• Das Streben nach Glück

    Klimawandel, überbordender Kapitalismus, Bankenkrise, Artensterben oder Altersarmut - die negativen Meldungen, mit denen die Medien tagtäglich ihre Leser und Zuschauer konfrontieren, ist lang. Immer mehr junge Menschen suchen daher nach ihrer Ausbildung Erfüllung in gesellschaftlich relevanten Berufen oder gründen selbst Firmen in diesem Bereich. Dabei gibt es Organisationen wie Ashoka, die sie auf diesem Weg unterstützen

    “Der Mensch kann in seinem Leben einen Sinn nur finden, wenn er sich dem Dienst
    an der Gemeinschaft widmet” – Albert Einstein.

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    Geht man davon aus, dass Werbung immer an den potentiellen Konsumenten und deren Lebensstilen ausgerichtet ist, dann waren die 2000er Jahre von einem starken Egoismus geprägt. Im Gewand eines neuen kapitalisierten Individualismus wurden unter Slogans wie Geiz ist geil oder dem historisch belasteten Jedem das Seine Menschen animiert schnell, günstig und völlig losgelöst von der Gesellschaft zu handeln und zu konsumieren. Eine Mentalität, die das Gemeinwohl und ein unterstützendes Miteinander außer Acht ließen.

    Consulting Firmen warben junge motivierte Studenten direkt von der Universität ab. Mit dem Versprechen von schnellen Autos und prallgefüllten Konten. Im Gegenzug dafür forderten sie volle Flexibilität und eine nahezu ganztägige Erreichbarkeit. Viel hat sich daran auch heute nicht geändert, noch immer geben Absolventen den Verlockungen nach und tauschen ihre Arbeitskraft und Freizeit gegen materielle Werte.

    Trendwende zu erkennen

    Jedoch ist ein neuer Trend zu erkennen, der unternehmerisches Handeln mit Sozialem verknüpft. Nicht erst die Bankenkrise oder die Occupy-Bewegung haben bei vielen jungen Menschen zu einem Umdenken geführt. “Wir von Ashoka beobachten, dass sich immer mehr hochqualifizierte Absolventen von den klassischen Karrierewegen abwenden und nach sinnstiftenden Aufgaben suchen,” sagt Rainer Höll von Ashoka Deutschland.

    Genau nach diesen Menschen sucht Ashoka, das sich selbst als eine Art sozialer Risikoinvestor sieht. Gegründet wurde die gemeinnützige Organisation 1980 in Washington DC und ist seit 2003 auch in Deutschland aktiv. Sie fördert nach eigenen Angaben Sozialunternehmertum in 70 Ländern weltweit. Unterstützt werden ausschließlich Projekte aus Bereichen wie Umwelt, Menschenrechte, Bildung, Gesundheit oder nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Seit der Gründung hat Ashoka weltweit circa 2000 Fellows ausgewählt und gefördert. Die bekanntesten unter Ihnen sind Muhammad Yunus und Jimmy Wales. Yunus erlangte durch die von ihm gegründete Garmeen Bank und dem damit verbundenen Mikrokreditprogramm weltweite Bekanntheit. 2006 wurde er für sein Engagement mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Jimmy Wales gründete im Jahr 2001 die freie und nutzerbetriebene Online-Enzyklopädie Wikipedia. Mittlerweile gibt es die Seite in mehr als 285 Sprachen und ermöglicht es weltweit kostenfrei auf Informationen zuzugreifen. Begleitet und unterstützt wurde Wales dabei von Ashoka ohne deren Hilfe es die Plattform heute nicht gebe, wie Höll im Gespräch mit impulse.de betont.

    Strenger Auswahlprozess

    Aber nicht jeder kann ein Fellow werden. Ein Netzwerk aus verschiedenen Experten sucht gezielt nach Menschen, die mit ihrer Idee und ihrer Gründung daran interessiert sind, tiefgreifende soziale und gesellschaftliche Prozesse in Gang zu setzen, um bestehende Probleme zu lösen. Die Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft schlagen dann nach einer ersten Überprüfung Ashoka potentielle Fellows vor. In mehrstufigen Auswahlverfahren werden aus 300 Vorschlägen jährlich sechs ausgewählt, die ein dreijähriges Lebenshaltungsstipendium erhalten. Darüber hinaus werden die Fellows durch Coaching sowie verschiedene Strategie- und Rechtsberatung unterstützt.

