Management Was Firmennachfolger beachten sollten

Vanessa Weber stieg früh in die Firma ihres Vaters ein - eine Entscheidung, die sie nie bereut hat. Die Unternehmerin und impulse-Bloggerin berichtet von ihren Erfahrungen - und gibt potenziellen Firmennachfolgern Tipps.

Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag: Mein Vater hatte mich in den Biergarten eingeladen. Wir saßen da, vor Hähnchen und Pommes, und plötzlich fragte er: „Vanessa, übernimmst Du die Firma – oder nicht?“ Ich war 18 und habe direkt ja gesagt.

Wirklich überraschend kam diese frühe Entscheidung für mich nicht. Schon alleine wegen unserer Firmenhistorie. Mein Großvater starb an einem Herzinfarkt – mit 45 Jahren. Darauf war keiner vorbereitet. Als mein Vater übernahm, war die Firma noch ganz klein. Die Betriebsräume umfassten nur 100 Quadratmeter, so viel wie eine Dreizimmer-Wohnung. Mein Vater hatte kurz zuvor einen schweren Mopedunfall gehabt. Er war immer noch angeschlagen, als es um die Entscheidung ging: Verkaufen oder weitermachen. Dennoch hat er die Firma übernommen – mit 17 Jahren, ohne zuvor getroffene Regelungen. Er hat sie nicht nur weitergeführt, er hat sie auch zu etwas Großen ausgebaut.

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Mein Vater kämpft heute noch mit den Spätfolgen des Unfalls. Deshalb hatte er beschlossen, die Nachfolge lieber früh als spät zu regeln. Das ist auch ein Tipp, den ich Unternehmern dringend ans Herz legen möchte: Die Nachfolge vorausschauend zu planen.

Praktikum als Entscheidungsgrundlage

Ein Praktikum im eigenen Betrieb ist dabei eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Eltern – und Kinder. Bei mir selbst war es genauso. Man sollte auf jeden Fall erst in den eigenen Betrieb reinschauen, bevor man sich noch anderswo Eindrücke holt. Potenzielle Nachfolger müssen testen, ob die Firma überhaupt etwas für sie ist  – und sie müssen sehen, was da alles dranhängt.

Auch für die Eltern ist das wichtig. Es bringt nichts, auf Teufel komm raus darauf zu beharren, dass die Kinder durch Geburtsrecht automatisch die Unternehmensnachfolger sind. Das ist ein Fehler, der häufig gemacht wird. Unternehmer können ihren Kindern nicht einfach sagen, „du kannst das schon“ – und dann gehen die Nachfolger sang und klanglos
unter oder werden nicht akzeptiert.

Ausmaß der Entscheidung realisieren

Wer sich für den Einstieg in den Familienbetrieb entscheidet, muss sich über viele Dinge im Klaren sein. Allen voran: Das bedeutet Arbeit –  richtig viel Arbeit.

Was die Leute oft vergessen: Erfolg hat nur, wer sich richtig reinhängt. Spitzensportler zum Beispiel trainieren jeden Tag. Erfolgreiche Menschen machen immer zehn Prozent mehr als andere – man sieht es nur von außen nicht. Wenn die Mitarbeiter spüren, dass man sich engagiert und wirklich dahinter steht – dann bekommt man auch ihren Respekt. Ich war immer die Erste, die kam, und die Letzte, die ging. Wer um neun erstmal zum Golfen geht und mehr im Urlaub als in der Firma ist, wird nicht respektiert. Das funktioniert nicht.

Auszeit gönnen

Ich bin sehr früh in unseren Betrieb eingestiegen und habe mir nicht die Zeit genommen, mich noch ein oder zwei Jahre auszuklinken. Ich wäre gerne noch ins Ausland oder in ein, zwei andere Firmen gegangen. Das würde ich heute unter Umständen anders machen. Nachfolgern rate ich deshalb, sich vor dem Start noch Zeit für sich selbst zu nehmen.

