• „Das war ordentlich chaotisch“

    Zwei ausstehende Abschlussarbeiten, ein Startup, kein Büro. Vor zwei Jahren gründete Michael Minis, 26, Deutschlands erste private Carsharing-Plattform. Heute hat er sein Diplom - und Tamyca 2500 eingetragene Autos.

    Herr Minis, Sie haben als Student im Sommer 2010 an einem Gründertreffen teilgenommen. Kurz darauf entstand Tamyca. Wie kam es dazu?

    Michael Minis: Die Veranstaltung nannte sich 3 Day Startup. Ich bin aus purer Neugier einfach mal hingegangen. Dort wurde dann in Kleingruppen gebrainstormt und nach jeder Session abgestimmt, welche Ideen die besten sind. Bei Tamyca war der Grundgedanke simpel: Es ergibt doch keinen Sinn, dass Autos die meiste Zeit nutzlos herumstehen und dabei viel Geld kosten. Dann kann man sie lieber verleihen!

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    Das heißt, die Idee entstand nicht an der Uni?

    Minis: Richtig. Wir, die späteren Gründer, haben uns erst auf diesem Treffen kennengelernt. Bei der Idee haben wir uns von dem deutschen Carsharing-Projekt Car2go und dem amerikanischen Rent-A-Wreck inspirieren lassen. Wir waren übrigens ein ziemlich bunter Haufen: Informatiker, ein Jurist, ein Elektrotechniker und ich als Wirtschaftsingenieur. Damals haben wir alle noch studiert. Einige in Aachen, andere in Hamburg. Ich selbst musste noch zwei Abschlussarbeiten schreiben. Eine Studienarbeit, das entspricht in etwa einer Bachelor-Thesis. Und meine Diplomarbeit.

    Das klingt nicht unbedingt nach den besten Voraussetzungen, um ein Unternehmen zu gründen.

    Minis: Das war tatsächlich am Anfang ordentlich chaotisch. Wir mussten ja nicht nur die Uni zu Ende und Tamyca zum Laufen bringen, sondern zum Teil auch noch Geld verdienen, um davon leben zu können. Einige hatten 400-Euro-Jobs, ich selbst bereits eine andere Firma gegründet, die Fotovoltaikanlagen betreibt. Es gab bis zum Sommer 2011 auch kein richtiges Büro. Alles lief über Skype. Jeden Mittwoch um 20 Uhr war Konferenz. Und in acht Monaten ist nur eine einzige ausgefallen. Auch das zeigt, wie sehr wir uns mit dem Projekt identifizieren.

    Sie sind Wirtschaftsingenieur. Bringt Ihnen dieses Studium etwas für den Job als CEO bei Tamyca?

    Minis: Der Maschinenbau-Part bringt mir fachlich gar nichts. Das vermisse ich auch ein bisschen. Der BWL-Part hilft mir dagegen schon. Er ist eine gute Basis, auch wenn sich die Inhalte des Studiums eher an bestehenden Firmen orientieren. Im Bereich Rechnungswesen lernt man zum Beispiel, wie man die entsprechenden Vorlagen richtig ausfüllt. Bei Tamyca aber mussten wir diese Vorlagen erst ganz neu entwickeln.

    Sie hatten viel Stress in den vergangenen zwei Jahren. Und kurz nach dem Start haben Ihnen auch schon Nachahmer Konkurrenz gemacht. Was waren die schönen Momente?

    Minis: Wir sind noch immer die mit Abstand größte private Carsharing-Plattform in Deutschland. Und unser Wachstum motiviert schon. Es ist aber auch toll, wenn man E-Mails von Kunden bekommt, dass sie nicht nur ihr Auto verliehen haben, sondern der Mieter auch noch ein super Mädel oder ein netter Typ war. Dann merkt man, dass man etwas tut, was anderen wirklich Freude macht.

    • Quelle: impulse
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