    Entrepreneure sind Zwischenhändler

    Alle ausgewählten Fellows haben etwas gemeinsam. Den Willen zu gestalten, zu verändern und andere von Ihrer Idee zu überzeugen. Besucht man die Homepage von Ashoka Deutschland kann man erfahren, wer diese Menschen sind und was sie motiviert. So zum Beispiel Ursula Sladek, die aus Unzufriedenheit über die hohen Stromkosten, das Elektrizitätswerken Schönau, den bisher einzigen bürgereigenen Netzbetreiber und Ökostromanbieter Deutschlands gegründet hat. Oder auch Michael Stenger, der mit Hilfe seines Privatschulprojekts “SchlaU” minderjährigen, meist traumatisierten Flüchtlingskindern, durch ein Netzwerk aus Pädagogen und Psychologen, zu einem Schulabschluss und einer Ausbildung verhilft.

    Das soziales Unternehmertum eine lange Tradition in Deutschland hat, zeigen die vielen gemeinnützigen Vereine, die großen Wohlfahrtsverbände oder auch die soziale Marktwirtschaft als ein Teil des Grundgesetztes. Neben den alt gedienten Organisationen hat in den letzten Jahren jedoch ein neuer Typus auf diesem Feld Fuß gefasst: Der Social Entrepreneur. “Entrepreneur” bedeutet übersetzt nicht wie oft vermutet nur Unternehmer sondern vielmehr Zwischenhändler. Dies meint, dass diese Gründerpersönlichkeit Probleme erkennt, aktiv an deren Lösung arbeitet und erst im zweiten Schritt unternehmerisch zu denken beginnt. “Social Entrepreneurs sind Gründerpersönlichkeiten, bei denen nicht die Rendite, sondern die Lösung eines gesellschaftlich relevanten Problems im Vordergrund steht,” sagt Höll.

    Wenn man gesellschaftliche Prozesse ändern will und unternehmerisch tätig werden möchte, braucht man Geld. Projekte und Startups, die nicht von Ashoka ausgewählt wurden, hatten bisher Probleme einen Investor oder eine Förderung zu bekommen. Durch die Entwicklungen der letzten Jahre hat sich die Situation aber merklich verbessert. Inkubatoren wie Social Impact Lab oder Investoren wie der Social Venture Fond oder Bon Venture sind seit einiger Zeit in diesem Bereich aktiv. Eines der wichtigsten Ziele sei es, so Höll, eine Infrastruktur für soziale Gründer in Deutschland zu schaffen, die es innovativen, sozialen Gründern ermöglicht schnell Unterstützung zu finden.

    Olympioniken als Leuchttürme

    “Die Menschen, die von Ashoka ausgewählt werden, sind vergleichbar mit Olympioniken, die andere durch ihre Höchstleistungen inspirieren sollen, selbst etwas zu tun, um die Gesellschaft und das Zusammenleben zu verbessern,” sagt Höll.
    Ein Beispiel für eine gelungene Förderung durch Ashoka ist das Projekt “discovering hands” des Gynäkologen Frank Hoffman. Dieser hatte die Idee Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen durch sehbehinderte Frauen durchführen zu lassen. Dies hat gleich mehrere Vorteile.

    Vorsorgeuntersuchungen für Frauen unter 50 Jahren werden nicht von der Krankenkasse bezahlt. Herkömmliche Verfahren sind teuer und oftmals sehr ungenau. Durch das erhöhte Tastempfinden sehbehinderter Frauen ist die diagnostische Erfolgsquote bei entsprechender Ausbildung höher. Sie sind kostengünstiger als technische Untersuchungen. Der vielleicht größte Vorteil des Programms ist aber die Vermittlung der Frauen in einen sicheren Job, denn die Arbeitslosenquote unter sehbehinderten Menschen liegt bei 80 Prozent.

    Welche Rolle Social Entrepreneurship in den nächsten Jahren spielen wird, ist noch nicht absehbar. Zweifelsohne lassen sich aber Veränderungen feststellen, die wieder verstärkt das Miteinander in den gesellschaftlichen Fokus stellen. Organisationen wie Ashoka können dabei helfen diese Prozesse zu unterstützen und gezielt Menschen zu fördern, die an die Lösung von sozialen und gesellschaftlichen Problemen glauben. Wirtschaftliches Handeln und soziales Engagement in Einklang zu bringen ist eine der größten Herausforderung der nächsten Jahre.

    • Quelle: impulse
    • Copyright: impulse
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