Management Das können Sie vom Zirkus Sarrasani lernen

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© Sven Döring für impulse

Tollpatschige Clowns, Zaubertricks - wollen das noch genug Leute sehen? Die Zirkusunterhaltung konkurriert mit iPads und Playstations. Der traditionsreiche Zirkus Sarrasani musste sich daher neu erfinden - und ist heute mit neuem Konzept wieder erfolgreich. Das können Unternehmen von der Zirkusfamilie lernen.

Die Geschichte des Zirkus Sarrasani reicht mehr als 100 Jahre zurück. Inzwischen bietet das Familienunternehmen neben klassischem Zirkus seit einige Jahren auch eine Dinnershow und organisiert Großevents.

1. Zufall? Chance!: Eigene Stärken anderweitig nutzen

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Wie so oft bei Geschäftsideen regierte auch beim Neustart des Circus Sarrasani das Schicksal. Die Idee für das Eventgeschäft entstand vor fast 20 Jahren eher zufällig – nach einem Gastspiel in Münster. Damals fragte der dortige Gaststättenverband, ob Sarrasani seine Zelte auch vermieten würde. Der Gelegenheitsjob verdeutlichte dem damaligen Juniorchef, dass er mit seinen Kernkompetenzen „Spaß, Unterhaltung, Aufbau, Abbau, Transport“ auch neue Geschäftsfelder erschließen kann, die ihm das ganze Jahr über Erträge bringen. Dennoch muss der Familienbetrieb aufpassen, seiner Fangemeinde treu zu bleiben. „Wir haben schon einmal etwas ganz anderes versucht“, erinnert sich André Sarrasanis Mutter Ingrid, 81. Unter dem Motto „Zirkus der dritten Art“ inszenierte die Familie Ende der 80er-Jahre eine aufwendige Zirkus- Rockshow. „Das Publikum war geschockt. Nach zwei Monaten wären wir fast pleite gewesen“, sagt André Sarrasani. „Es war einfach zu extrem und entsprach nicht den Erwartungen, die die Leute bei dem Namen Sarrasani hatten.“

2. Mach es selbst: Fremde Geschäftsfelder erschließen

Nachdem der Chef seines langjährigen Catering- Services ein eigenes Lokal eröffnete, ist Sarrasani vor fünf Jahren sogar unter die Gastronomen gegangen – und managt die kulinarische Verpflegung seiner Dinnershow-Gäste inzwischen selbst. „Damals haben alle gesagt, jetzt spinnt der Junge total.“ Dank spezieller Systemgastronomie-Technik schaffen es Sarrasanis 14 Servicekräfte, die bis zu 380 Gäste im Saal innerhalb von acht Minuten an ihrem Platz zu bedienen. Ersparnis durch die Umstellung: 22 Prozent beim Wareneinsatz, ein Drittel beim Personal, sagt Sarrasani. Die Küchenkompetenz musste der Zirkusmann dennoch von außen ins Unternehmen holen. Über Sarrasanis neuen Catering-Bereich wacht der Starkoch Mirko Reeh. „Ich kann zwar kochen“, sagt Sarrasani. „Aber zaubern kann ich doch besser.“

3. Marke mit Tradition: Altes bewahren, Trends erkennen

Trotz seiner Neuausrichtung hat der Circus Sarrasani immer an seinem Traditionsgeschäft festgehalten. Zwar haben Zirkus und Varieté – rein wirtschaftlich gesehen – an Bedeutung verloren, doch das Showgeschäft sei „neben Spaß und Leidenschaft“ auch „ein gutes Martketinginstrument für die anderen Geschäftsbereiche“, sagt Sarrasani: „Wir haben einen Bekanntheitsgrad, der dem von Tempo oder Nivea ähnlich ist.“ Und weil drei Viertel der Gäste wiederkommen, muss sich der Zirkusdirektor immer wieder neue Attraktionen einfallen lassen. Im Dinner-Varietétheater Trocadero wechselt mit jeder Spielzeit das Thema. Zuletzt wurden unter dem Motto „PUR“ die Technik reduziert und die Leistungen der Artisten in den Vordergrund gerückt. Auch ob ein Zirkus heute Wildtiere brauche, diskutiere er „fast täglich“, sagt Sarrasani. Um flexibel zu bleiben und aktuelle Trends nach Dresden zu holen, bucht Sarrasani Künstler in aller Welt, die er als freie Mitarbeiter beschäftigt.

4. Marketing als Guerilla: Geschichten kreieren

„Ich habe keine üppigen Marketingbudgets“, sagt Sarrasani. Er setzt auf Online- und Social-Media-Marketing sowie strategische Werbe-Allianzen, „die nicht viel Geld kosten“. Wichtig hierbei: „Die Frage ist immer: Wer hat etwas von mir und meiner Marke, und wem kann ich etwas geben?“, sagt Sarrasani. Zudem vermarktet er sich und seinen Betrieb auf ungewöhnliche Weise. Vor zehn Jahren zum Beispiel spazierte einer seiner Seiltänzer auf die Dresdner Frauenkirche. „Natürlich haben wir es als Zirkus einfacher zum Stadtgespräch zu werden; es gibt aber auch kleinere Aktionen, die sich auf andere Unternehmen übertragen lassen“, sagt Sarrasani. Bei einer Guerilla-Aktion etwa ließ er vor einer Show ganz Dresden mit Tigerpfoten aus Kreide besprühen. „Einen Tag später rief die Stadtverwaltung
an und wollte, dass wir die Sprühkreide entfernen.“ In die Lokalzeitung gelangte die Aktion dennoch. Kosten fürs Sprühen und Entfernen der Logos: „Nicht mal 500 Euro“, sagt Sarrasani.

 

Am 20. Februar waren impulse-Leser bei Zirkus Sarrasani zu Gast, erfuhren die Erfolgsgeheimnisse des Familienunternehmens aus erster Hand. Wollen auch Sie bei einem impulse-Netzwerktreffen dabei sein und sich mit anderen Selbstständigen und Unternehmern auf Augenhöhe austauschen? Dann werden Sie Mitglied: www.shop.impulse.de

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