Gegenseitig Rückhalt geben

Es gibt einen schönen Spruch: „Wenn ich in die Fußstapfen anderer trete, kann ich keine eigenen Spuren hinterlassen“. Kinder müssen nicht alles eins zu eins wie die Eltern machen. Auch in einem gut geführten Unternehmen kann man die eine oder andere Sache verbessern. Ich habe vieles anders als mein Vater gemacht. Offenheit ist bei diesem Punkt sehr wichtig – und auch der gegenseitige Rückhalt.

Unternehmer müssen Verantwortung an die Nachfolger übertragen. Denn wer selbst entscheiden kann, ist unglaublich motiviert. Kinder, die immer in Watte gepackt werden, lernen nichts. Sie müssen eigene Fehler machen dürfen.

Rat im Netzwerk suchen

Zwei weitere entscheidende Punkte bei der Nachfolge sind Weiterbildung und Netzwerkpflege: Seminare besuchen und wenn es geht, sich einen Mentor nehmen. Ich bin im Betrieb aufgewachsen und habe im Krabbelstand neben dem Schreibtisch gestanden. Dann war ich plötzlich die Chefin von älteren Mitarbeitern, die mich früher als Baby auf dem Schoß hatten. Wie sollte ich damit umgehen? In meinem Netzwerk hatte ich viele Kontakte, die dieses Problem schon durchexerziert hatten. Das hat mir sehr geholfen.

Als Firmennachfolger sollte man einen Lebenspartner haben, der eine Stütze ist und nicht auch noch bremst. Denn was sich Jungunternehmer eingestehen müssen: Die Firma ist meistens am Anfang an erster Stelle und kostet sehr viel Zeit und Kraft. Das muss man ehrlicherweise so sagen. Anders funktioniert es nicht. Aber es lohnt sich. Ich kann die Selbständigkeit jedem nur empfehlen. Es ist schön, sein eigener Herr zu sein. Es ist schön, eine Firmentradition fortzuführen. Ich habe es nicht bereut.

3 Kommentare
  • Franz Jakob 14. März 2015 22:32

    Sehr geehrte Frau Weber,

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag und auch für Ihre anderen Beiträge.

    Ich stehe vor der Entscheidung, nach der Ausbildung im Autohaus meines Vaters anzufangen.
    Welche Netzwerke und Seminare empfehlen Sie konkret, im „normalen“ Freundeskreis finde ich für solche Probleme immer wenig bis gar kein Verständnis…

    Ich bedanke mich für eine Antwort und wünsche nur das Beste

    Franz Jakob

  • Nicole Moraru 4. November 2013 17:47

    Sehr geehrte Frau Vanessa Weber,

    ich finde es sehr mutig, bereits so jung in das Familienunternehmen einzusteigen. Sie haben eine spannende Geschichte. Danke, dass Sie sie mit uns Leser teilen. Besonders schön finde ich an Ihrem Bericht, dass er das Positive am Unternehmerdasein darstellt. Das motiviert andere, ebenfalls den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.

    Ich stamme selbst aus einem Familienunternehmen und war dort 7 Jahre als Geschäftführerin tätig. Dann habe ich mich entschieden ein ganz eigenes Unternehmen zu gründen. Im Moment schreibe ich ein Buch über Unternehmensnachfolge. Ich habe bereits namhafte Firmen wie z. B. Trigema, Herrn Grupp, interviewt.Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir ein Interview geben, damit ich Ihre positiven Erfahrungen in meinem Buch weitergeben kann.

    Ich freue mich auf eine positive Nachricht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Nicole Moraru

    Firma AFLAME

  • Christian Druse 31. Oktober 2013 19:39

    Ein toller Bericht, den ich aus ähnlicher Erfahrung komplett bestätigen kann. Hut ab vor Ihrer Leistung und vor allem der erfolgreichen Umsetzung. Denn Theorie in Praxis umzusetzen ist oft schwieriger, wie man denkt.Ich bin mir sicher, daß wenn man sich Ihre Tips zu seinem eigenen Leitfaden nimmt und über den eigenen “ Tellerrand“ hinwegschaut, vieles etwas einfacher wird. Weiter so und beste Grüße aus dem Norden.

    Hochachtungsvoll
    Christian Druse

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