem Skype Translator kürzlich ein Programm präsentiert, das Echtzeit-Übersetzungen ermöglicht. Ein Mitarbeiter spricht an einem Ende der Leitung in seiner Muttersprache, am anderen Ende hört der Kollege die Live-Übersetzung. Das könnte die Zusammenarbeit in international aufgestellten Unternehmen radikal vereinfachen. Auch sogenannte Kollaborationstools wie Slack, Asana oder Trello erleichtern schon heute die Zusammenarbeit und das Managen von Projekten.

Heiko von der Gracht Der Wirtschaftsingenieur Heiko von der Gracht, 36, leitet den Think Tank for Futures Management am Institute of Corporate Education (Incore) in Berlin. Zuvor war er Direktor des Instituts für Zukunftsforschung und Wissensmanagement der EBS Business School in Wiesbaden.

 

 
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