Management Burn-out-Prävention: Chefs sollen Vorbild sein

Ausgebrannt? Eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen kann helfen, Maßnahmen gegen Burnout zu entwickeln.

Ausgebrannt? Eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen kann helfen, Maßnahmen gegen Burnout zu entwickeln.© Bomix / Fotolia.com

Die Zahl der Burn-out-Fälle steigt rapide an. Immer mehr Unternehmen setzen nun auf Coachings für Führungskräfte. Denn die haben eine Schlüsselrolle, wenn sie Mitarbeiterausfälle wegen psychischer Erkrankungen verhindern wollen.

Ständig aufblinkende neue Mails, rund um die Uhr klingelnde Telefone, Arbeitsaufträge, die am besten schon erledigt sind, wenn sie eintreffen. Das hohe Tempo in der modernen Arbeitswelt bleibt nicht ohne Folgen für die Gesundheit der Belegschaft. Nun sollen Führungskräfte als Vorbild dienen.

Immer häufiger sind psychische Belastungen der Grund, dass Menschen nicht mehr arbeiten können. Die psychischen Anforderungen im Job sind der Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz (BAUA) zufolge seit Mitte der 90er Jahre deutlich gestiegen. Im Gesundheitsreport des BKK Dachverbands heißt es: Etwa 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage der etwa 4,3 Millionen BKK-Versicherten in Deutschland seien psychisch bedingt. Die mittlere Ausfalldauer bei psychischen Leiden sei mit gut 40 Tagen so hoch wie bei keiner anderen Erkrankung. In den vergangenen zehn Jahren hat die BKK eine deutliche Zunahme der Krankheitstage wegen psychischer Störungen registriert.

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Führungsverhalten eines Chefs beeinflusst Krankheitsdauer

„Zugleich zeigt sich, dass die Dauer psychischer Erkrankungen stark vom Führungsverhalten eines Chefs abhängt“ sagte Bosch-Personalchef Christoph Kübel in einem Gespräch mit den „Stuttgarter Nachrichten“. Der Stuttgarter Technik-Konzern hat nun nach hartnäckigem Drängen des Betriebsrats eine Betriebsvereinbarung geschlossen: Sie sieht unter anderem vor, dass Führungskräfte und Mitarbeiter sensibilisiert und anonyme Hilfsangebote bereitgestellt werden.

„Vor psychischer Überlastung ist niemand gefeit, sei der Auslöser auferlegter Druck oder Selbstüberforderung“, sagt Betriebsratschef Alfred Löckle, der die Betriebsvereinbarung ausgehandelt hat. „Deshalb wollen wir mit dieser Vereinbarung das Stigma des Makels durchbrechen und den offeneren Umgang mit seelischen Belastungen erleichtern.“

Bosch ist längst nicht das einzige Unternehmen, das sich des Themas annimmt. Auch beim Stuttgarter Autokonzern Daimler werden Führungskräfte in Schulungen sensibilisiert, damit sie Anzeichen für persönliche Krisen bei Mitarbeitern wahrnehmen und gegebenenfalls den Werksarzt einschalten können.

Gesundheitscoachings bei der Deutschen Bahn

Bei der Deutschen Bahn wurde das Betreuungskonzept, das ursprünglich für Lokführer vorgesehen war, die Unfälle mit Menschen verarbeiten mussten, schon 2012 auf alle Mitarbeiter ausgeweitet. „Seit gut vier Jahren arbeiten wir daran, dass wir ein besseres Führungsverständnis bekommen“, sagt eine Bahn-Sprecherin. So gebe es Gesundheitscoachings, in denen Führungskräfte lernen, Anzeichen psychischer Probleme zu erkennen.

Bei der Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz (BAUA) macht man den Wandel der Arbeitswelt für die Zunahme psychischer Belastungen verantwortlich. In einem Forschungsprojekt soll die Wirkung von Belastungen erkundet werden, um dann Messstandards und Grenzwertempfehlungen zu erarbeiten. Starker Termin- und Leistungsdruck werden dabei als Belastungen angesehen wie häufige Störungen und Unterbrechungen und sehr schnelles Arbeiten.

Führungskräfte sollen Vorbild sein

Beim Softwarekonzern SAP verhandelten Betriebsräte mit dem Arbeitgeber fast zwei Jahre über eine Betriebsvereinbarung, mit deren Hilfe psychischen Erkrankungen entgegen gewirkt werden kann. Das hohe Tempo, das SAP-Chef Bill McDermott bei dem Softwarekonzern vorgibt, macht etlichen Mitarbeitern zu schaffen.

An dem höheren Tempo in der IT-Industrie könne man wenig ändern, entgegnet SAPs Gesundheitsmanagerin Natalie Lotzmann. SAP versucht in einem Index die Gesundheit in der Organisation abzubilden. Ein Prozentpunkt Verbesserung in dem Index, so rechnet man bei SAP vor, bringt dem Softwarekonzern bis zu 70 Millionen Euro mehr Gewinn.

Nur mit einem Beschluss oder einer Vereinbarung werde allerdings keine Bewusstseinsänderung erreicht. Deshalb setzt man wie bei Bosch auf Vorbilder: 600 Führungskräfte bei SAP werden aktuell geschult, damit sie ihren Mitarbeitern eine andere Kultur vorleben. „Ein Manager muss sich bewusst sein, dass er wichtiger für die Gesundheit ist als ein Hausarzt“, so Lotzmann.

Was Chefs beherzigen sollten

„Als Führungskraft sollte man Vorbild sein“, sagt auch Ulrich Schübel vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Das gelte sowohl für die wöchentliche Arbeitszeit als auch für das Thema Erreichbarkeit. Ist der Chef rund um die Uhr beruflich am Handy erreichbar, eifern dem auch eher die Mitarbeiter nach – im schlimmsten Fall, bis sie Erschöpfungssymptome zeigen.

Wichtig bei der Burn-out-Prävention: Anerkennung und Wertschätzung der Arbeit des Mitarbeiters. Dadurch können Chefs den Stresslevel der Mitarbeiter senken, sagte Schübel der „Welt“. Bei guten Leistungen sollten Arbeitgeber ihre Angestellten also ausdrücklich loben.

 

Was tun Sie, um die Stressbelastung von Mitarbeitern zu senken oder einen Burn-out zu verhindern? Schreiben Sie uns gerne, am besten an online@impulse.de. Vielleicht können ja auch andere von Ihren Impulse profitieren. Wir freuen uns, von Ihnen zu lesen!

1 Kommentar
  • Marco Teschner 9. August 2015 06:37

    Ständige Erreichbarkeit und die Anzahl der Überstunden sind bei weitem nicht allein Ursache des Problems. Anerkennung und Wertschätzung, durchaus auch Dankbarkeit fehlen vielerorts in den Betrieben.

    Andersherum wird auch unterschätzt, dass Dauerschönwetterkultur auch nicht die Lösung ist. Wie immer macht es die Ausgewogenheit aller Faktoren, die dazu beiträgt, dass Führungskräfte und Mitarbeiter in ihrem Arbeitsumfeld sich entfalten können.

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